Dirigent Michael Blum und die Kapelle beim Schlussakkord von „Africa“, dem Welthit der Band Toto Foto: Dorn

Gutachs Trachtenkapelle entführte ihr Publikum bei einem ausverkauften Benefizkonzert auf eine energiegeladene musikalische Reise nach Afrika.

In ihrem Jahreskonzert nahmen die Musikerinnen und Musiker der Trachtenkapelle Gutach am Samstagabend ihr Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzen Festhalle mit auf eine rhythmische Reise nach Afrika. Als Benefizkonzert ging die Hälfte der Einnahmen des Konzertabends an die Organisation „Miles of Smile Daycare“ in Tansania, bei der Musikerin Justine Heidig einen dreimonatigen Freiwilligendienst absolviert hatte. Jasmin Sillmann und Mike Lauble führten als Moderatoren durch die „musikalische Safari“ und schlüpften dazu in verschiedenste Kostüme vom Großwildjäger bis zum Berggorilla.

 

Als Ouvertüre hatte Blum „Adebars Reise“ von Marcus Götz ausgewählt. Aus der Vogelperspektive wurde Europa mit seinen bekannten musikalischen Landschaften gen Süden verlassen. Dass sich hier mit dem Storch ein großer, schwerer Vogel in die Lüfte erhoben hatte, wurde von der Kapelle wunderbar mit dem solistischen Tenorhorn dargestellt, dem Götz einige eigentlich für heller gestimmte Holzblasinstrumente Melodien notiert hatte. Der zuweilen ungelenke Storch und die Kapelle kamen heil in der afrikanischen Savanne an.

Den Bildungsautrag, zu zeigen, dass „die afrikanische Savanne kein Ponyhof ist“ (Moderator Mike Lauble), setzten in der „Afrikanischen Symphonie“ von Van McCoy alle Register mit großem Ehrgeiz in die Tat um. Mit den Bässen als Elefanten konnte, ja musste man rechnen, und auch die Trommeln und Bongos machten das, was man bei einem „afrikanischen“ Konzert erwarten konnte. Klarinetten und Flöten changierten zwischen flirrenden, den Flug der Stechmücken imitierenden Läufen und dem Papageien-Gezwitscher des Urwalds und den Trompeten war mit bellenden Sforzati-Passagen der Löwen-Part vorbehalten.

Auch im „Window of the world“ ging die musikalische Jagd nach den „Big Five“ munter weiter. Wuchtige Basslinien, eine feine Melodie für die Holzblasinstrumente basierend auf einem afrikanischen Volkslied und das alles in einem von Dirigent Michael Blum sehr gut eingestellten Klanghaushalt. Nach dem dritten Lied des Konzerts war die Musik Afrikas in der Gutacher Festhalle sehr präsent. Mit „We are the world“ ging es in die Pause, auch nach jetzt vier Jahrzehnten ist die Botschaft des Liedes immer noch aktuell und der Hunger und das Leid in Afrika nicht beendet.

Für „Africa“ von Toto, einem weiteren Welthit, der geschrieben wurde, um auf das Leid der Kinder in Afrika aufmerksam zu machen, hatten sich die Schlagzeuger eine knapp fünfminütige Improvisation mit afrikanischen Rhythmen ausgedacht, ehe die Trompeten mit markanten Einsatz übernahmen und die Bühne für die Holzbläser mit ihren ikonischen Melodie-Läufen zu dem Welthit bereiteten.

In der Filmmusik „König der Löwen“ von Hans Zimmer fand dann die Kapelle über alle Register zu orchestralem Klang und regelte diesen dann dynamisch wieder so weit herunter, dass die Flöten die schöne Ballade „Can you feel the love tonight“ zu Gehör bringen konnten, auch hier war der Klanghaushalt wieder perfekt austariert.

Beim Finale springen alle von ihre Sitzen auf

Dem weltlichen Disney-Klassiker folgten fünf Variationen des afro-amerikanischen Spirituals „Kumbaya, my Lord“, von denen besonders der Wiener Walzer in bester Johann-Strauß-Intonation von der Kapelle perfekt vorgetragen wurde.

Das finale „Jambo Africa“ geriet noch einmal zu einem wahren Meisterwerk symphonischer Blasmusik. Das Fehlen typisch afrikanischer Blasinstrumente machten unter anderem die Klarinettisten wett, die für einige Takte ihr Instrument ohne Mundstück spielten beziehungsweise hauchten.

Für den Schlussakkord – ein von allen Musikern gerufenenes „Jambo!“ – sprangen alle Musiker gemeinsam von ihren Sitzen und holten sich dann gleich vom Publikum die Ovationen für einen gelungenen afrikanischen Konzertabend ab, erst nach zwei Zugaben ließ das Publikum die Kapelle von der Bühne.

Geehrte Musiker

In der Pause des Jahreskonzerts am Samstagabend konnten aus den Reihen der Trachtenkapelle Gutach zwei Musiker für lange Jahre der Treue zur Blasmusik geehrt werden. Klaus Schmid, Vizepräsident des Blasmusikverbands Kinzigtal, verlieh Daniela Schmid für 25 Jahre an der Querflöte die Silberne Ehrennadel, die Ehrennadel in Gold erhielt Martin Moser für 40 Jahre an der Tuba. Erst am Anfang ihrer musikalischen Karriere steht Isabell Wöhrle, die vom Vereinsvorsitzenden Mike Lauble für das bestandene Jungmusiker-Leistungsabzeichen (JMLA) in Silber geehrt wurde.