Ein viele Zuhörer berührendes Weihnachtskonzert der Trachtenkapelle mit Christian Pöndl unter dem großen Lichterbaum auf dem Dorfplatz zu Füßen der Pfarrkirche in Oberwolfach Foto: Haas

Trotz eisiger Kälte erklangen beim Konzert der Trachtenkapelle Oberwolfach zum Auftakt an Heiligabend am Dorfbrunnen feierliche Melodien.

Eisige Kälte und ein „bissig“ scharfer „Schobewind“ hat den Musikanten der Trachtenkapelle Oberwolfach in diesem Jahr einiges abverlangt. Trotzdem rafften sich erfreulich viele Musikanten auf, um die schöne Tradition der Einstimmung auf Weihnachten auch im ausklingenden Jubiläumsjahr mit vertrauten Klängen fortzusetzen. Dirigent Christian Pöndl war trotz der Winterkälte und dem Schneegrieseln aus seiner schwäbischen Heimat angereist.

 

Auch viele Zuhörer versammelten sich neben dem hell erleuchteten Christbaum, der vor einigen Wochen vom einsamen hinteren Gelbach her nach jahrzehntelanger Ruhephase seinen Weg auf den belebten Platz beim Dorfbrunnen gefunden hat. Sie konnten sich dank dicker Handschuhe oder dicker wattierter Jacken mit tiefen Taschen vor der Kälte schützen. Auch wärmte man sich mittels des Glühweins auf, der von fleißigen Mitgliedern des Fördervereins für den Spielplatz bei der Hexenhütte im Frohnbach serviert wurde. Die Musikanten mussten sich mitsamt ihrem Dirigenten damit begnügen, wenigstens in den kurzen Pausen zwischen ihren Auftritten ihre klammen Finger tief in den Jackentaschen zu „vergraben“. Lediglich die Schlagzeuger konnten schutzsuchend in einer Nische neben dem Eingang zur Festhalle dem Eiswind an einem windstillen Plätzchen trotzen. Es gelang ihnen gerade noch einen Blick auf den Dirigenten zu erhaschen, um die Einsätze nicht zu verpassen.

Mit Klammerbefestigung an den Notenständern und dezenter Einzelbeleuchtung war für alle Musizierenden ein konzentrierter Blick auf die Notenblätter gewährleistet. Wurden in den Pausen unter den Zuhörern die Weihnachtsgrüße und gute Wünsche mitgeteilt, waren es hernach lediglich einige Kinder, die sich mit frohem Tanzen begleitend zu den Musikvorträgen ein wenig Wärme zu verschafften wussten.

Altbekannte Lieder weckten viele Erinnerungen

Das einfühlsam zusammengestellte Musikprogramm war durch traditionelle wohlvertraute Melodien geprägt, die weihnachtliches Wohlgefühl und viele schöne Erinnerungen vermittelten. Zu hören waren mehrfach durch altbekannte Weihnachtslieder hindurch begleitende Medleys und Bearbeitungen traditioneller Lieder wie „Sweet Bells Fantasy“, eine virtuose Annäherung an das bekannte „Süßer die Glocken nie klingen“ und „All you want for Christmas“ mit musikalischen Weihnachtswünschen.

Das abschließende „Stille Nacht, heilige Nacht“ vereinte sich harmonisch mit dem Glockengeläut von Sankt Bartholomäus, das die Gläubigen zur Feier der Christmette in der Pfarrkirche einlud. Andere eilten der warmen heimatlichen Stube zu, um sich im Familienkreis mit den Geschenken unter dem Christbaum gegenseitig Freude zu bereiten.

Weihnachtlicher Festgottesdienst mit Pfarrer Gerhard Koppelstätter in Sankt Bartholomäus in Oberwolfach Foto: Haas

Die wunderschön geschmückte Pfarrkirche St. Bartholomäus bot über die Weihnachtszeit einen festlich ruhenden Pol für die Gläubigen in Oberwolfach. In familiärer Gemeinschaft konnten sie dort auch in dieser unruhigen Zeit zusammenkommen. Innerhalb der ursprünglichen Kirchengemeinde feierten sie eine friedvolle, besinnliche und frohe Weihnacht.

Dazu trugen am ersten Weihnachtsfeiertag nicht nur die zahlreich erschienenen Besucher bei. In besonderer Weise wirkten auch Pfarrer Gerhard Koppelstätter, der ehemalige Stadtpfarrer in Hausach, sowie der Oberwolfacher Diakon Willi Bröhl mit. Unterstützt wurden sie von einer großen Ministrantengruppe. Einen wesentlichen Beitrag leistete zudem der gut aufgestellte Kirchenchor. Geleitet wurde dieser von Dirigent und Organist Herbert Meßmer.

Nach dem Segen gab es Beifall in der Kirche

Seit mehr als 30 Jahren hält er mit großem persönlichen Engagement den Chor und die verschworene Gemeinschaft zusammen. Sie ist aus den beiden Chören der Ortseile Walke und Kirche zusammengewachsen.

Der feierlichen Einzug der Geistlichen und Ministranten durch den Mittelgang wurde begleitet vom kraftvoll durch den Chor gesungenen „Hört, es singt und klingt mit Schalle“. Die Gottesdienstbesucher hatten hinterher im Verlauf der Messfeier mehrfach Gelegenheit, sich zwischen den Beiträgen des Kirchenchors mit traditionellen Kirchenliedern selbst bei der Gestaltung der Messe einzubringen und ihrer Freude andachtsvoll Ausdruck zu verleihen.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ erklang auch im Gottesdienst

Neben der schönen Kirchenkrippe mit dem strohgedeckten Krippenhäuschen und in unmittelbaren Bezug zu dieser symbolhaften Darstellung des Weihnachtsgeschehens gelang es Pfarrer Koppelstätter in seiner Predigt mit einer ergreifenden Weihnachtslegende die Gottesdienstbesucher die Bedeutung der Geburt Christi für jeden einzelnen spürbar werden zu lassen. Bereits mit den sehr persönlichen Eingangsworten war ein Konsens von Besuchern und Geistlichkeit entstanden. Dieser setzte sich über das gesamte gemeinsame Feiern hinweg wie ein unsichtbares Band fort. Nach den Schlussworten des Pfarrers und dem Segen gab es sogar noch dankbaren Beifall.

Nach dem „Süßen Jubelschall“ des Chores und dem gemeinsamen „Stille Nacht, heilige Nacht“ sowie mit Chorbegleitung das „O du fröhliche“ richtete der Pfarrer erneut das Wort an die Gemeinde. Mit Blick auf die zum neuen Jahr eingerichteten großen, neuen Seelsorgeeinheit – für manche nur schwer über- und durchschaubar – vom Kniebis bis zum Harmersbachtal bis weit in das mittlere Kinzigtal machte er den Oberwolfachern Mut, sich nicht verloren vorzukommen und oder gar „unterbuttern“ zu lassen. Damit wollte er wohl sagen, dass man trotz solcher Großräumigkeit eine in sich eigenständige, handlungsfähig aktive und nicht nur politisch, sondern auch kirchlich eine pulsierende lebendige Gemeinschaft bleiben könne.

Gottesdienste

In Oberwolfach wurde an Heiligabend nach dem Konzert der Trachtenkapelle die Christmette gefeiert. Am ersten Weihnachtsfeiertag fand der Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Bartholomäus mit Kirchenchor statt und am zweiten Weihnachtsfeiertag gab es einen Gottesdienst in der Marienkirche an der Walke mit der Trachtenkapelle.