Die vier Solisten (von links): Verena Seid, Sun Kim, Hubert Mayer, Christian Honold Foto: Matthias Zizelmann

Das Mammut-Projekt mit Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach wurde an Dreikönig in Alpirsbach abgeschlossen.

Drei Kirchen, sechs Gottesdienste mit je einer Kantate aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und sechsmal oft zum Bersten volle Kirchen vom ersten Weihnachtstag bis zu Epiphania: ein Traum für jeden Pfarrer, eine Erfüllung für viele Besucher, alle sechs Kantaten hören zu können und eine große Freude für einzelne Sänger, bei allen sechs Kantaten in den drei Chören mitsingen zu können.

 

Drei Kantoren, die ihre Chöre darauf vorbereitet hatten und mit Orchester und Solisten die letzte Probe vor den Gottesdiensten führten, halfen sich gegenseitig an der Truhenorgel und an der Orgel aus.

Das Mammut-Projekt Weihnachtsoratorium ging am Dreikönigstag in der Klosterkirche in Alpirsbach mit der sechsten und letzten Kantate zu Ende. Der Schlussapplaus war groß, und er durfte auch auf den ganzen Gottesdienst verstanden werden, mit der fein durchdachten Predigt von Pfarrer Christian Honold über die Texte der Kantate – eine runde Sache; dazu die Orgelvorspiele von Kantor Thomas Frey.

Jede Kirche strahlte in ihrem eigenen Glanz, und wenn man Gottesdienste mit dem Wort erfolgreich bezeichnen kann, so träfe dies auf die sechs Gottesdienste zu.

Leicht veränderte Besetzung

Das WO-Projektorchester mit Konzertmeisterin Renate Harr spielte in leicht verändernder Besetzung alle sechs Kantaten. Die solistischen Einlagen, von den anspruchsvollen Geigensoli über die Oboensoli hin zu den Trompetensoli, ließen wenig zu wünschen übrig.

Als Evangelist übernahm Hubert Mayer bis auf die erste Kantate alle Rezitative und Tenor-Arien. Mit erfahrener Sicherheit und gestalterischem Können erzählte beziehungsweise sang er das weihnachtliche Geschehen. Livia Kretschmann betörte mit ihrem warmen Alt in den drei Kirchen.

Verändert durch den Kontext

Ansonsten waren die Solisten von den einzelnen Kantoren engagiert und sangen entsprechend in den jeweiligen Kirchen – unmöglich, hier auf all die Momente einzugehen: energische Arien, fein gestaltete Choräle, dramatische Rezitative und die Freude, die von den Chören ausging. Wie kurz doch eine einzelne Kantate wirkt, so allein für sich, im Gottesdienst, und wie viel mehr Raum sie aber dadurch erhält, als Einzige gesungen zu werden. Wie überall verändert der Kontext, in den etwas eingebettet wird, das Eingebettete und man hört, sieht oder versteht es neu.

In Alpirsbach und in der Stadtkirche Freudenstadt sang der jeweilige Kinderchor bei den Chorälen mit.

Die Alpirsbacher Kantorei an Dreikönig Foto: Matthias Zizelmann

Eine besondere Leistung in dieser Weihnachtszeit erbrachte die Alpirsbacher Kantorei, die zusätzlich zu den Kantaten drei und sechs auch ihr traditionelles Weihnachtskonzert am zweiten Weihnachtstag bestritt. In fast voll besetztem Kirchenraum erklang das erste Weihnachtsoratorium überhaupt, das von Heinrich Schütz. Ergänzt mit dessen Magnificat für zwei Chöre und einem kleinen geistlichen Konzert zu Marias Verkündigung bot Kantor Christian David Karl mit seinem Chor ein feines Klangerlebnis, von den Posaunen, die zu Beginn oben in der Apsis den Kirchenraum bespielten zu den zwei Chöre, die sich vor dem Oratorium in den Seitenschiffen positionierten und sich gegenseitig über das Publikum hinweg zusangen.