Paul Carrack auf der Bühne im Hegelsaal am Montagabend. Foto: Staiber

Paul Carrack, Ida Sand und die SWR Big Band bringen Swing, Blues und Weihnachtsstimmung in die Liederhalle.

Das sechzehnte Fenster im Adventskalender öffnet sich unter dem Applaus von 1800 erwartungsfroh gestimmten Menschen. Paul Carrack, der Mann mit der warmen und natürlich klingenden Blues-stimme, tritt federnden Schrittes auf die Bühne.

 

Dieses Jahr mit von der Partie ist Ida Sand aus Stockholm, eine Soulsängerin mit schwarzer Stimme. Begleitet werden die beiden Vokalisten von einem der besten Jazzorchester der Welt: von der 2023 mit einem Grammy ausgezeichneten SWR Big Band. Deren knackiger, höchst präzis produzierter Sound wird von einem Streichquartett mit wolkigen Klängen besänftigt, doch nicht verkitscht.

Aus Christmas-Songs made in USA trieft ja ab und zu ein wenig Schmalz. Weihnachtsmusik schmeckt dann nicht so sehr nach Ausstecherle und Zimtsternen, sondern nach Marshmallows.

Mühelos beschwingt

Doch statt Schaumzuckerware und Schmalz gibt es im voll besetzten Hegelsaal Blues, Soul und Swing satt. Dargeboten von Paul Carrack, dem Crooner aus Sheffield, dem Sänger von Mike and the Mechanics.

Ein Christbaum schmückt die Bühne, dessen Lichterglanz sich in polierten Instrumenten spiegelt. Paul Carrack, der einst in der Band von Eric Clapton die Hammond-Orgel zum Seufzen gebracht und bei „The Wall“ von Pink Floyd mitgewirkt hat, singt mit dieser unverwechselbaren Stimme. Diese Stimme, zeitlebens von Blues geerdet und von Soul imprägniert, klingt erstaunlich jugendlich; mühelos schwingt sie sich empor in hohe Register. Im ersten Konzertteil bringen Carrack und das Orchester bluesige Nummern wie „Cryin‘ Won’t Help You“ oder den Soul-Titel „Got to Get You Off My Mind“. Dazu knallen scharfe Bläsersätze durch den Saal, Solos von vorzüglichen Instrumentalisten heizen die Stimmung an, und der Rhythmus treibt derart vorwärts, dass man am liebsten tanzen möchte.

Ida Sand singt „He Ain’t Heavy“, einen alten Hit der Hollies. Mit „Don’t Wait Too Long“ von Madeleine Peyroux ist dann Carrack wieder an der Reihe und spielt sexy Orgel, beflügelt vom tollen Pianisten Frank Chastenier.

Auf diesen Konzerthöhepunkt folgen Paul Carracks Signature Songs „Sticks And Stones“, „How Long“ und schließlich auch „Over My Shoulder“. Der weltliche Teil des Konzertabends klingt fulminant aus, beim himmlisch-weihnachtlichen präsentiert Ida Sand Joni Mitchells „River“, einen Song, der zu einem Christmas-Standard geworden ist, und singt ein besinnliches Weihnachtslied auf Schwedisch.

Ausgelassene Stimmung

Carracks Ballade „Living Years“, sein Lied für den einst verstorbenen Vater, bewegt die Menschen an diesem Montagabend. Sie erheben sich. Im hübschen „Winterwonderland“ darf das Rentier Rudolph mit seiner rot leuchtenden Nase nicht fehlen. Als Ida Sand und Paul Carrack nun „Silent Night“ anstimmen, singen die Menschen die Originalversion des alten Salzburger Lieds auf Deutsch. Ein schöner Moment.

Das fröhliche „Merry Christmas Baby“ schließlich, das auch Otis Redding auf der Setliste hatte, sorgt für ausgelassene Stimmung im Saal der Stuttgarter Liederhalle. Und auf dem Heimweg klingelt wie von Ferne „Jingle Bells“ in den Ohren nach.