Ein instrumentales Profi-Duo aus den Musikschulen Wildberg und Calw rief den Geist der alten Musik in die Gültinger Wehrkirche zurück.
Einen musikalischen Leckerbissen bot das Duo Petra Roderburg-Eimann (Blockflöten) und Harald Sinot (Virginal) dem Publikum am frühen Sonntagabend in der Michaelskirche zu Gültlingen. In das knapp einstündige Programm nahmen die beiden Spezialisten für Alte Musik einige Kostbarkeiten aus der Zeit des englischen Frühbarocks auf.
Von Locke bis Purcell
Das Motto ihres Konzerts „Music for a while“ leiteten sie von dem gleichnamigen Lied des damals führenden Komponisten Henry Purcell (1659-1695) ab und fügten Werke anderer Musiker aus der Jahrhundertwende 17/18 hinzu. Neben den Kostproben von Matthew Locke, Nicola Matteis und Turlogh O´Carolan bekamen die Konzertgäste auch einige anonyme Stücke zu Gehör.
Diese typischen Beispiele der weltlichen Tonkunst spiegelten einen Teil des Hoflebens in der post-elisabethanischen Epoche wider und zeigten die damalige Grundeinstellung zur Musik – „die Seele beruhigen und die Sorgen vertreiben“ – auf .
Authentische Wiedergabe
Die Sorgfalt um authentische Wiedergabe dieses Leitgedankens dominierte in dem homogenen Zusammenspiel der beiden Instrumentalisten. Während die Flötistin Roderburg-Eimann zwischen vier Blockflöten wählen konnte, um Klangfarben zu wechseln, Dynamik zu differenzieren und nicht zuletzt ihre glänzend quirlige Virtuosität unter Beweis zu stellen, verfügte der Tastenspieler Sinot über eine begrenzte Wahl der Klanggestaltung.
Denn die Bauweise des silbrig klingenden Zupfinstruments Virginal (eine Form des Cembalos) schließt jegliche Anschlags- und Dynamik-Unterschiede aus. Dieses Defizit kompensierte der Virginalist durch dezente Nuancierungen der Tempi sowie sensible Phrasierung und führte „mit Takt und Gefühl“ die galante Leichtigkeit der Tänze vor die Augen.
Nachbauten historischer Instrumente
In etlichen „musikalischen Augenblicken“ erkannten die Zuhörer mehrere Motive der englischen, schottischen und irischen Volksmusik, welche die Komponisten zu jener Zeit in ihre kunstvolle Noten-Architektur eingebettet hatten. Die Musik trug noch keinen Barock-Puder, klang unprätentiös, weniger prachtvoll und zugleich unterhaltsam. Dabei wirkte sie durch vorhandene Spuren der Renaissance etwas archaischer als die mehr fortgeschrittene Tonkunst auf dem Kontinent.
Mit Wohlwollen ließen sich die Zuhörer von den alten Klängen verzaubern und spendeten gerne einen herzlichen Applaus. Nach der Zugabe suchten mehrere der Konzertbesucher ein Gespräch mit den Künstlern und fragten nach Einzelheiten über die Nachbauten der historischen Instrumente.