Auch wenn sie immer noch acht Kilometer voneinander entfernt sind, rücken Bad Liebenzell und Schömberg auf dem Papier bald näher zusammen.Foto: Biermayer Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Gemeinderäte der beiden Kommunen fassen jeweils gleichlautende Beschlüsse / Unterreichenbach mit im Boot

Gemeinsam Stärke demonstrieren: Das wollen die drei Kommunen Bad Liebenzell, Schömberg und Unterreichenbach. Die Anerkennung als gemeinsames Unterzentrum soll viele Vorteile bringen.

Bad Liebenzell/Schömberg/Unterreichenbach. Nur Gemeinsam ist man stark: Diese Weisheit haben sich Schömberg und Bad Liebenzell in der Verwaltungsgemeinschaft mit Unterreichenbach zu Herzen genommen. Alle drei Kommunen wollen sich zusammenschließen und so die Einstufung als kooperierendes Unterzentrum erreichen. Alle Beteiligten erhoffen sich davon Vorteile. Den ersten Schritt in eine gemeinsame Zukunft sind die Gemeinderäte in Schömberg und Bad Liebenzell zeitgleich im Dienstagabend gegangen. Sowohl im Kurhaus als auch im Spiegelsaal entschieden sich die Gremien in gleichlautenden Beschlüssen dafür, gemeinsam zu einem Unterzentrum aufsteigen zu wollen.

Vorausgegangen war eine gemeinsame Sitzung von Teilen beider Gremien im Januar, bei der Einvernehmen erkannt und ein Gutachten beauftragt wurde. Diese von der Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) realisierte Untersuchung zu einer möglichen Aufstufung liegt nun vor.

Die GMA analysierte dafür die Raumstruktur, die Verkehrsinfrastruktur, die Bedeutung als Arbeitsplatzstandort, für den Tourismus, den Einzelhandel sowie die vorhandene zentralörtliche Ausstattung in beiden Standorten. Denn an diesen Faktoren macht sich fest, ob Orte als Klein- oder Unterzentrum eingestuft werden. Hier werden beispielsweise mindestens 10 000 Einwohner gefordert.

Beide Kommunen sind ähnlich groß und befinden sich in der Pforzheimer Randzone, so das Gutachten. Schömberg hat rund 8100 und Bad Liebenzell circa 9600 Einwohner. Dazu kommen noch die rund 2400 Einwohner aus Unterreichenbach. Die Verkehrsanbindung ist durch den Bahnhof in Bad Liebenzell besser, befindet die GMA. Sie bemängelt jedoch den langen Weg nach Möttlingen.

Beim Bevölkerungswachstum sieht das Gutachten in Bad Liebenzell in den kommenden Jahren eine Stagnation, was an geringen Wohnbaulandreserven liege. In Schömberg wird jedoch ein moderates Wachstum erwartet. Beim Arbeitsplatzangebot sind beide Kommunen mit etwa 230 pro 1000 Einwohnern gleichauf. Allerdings pendeln bei Weitem mehr Leute aus der Region zum Arbeiten als hinein.

Tourismus und Kur als klare Stärken

Tourismus und Kur identifiziert das Gutachten als klare Stärke sowohl in Schömberg als auch in Bad Liebenzell. Doch die zum Teil veralteten Angebotsstrukturen werden bemängelt. Beim Einzelhandel sei Schömberg durch das Angebot und Fachgeschäfte im Vorteil. Bad Liebenzell habe hier Nachholbedarf.

Bei der zentralörtlichen Ausstattung geht es darum, inwieweit ein Ort häufig wiederkehrende Bedürfnisse decken kann. Bei der Gesundheitsversorgung, der Bildung und den Sportstätten bewertet das Gutachten Bad Liebenzell etwas besser. Beim Thema "Banken" sei man gleichauf, bei den Dienstleistungen habe Schömberg die Nase vorn.

Insgesamt kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass beide Kommunen gemeinsam die Anforderungen eines Unterzentrums erfüllen.

Mehr Möglichkeiten für den Einzelhandel

Worin liegt der konkrete Nutzen, wenn beide Gemeinden jetzt als Unterzentrum gelten und nicht wie bisher als jeweiliges Kleinzentrum? Nun, zum einen streben Bad Liebenzell und Schömberg dadurch eine bessere Abbildung ihrer Position in dem sich aktuell in Fortschreibung befindenden Regionalplan Nordschwarzwald. Im Beschlussantrag schreiben die Verwaltungen, dass sie schon jetzt "wesentliche Versorgungsfunktionen über Stadt- und Gemeindegrenzen hinaus" wahrnehmen. Dem soll im Regionalplan Rechnung getragen werden. Konkreter wurde der Liebenzeller Stadtplaner Rainer Becht. Als Unterzentrum wäre es einfacher, Einzelhandelsflächen von mehr als 800 Quadratmetern auszuweisen. Außerdem erhoffe er sich Synergieeffekte. Vorbild seien hier Neuenbürg und Straubenhardt. Bürgermeister Dietmar Fischer erhofft sich neue Impulse für beide Kommunen. Bereits bei einer anderen Gelegenheit sagte Fischer, dass damit zum Beispiel das Modehaus Bertsch in Schömberg von vorneherein mehr Entwicklungsmöglichkeiten bekäme. Erst kürzlich hatte der Regionalverband Nordschwarzwald die Gemeinde Schömberg zu der Zusage gezwungen, für ihren Innenbereich einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, um die Entwicklungspotenziale des Modehauses zu ordnen. Das Geschäft hat derzeit eine Gesamtverkaufsfläche von 1450 Quadratmetern.

Abgesehen von den neuen Möglichkeiten eines Unterzentrums im Einzelhandel funktioniere die Zusammenarbeit im Tourismusbereich sehr gut, so Fischer in der Ratssitzung. Auch Stadtrat Sebastian Kopp (UL) freute sich auf die Zusammenarbeit ebenso wie Stadtrat Maik Volz (CDU). Dieser hoffte noch, dass sich durch die Kooperation in der Verwaltung noch Geld sparen lasse.

Auch in der Schömberger Gemeinderatssitzung waren die Stimmen durchweg positiv. Die Gelegenheit ist günstig, da der Regionalplan fortgeschrieben werden soll. Bürgermeister Matthias Leyn warb deshalb um diese Lösung. "Die Türe steht jetzt offen", sagte daher CDU-Fraktionschef Joachim Zillinger. Sein Fraktionskollege Michael Nothacker sprach von einer "sehr guten Sache".

Beide Gemeinderäte stimmten schließlich einstimmig für die Vorlage. In den nächsten Monaten sollen die Verwaltungen nun offiziell die Einstufung als kooperierendes Unterzentrum beim Regionalverband Nordschwarzwald beantragen. Außerdem wird ein Kooperationsausschuss gebildet.

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