Acht Kultur- und Konzertabende – Walter Ercolino und die Stadt Stuttgart wollen den Kleinen Schlossplatz mit Kultur aufladen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Mit leisen Tönen soll das Herz der Stadt befriedet werden: Das Pop-Büro darf den Kleinen Schlossplatz bespielen, während das Club Kollektiv eine Absage erhalten hat. Das sind die Gründe und Bemühungen der Stadt, sowie der Kulturschaffenden.

Stuttgart - Kurz nachdem das Club Kollektiv eine Absage für eine Open-Air-Bespielung des Kleinen Schlossplatzes in Stuttgart erhalten hatte, wurde bekannt, dass das Pop-Büro dort unter dem Titel „Eine Kleine Abendmusik“ Konzerte und Kulturveranstaltungen plant. Wird bei der Betrachtung des Pop-Büros und dem Club Kollektiv mit zweierlei Maß gemessen? Das Pop-Büro wird öffentlich finanziert, es ist ein Angebot der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und der Stuttgarter Jugendhaus gGmbH mit Unterstützung des Stuttgarter Kulturamtes.

 

„Ganz im Gegenteil“, sagt Walter Ercolino, Leiter des Pop-Büros. „Wir als Pop-Büro waren mit an dem Konzept des Club Kollektivs beteiligt, das nun nicht stattfinden kann und fördern im Auftrag des Kulturamtes Stuttgart finanziell deren Veranstaltungen auf dem Eiermann-Campus im September. Wir arbeiten eng zusammen und sind auch Mitglied im Club Kollektiv.“ Zudem sei das Konzept der „Kleinen Abendmusik“ ein ganz anderes als das aus Lärmschutz-Gründen nicht zugelassene Club-Konzept.

Ercolino betont, dass es sich an den acht Abenden um kurze Singer-Songwriter-Konzerte handelt, die ohne Verstärker auf dem Platz gespielt würden. Es wird auch einen Auftritt des inklusiven Projekts Tanzkompanie geben – ein bunter, leiser Kulturmix also. Die Geräuschsituation sei eine komplett andere als bei einem DJ-Abend. „Die Lärmschutzregelung ist die gleiche, wir sind mit unserem Konzept nur innerhalb der vorgegebenen Werte“, so Ercolino.

Zustimmung kommt von Hannah Japes vom Club Kollektiv. „Wir hatten Clubabende geplant, das ist was anderes als kleine Singer-Songwriter-Konzerte. Außerdem war die Coronaverordnung zum Zeitpunkt unserer Antragstellung eine andere. Mit unserem Konzept war es schlussendlich trotz mehrmaliger Anpassung einfach zu kompliziert geworden.“

Einigkeit auf allen Seiten: der Kleine Schlossplatz soll befriedet werden

Das Kulturamt der Stadt Stuttgart teilt mit, dass der Kulturförderung für das Programm auf dem Kleinen Schlossplatz und auf dem Eiermann-Campus ein Beschluss des Gemeinderats zugrunde liegt, mit dem über Open-Air-Veranstaltungen während der Sommermonate Veranstalterinnen und Veranstaltern aus dem Bereich der Pop-, Club- und Livemusikkultur Öffnungsperspektiven und Künstlerinnen und Künstlern Auftrittsmöglichkeiten gegeben werden sollten. Die Tatsache, dass das Pop-Büro zur Wirtschaftsförderung Region Stuttgart gehört, habe keinerlei Einfluss darauf, dass das Vorhaben des Club Kollektivs gescheitert sei. Sie habe auch keinen Einfluss darauf gehabt, dass das Konzept der Kleinen Abendmusik genehmigungsfähig war.

Vor allem sei es das Ziel der Stadt mit entsprechenden Angeboten einen Beitrag zur Befriedung der Innenstadt nach den vorangegangenen Krawallen zu leisten.

Das Programmangebot des Club Kollektivs habe von Anfang an unter dem Vorbehalt noch zu klärender ordnungsrechtlicher Fragen gestanden. „Die vorgesehenen Clubabende haben sich im geplanten Umfang als ordnungsrechtlich nicht genehmigungsfähig erwiesen. Das Club Kollektiv beschloss daraufhin, eine stark reduzierte Variante auf dem Kleinen Schlossplatz nicht weiterzuverfolgen und nur das Eiermann-Areal in Vaihingen zu bespielen“, so die Stadt.

Man möchte nach wie vor die Innenstadt und besonders den Kleinen Schlossplatz positiv beleben. „Die ,Kleine Abendmusik‘ des Pop-Büros geht auf den Impuls zurück, geeignete Konzepte für diesen Ort zu finden, bei denen die Lärmschutzvorgaben eingehalten werden. Im Rahmen der Abendmusik finden für ein Publikum von maximal 100 Personen Auftritte kleiner Bands und Performances statt. Das Konzept ist weder inhaltlich, noch in seinem Umfang oder vom technischen Aufwand her mit dem des Club Kollektivs vergleichbar“, so die Antwort aus dem Rathaus.

Hauptsache es passiert was

Allerdings soll es durchaus möglich sein auf dem Platz zu verweilen, auch wenn alle 100 Liegestühle besetzt sind, dazu wurde auch ein gastronomisches Konzept um den Kleinen Schlossplatz auf die Beine gestellt. Laut Ercolino muss auf dem Platz ein 3-G-Nachweis erbracht werden, „dazu wird es auch Kontrollen geben.“

Er betont, dass beide Initiativen das gleiche Ziel gehabt hätten: „Wir wollen damit zeigen, dass man diesen Schlossplatz kulturell aufladen kann. Die ,Kleine Abendmusik‘ ist ein Versuch, aber für die Zukunft ist so was in der Art auch längerfristig geplant. Wir wollen alle an dem Platz abholen, deshalb sind die Veranstaltungen kostenlos, niederschwellig, und die Jugendhausgesellschaft Stuttgart ist auch mit im Boot.“

Hannah Japes ist trotz der enttäuschenden Absage nicht mehr so frustriert, schließlich steht mit dem Summer Campus Festival ein 10-tägiges Clubevent an, das gefördert wurde, und mit dem Sommerfestival auf dem Züblin-Parkhaus eine Veranstaltung in der Stadtmitte. Ausschlaggebend für sie sei, „dass überhaupt wieder mehr in der Stadt stattfindet. Die ,Kleine Abendmusik‘ des Pop-Büros ist eine gute Sache, und vielleicht waren wir vom Club Kollektiv ja Vorkämpfer, damit sich wieder mehr tut und sich in der Stadt was bewegt“.

Clubabende und Konzerttermine

Eine kleine Abendmusik
Kleiner Schlossplatz, Stuttgart-Mitte, 2.-4.9., 8.+9.9., 23.-25.9. unter anderem mit Tabea Booz, Brthr, Everdeen, Underground Soul Cypher und der Tanzkompanie. Alle Infos unter www.popbuero.de/konzerte-events/kleineabendmusik/

Summer Campus Festival
Eiermann Areal, Stuttgart-Vaihingen, 16.-26. 9. unter anderem mit Femcat, Alexander Maier, Itchy&Scratchy, Konstantin Sibold, Leif Müller und Igor Tipura. Alle Infos unter https://www.clubkollektiv.de/

Rooftop Edition Club Kollektiv Sommerfestival
Züblin-Parkhaus, 17.9.-19.9. unter anderem mit Robin Seitter, Suff Daddy, Poetry Slam und Filmmusik auf dem Klavier. Alle Infos unter www.clubkollektiv.de