Ob Zollprobleme mit Anne-Sophie Mutters Geige, Freuden beim Fußball mit Rod Stewart – der Konzertveranstalter Michael Russ wird 80. Das große Interview zum Ehrentag.
Kaffee und Brezeln auf dem Tisch, ein gesprächiger Michael Russ, der vom Aufwachsen und Leben mit der Musik erzählt.
Herr Russ, Sie waren 14 Jahre alt, als Sie Maria Callas auf der Bühne der Liederhalle erleben durften.
Und vielleicht war das eines der Erlebnisse, die mich zu diesem Beruf gebracht haben. Ursprünglich wollte ich Gartenarchitekt werden. Mein Vater hat mich aber immer wieder zu Konzerten mitgenommen – und damit wurde mein Interesse geweckt.
Sie werden 80, auch die Konzertdirektion Russ (SKS Russ) feiert denselben Geburtstag kurze Zeit später. Wie kam es zur Gründung?
Der damalige Amtsverweser und spätere Oberbürgermeister Arnulf Klett kannte meinen Vater oberflächlich und wusste, dass er vor dem Krieg Konzerte veranstaltet hat. Klett hat dann einen Boten nach Unterkochen geschickt, wo wir evakuiert waren, ob er denn bereit wäre, das Konzertleben in Stuttgart wieder aufzubauen. Mein Vater sagte spontan zu. Am 1. August 1945 bekam er von der amerikanischen Militärregierung die Lizenz zum Veranstalten von Konzerten. Damit musste er für alle Probleme, die auftauchten, den Kopf hinhalten. Wenn zum Beispiel in einem Orchester ein nicht-entnazifizierter Musiker spielte, war die Gefahr groß, dass er ins Gefängnis musste. Das passierte tatsächlich zwei Mal.
Wie haben Sie als Kind die Arbeit Ihres Vaters erlebt?
Wir Kinder waren familiär schon früh in die Konzertdirektion eingebunden. Es war aber nicht so, dass die Eltern diese ganzen Probleme in die Familie getragen haben, sie haben hier klar getrennt. Zumal meine Mutter damals ja noch nicht in der SKS war, sie kam erst später dazu und kümmerte sich dann um die buchhalterischen Belange.
Welche Musik hat Sie geprägt?
Von Beginn an hat mich eigentlich die sinfonische Musik fasziniert. Orchester haben mich begeistert. Grundstein war vielleicht ein Erlebnis in sehr jungen Jahren: Die Eltern nahmen mich im Urlaub zu einem Konzert einer Bigband mit, diese Besetzung hat mich enorm fasziniert, ich saß mit offenem Mund am Bühnenrand alles andere um mich herum war vergessen.
Und wann kam die Entscheidung, Konzertveranstalter und doch nicht Gartenarchitekt zu werden?
Tatsächlich schon früh. Ich spürte, wie intensiv die Eltern arbeiten, wie engagiert sie diesen Beruf ausübten. Das war faszinierend für mich. In den ersten Jahren kamen die Musikerinnen und Musiker nach dem Konzert nach Hause. Das waren sehr direkte Begegnungen in einer nicht so rosigen Zeit – zumindest bis 1956, als dann die Liederhalle kam. Diese persönliche Beziehung im klassischen Bereich habe ich immer versucht zu pflegen...
Um Verbindungen langfristig zu sichern?
Es war eher der Glaube, dass erwartete musikalische Höchstleistungen nur durch gutes Verstehen und gute Betreuung möglich ist. Das war immer eine Maxime der SKS und ich glaube, dass diese Betreuung vom Flughafen in den Konzertsaal bis hin zur Abreise für alle Beteiligten förderlich ist. Es geht einfach nicht an, dass ein Künstler am Flughafen ankommt, ins Taxi steigt, ins Hotel fährt, ein Konzert spielt und danach sang-und klanglos abreist.
Höchstleistungen brauchen aber auch Orte. Welche Bedeutung hatte da die Eröffnung der Liederhalle?
Mein Vater hat 1945 angefangen im Furtbachhaus, es wurden Kinos wie das Metropol und Universum bespielt, dann das Straßenbahnerwaldheim. Dort fanden die ersten die großen Orchesterkonzerte mit den Berliner Philharmonikern und Wiener Philharmonikern statt, mit Sergiu Celibidache, mit Karl Böhm – und das erste Konzert sogar noch mit Wilhelm Furtwängler. Im Gustav-Siegle-Haus wurde dann die erste Reihe der Meisterkonzerte gespielt. Und dann kam endlich, initiiert durch das Deutsche Chorfest, der ersehnte Konzertsaal mit der Stuttgarter Liederhalle. Das war wie eine Befreiung, und zwar nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich. Man darf ja nicht verkennen, dass wir ohne jegliche Subventionen das musikalische Leben dieser Stadt mit zu verantworten haben.
Was mit der Liederhalle gelang?
Mit der Liederhalle kam ein wirtschaftlicher Aufschwung, sichtbar auch in weiteren Zyklen wie Faszination Klassik oder Meisterpianisten. Das kam alles peu à peu, und das gigantische Interesse an klassischer Musik in der Stadtgesellschaft konnte nun in großem Rahmen bedient werden. Auch die architektonischen Schönheit der Liederhalle trug ihren Teil dazu bei. Dies war die erste neue Konzerthalle nach dem Zweiten Weltkrieg – mit so hervorragender Akustik, dass man bis heute weit laufen muss, um Ähnliches zu finden.
Erinnern Sie sich noch, wer am 19. Januar 1969 dort spielte?
Jimi Hendrix. Schon davor aber gab es im Unterhaltungsbereich Jazzkonzerte die mein Vater veranstaltet hat, dann kamen die großem Bands aus Amerika mit Count Basie, Duke Ellington oder auch Louis Armstrong. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch die städtische Vergnügungssteuer für Unterhaltungskonzerte, ein echtes Ärgernis.
Wie hoch war die?
Zwischen zehn und 20 Prozent der Einnahmen. Bei Louis Armstrong wollten sie 20, bei Jimi Hendrix nur zehn. Die Begründung der 20 Prozent bei Louis Armstrong war die, dass er sich mit einem weißen Taschentuch immer mal den Mund abwischte. Nach heftigen Debatten wurde diese Steuer in den 1980er Jahren abgeschafft.
Sie konnten in Ihrer Laufbahn viele Künstlerinnen und Künstler begleiten. Welche Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Im klassischen Bereich konnte ich viele Freundschaften aufbauen, wie etwa zu Rudolf Buchbinder oder Giuseppe Sinopoli. Ich hatte auch eine sehr enge Verbindung zu Herbert von Karajan. Karajan war nicht nur ein genialer Dirigent, sondern auch ein Technikfan.
Wie war das spürbar?
Die Berliner Philharmoniker fuhren, auch heute noch, oft mit einem eigenen Zug. Da konnte es durchaus sein, dass der Maestro die Lok selbst bediente. Als die Berliner wieder einmal nach Stuttgart kamen, wollten wir Karajan eine besondere Freude machen und sprachen mit dem Mercedes-Manager Werner Niefer, mit der Bitte, uns einen Mercedes 600 zur Verfügung zu stellen, es gab erst ein Exemplar davon. Der Wagen stand bei Ankunft am Nordausgang des Hauptbahnhofs. Als Karajan dieses Auto sah, war die Begeisterung groß. Karajan, im hellblauen Anzug, hat sich erst einmal den gesamten Motor erklären lassen und sich dann die öligen Hände an der Anzugshose abgewischt. Seine technischen Fähigkeiten zeigten sich auch in der Luft, er war ein begeisterter Flieger. Im Unterhaltungsbereich erinnere ich mich gerne an die Begegnungen mit Udo Jürgens, Peter Maffay oder Carlos Santana, dem ich Tennisspielen beigebracht habe. Mit Rod Stewart haben wir in Cannstatt Fußball gespielt. Er stellte aus seiner Crew eine komplette Mannschaft zusammen, und dann ging es mit schottischer Härte zur Sache.
Konzerte zu veranstalten ist das eine, Musikerinnen und Musiker „aufzubauen” etwas ganz anderes. Wie war das, Talente zu identifizieren und – durchaus mit Risiko – über Jahre hinweg zu begleiten?
Als meine Stärke empfand ich die Vermittlung leider nie und dennoch bin ich, ich glaube schon berechtigt, stolz, das Melos Quartett auf ein Weltniveau gehoben zu haben. Sie spielten auf allen Kontinenten. Interessant war die Vermittlung von Orchestern, also das unternehmerische Risiko, Tourneen zu veranstalten. Das gelang mit vielen Klangkörpern wie der Slowakischen Philharmonie, dem Cincinnati Symphony Orchestra oder dem Bolschoi Orchester - um nur einige wenige zu nennen. Mit dem Bolschoi veranstalteten wir die erste Tournee überhaupt außerhalb der damaligen Sowjetunion. Und was die Arbeit mit den Orchestern noch interessant machte: Ich konnte die von mir vertretenen Künstlerinnen und Künstler – Pianisten, Geiger und so weiter – einbauen. So gab es den notwendigen Hebel, um Karrieren zu fördern.
Zu den Künstlerinnen und Künstlern, die Sie begleitet haben, gehört Anne-Sophie Mutter. Hier entwickelte sich etwas ganz Besonderes.
Mit Anne-Sophie Mutter habe ich das erste Konzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester gemacht – am 6. Januar 1970. Da war sie sechs Jahre alt. Das war meine erste Begegnung. Und dann kam dieses Wahnsinnsglück, dass Karajan hat sie in sehr jungen Jahren als ‚beste Geigerin der Welt’ bezeichne Dieser Meinung bin ich bis zum heutigen Tag – und viele andere mit mir. Die enge Beziehung hat sich dann im Laufe der Jahre entwickelt mit vielen großartigen Konzerterlebnissen.
Gibt es auch Erlebnisse, über die Sie heute schmunzeln?
Absolut. Ich habe Anne-Sophie Mutter über die Industriemesse Baden-Württemberg nach Russland gebracht. 1985, da war sie so 16 oder 17 - schwieriges Alter... Es ging schon los in Frankfurt, sie telefonierte ewig lang, und die Maschine drohte, ohne sie abzufliegen. Und dann in Moskau: Der Zollbeamte wollte immer ihre Geige in die Hand nehmen und sie war immer kurz davor, ihm auf die Hand zu schlagen. Das ging so lang, bis ich einen Kontaktmann angerufen habe, es müsse jetzt jemand vom Kultusministerium kommen um Schlimmeres abzuwenden, sonst würde Anne-Sophie Mutter wieder abreisen. Ein Beamter aus dem Ministerium kam herbei um zu bestätigen, dass es sich um eine Stradivari handelt – das war notwendig um bei der Ausreise das Instrument als deklariert wieder auszuführen. Nach dieser Episode hat Frau Mutter zwei grandiose Konzerte gespielt, ihr damals erster Auftritt in Moskau.
Über die Anne-Sophie Mutter-Stiftung sind Sie noch immer verbunden?
Unbedingt. Aber nicht nur. Es ist einfach eine tiefe Vertrautheit – und natürlich das Wissen, welch großartige Künstlerin wir mit ihr haben. Eine Künstlerin ohne jegliche Allüren. Anne-Sophie Mutter steht über den Dingen. Und es ist unglaublich, was sie neben dem, was sie musikalisch erreicht und - gerade im Bereich der zeitgenössischen Musik - mutig vertritt, als Vorsitzende der Krebsstiftung und in ihrer eigenen Stiftung bewegt. Es ist einfach großartig, welche Energie aus dieser Frau kommt.
Sie haben sich früh entschieden, Ihre Tochter Michaela mit in die Verantwortung zu holen ...
Wenn man drei Töchter hat, dann denkt man, na, eine könnte ja dann doch in deine Fußstapfen treten. Aber ich habe als Vater nie darauf gedrängt. Alle drei haben sich in der Konzertdirektion bewährt. Bei Michaela war es so, dass sie zunächst im Hotelfach gearbeitet hat, Veranstaltungsleiterin im Steigenberger war. Da spürte ich schon, da wächst etwas heran, was durchaus in die Konzertdirektion passen würde.
Fahren Sie denn noch Ski?
Ich will so lange Ski laufen, bis ich nicht mehr in die Skibindung komme.
Wer Ski fährt, ist bereit, Risiken einzugehen.
Ja - diese Bereitschaft war zum Beispiel jüngst gefragt, als es darum ging, ob wir eine Ausstellung über die Titanic machen, also in einem vollkommen neuen Genre. Es war absolutes Neuland, und das Risiko war sehr hoch. Im Nachhinein war es eine sehr gute Entscheidung. Die Ausstellung war ein Riesenerfolg und unsere Erfahrungen als Veranstalter haben sich als höchst wertvoll bewährt. Wir wollen in diesem Metier durchaus weitermachen – auch als ein Stück Kompensation zum derzeit schwierigen Geschäft der anderen Sparten in der Konzertdirektion.
Der Besucherrückgang im klassischen Bereich ist dramatisch Sie beklagen hier seit vielen Jahren auch einen Verlust an Kenntnis. Hat sich dieser verschärft?
Meine persönliche Meinung ist die, dass die wesentliche Zelle im Leben eines jungen Menschen das Elternhaus ist. Hier müssen die Kinder zur Kultur geführt werden, egal ob Bildende Kunst oder Musik. Es stimmt, wir haben fast keine jungen Leute mehr in den Sälen. Zu einem Konzert von Igor Levit kommen noch zehn Studierende von der Musikhochschule an die Abendkasse – bei Preisen, die billiger sind als eine Kinokarte! Vor 10, 15 Jahren waren das noch an die 200 Studierende. Der Verlust ist geradezu dramatisch. Und deswegen muss man sich sehr gut überlegen: Wie geht es in der klassischen Musik generell weiter? Je weniger Veranstalter in der Lage sind sich am Markt zu behaupten, desto weniger Konzertmöglichkeiten gibt es auch für die Künstler. Dazu kommt nun: Die Städte und Gemeinden ziehen sich fast lawinenartig aus der Kultur zurück. Es gibt ein Kultursterben, das man allerorten beobachten kann und das einen schon mit Sorge erfüllt.
Wie sehen Sie die Zukunft?
Im klassischen Bereich kann ich ziemlich genau absehen, dass viele Veranstalter sich zunehmend auf die großen Namen reduzieren werden, sofern selbst das dann wirtschaftlich noch machbar ist. Es wird mehr und mehr der Eventcharakter der Konzerte betont – aber das Mutige und Neue droht dabei auf der Strecke zu bleiben.
Neu war es 1992, ein Open-Air-Konzert auf dem Cannstatter Wasen zu veranstalten.
Das waren Guns’n’Roses, eine relativ schwierige Band. Und wir mussten die gesamte Infrastruktur aufbauen. Da war ständig die Angst da, ob das gut geht. Wie reagieren 70 000 Menschen auf einen Platz, auf dem es gar nichts gibt? Vieles ist heute anders, aber wenn ich jetzt sehe, dass AC/DC vor 90 000 Menschen spielen, dann hat das für mich persönlich nicht mehr so viel mit Konzerten zu tun, es ist ein musikalisches Happening mit Blick auf Videoscreens.
Das sagen Sie als Veranstalter?
Ja, und ich bin damit nicht allein: Iron Maiden zieht bei 45 000 Besuchern eine Grenze. Diese Verantwortung hat man gegenüber dem Publikum. Auch wenn das Publikum bei AC/DC total begeistert war.
Klare Worte haben Sie immer auch zu den Konzerthaus-Debatten in Stuttgart gefunden. Viel davon ist vergessen, die längst für veraltet erklärte Liederhalle ist noch immer zentrale Bühne. Beschäftigt Sie das noch?
Mit Paul Woog haben wir eine Konzeption für ein Konzerthaus erarbeitet, und auch die Konzerthausinitiative hat zu einem späteren Zeitpunkt eine hervorragende Arbeit gemacht. Der Gemeinderat hat dann grundsätzlich für einen Standort im Rosensteinquartier entschieden - ich hätte mir den Berliner Platz gewünscht. Um den Konjunktiv weiter zu strapazieren: Wenn das erste „Momentum“ für eine mutige Entscheidung und auch die Umsetzung genutzt worden wäre, als Stuttgart noch einen regelmäßigen Haushaltsüberschuss vorweisen konnte, könnten wir schon jetzt auf ein Hallenensemble stolz sein, welches so keine andere europäische Stadt hat: Liederhalle und Hegelsaal und dann noch einen neuen Konzertsaal direkt dabei. Es wäre ein großes Glück für Stuttgart gewesen und hätte natürlich auch diese neuen Impulse gebracht, die wir dringend brauchen.
Sie spielen auf die Elbphilharmonie in Hamburg an?
Nicht nur. Aber ja – in Hamburg ist jedes Konzert immer noch entweder ausverkauft oder sehr gut verkauft, nur aufgrund der Architektur, aufgrund des neuen Saals und so weiter. Was nun in Stuttgart geschehen wird, steht in den Sternen. Die Stadt hat die Unterstützung der Konzerthausinitiative offenbar aufgegeben. Es gibt nun den neuen Plan, auf dem Rilling-Areal in Bad Cannstatt einen Konzertsaal zu bauen. Ich wäre ein schlechter Veranstalter, wenn ich dagegen sprechen würde.
Aber?
Egal wie das Ganze ausgeht, ich habe - und da stehe ich vermutlich nicht alleine da – die leise Befürchtung, dass mit dieser neuen Halle das Thema für den einen oder anderen Gemeinderat erledigt sein könnte, mit der Botschaft: Gut, jetzt haben wir ja einen neuen Saal, was brauchen wir ein neues Konzerthaus…
Auch für den Pop gibt es ein Problem – die Schleyerhalle.
Hier scheint mir die Bereitschaft des Gemeinderats eher größer, weil Unterhaltung und Sport vielleicht mehr Interesse wecken. Für einen Neubau gibt es bereits einen Grundsatzbeschluss.
Was ist das Kernproblem in der Schleyerhalle?
Das beginnt schon mit der Höhe der Halle. Wir können manche Produktionen gar nicht mehr in dieser Halle präsentieren, und da stellt sich schon die Frage: Wann wird Stuttgart für die internationalen Acts uninteressant?
Was wünschen Sie sich für die nächsten 80 Jahre SKS Russ?
Was soll ich da sagen? Ich wünsche mir, dass wieder mehr jüngere Menschen Interesse an der Kultur und an der Musik finden. Ich wünsche mir natürlich eine neue Konzerthalle in Stuttgart. Ich wünsche mir, dass wir alle Klangkörper erhalten können. Aber klar ist für mich: Wenn die wirtschaftliche Situation der Kommunen, beziehungsweise auch der Länder, noch schlechter wird, beginnt die Streichliste gerade im Bereich der Kultur, weil sie die geringste Lobby hat. Positiv stimmt mich das großartige, fachkundige Stuttgarter Publikum, das uns hoffentlich weiterhin die Treue hält.
Michael Russ
Der Mann
Michael Russ kommt eine Woche nach Kriegsende, am 15. Mai 1945, in Unterkochen zur Welt. Er stammt aus einer Familie, die das kulturelle Leben Stuttgarts nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich prägte. Sein Vater, Erwin Russ, gründete 1945 die SKS Russ . Michael Russ engagierte sich auch für die Nachwuchsförderung und initiierte Projekte und Preise, etwa den Musikpreis des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen.
Der Veranstalter
Michael Russ holte internationale Stars und renommierte Orchester nach Stuttgart, darunter Daniel Barenboim, das Gewandhausorchester, die Wiener Philharmoniker, das New York Philharmonic Orchestra, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra und natürlich Anne-Sophie Mutter, die Russ mit aufgebaut hat. Zudem organisierte er das erste Open-Air-Konzert auf dem Cannstatter Wasen mit Guns N’ Roses. Michael Russ lebt in Stuttgart und hat drei Töchter.