Das Erste Orchester des Harmonika Clubs Edelweiß erfreute rund 100 Zuhörer in der Sulzer Michaelskirche. Foto: Zabota

Der HC Jettingen ist zu Gast in Sulz: Rund 100 Zuhörer haben den Weg in die Michaelskirche gefunden. Das Konzert des Harmonika Club Edelweiß entführt die Zuhörer in die Vergangenheit.

Wildberg-Sulz - Leis‘ verklingen gegen 17 Uhr am Sonntagabend die letzten Glockentöne der Michaelskirche in Sulz, da steht Igor Omelchuk mit zwölf Musikerinnen und Musikern vorn im Chor, hebt die Arme.

Stille, Konzentration, Spannung. Die Glocke schweigt jetzt auch. Dafür setzt kraftvoll das Erste Orchester des Harmonika Club Edelweiß Jettingen ein. Der Club hat zum Kirchenkonzert nach Sulz eingeladen, rund 100 Menschen haben den Weg in die Michaelskirche gefunden.

Der Harmonika Club beweist: Sie spielen nicht nur wunderbar, sie haben auch ein Händchen bei der Auswahl der Musikstücke. Zum Auftakt Georg Friedrich Händels "Einzug der Königin von Saba". Man kann sich durch die Musik wahrhaft vorstellen, wie die Königin mit Würde und Anmut am Hofe von König Salomo erscheint. Fanfaren! Ein großartiges Stück zur Eröffnung eines Kirchenkonzerts.

Kirchenrenovierung zahlt sich aus

Dabei hält sich eine andere Königin dezent im Hintergrund – die Orgel. Sie schmückt sich mit dem Titel "Königin der Instrumente". Die Orgel in der Michaelskirche steht dort seit 1817 und hat bestimmt schon manches Menschenkind musizierend vor sich gesehen. Sie würde aber wohl zugeben müssen, dass auch die Harmonika ein Instrument ist, das Kirchenmusik kann. Jedenfalls wenn man es so gut beherrscht wie die Spieler des HC Jettingen.

Pfarrer Hartmut Heugel spricht ein paar Worte zur Begrüßung, nicht ohne auf die 2021 abgeschlossene Renovierung hinzuweisen. Damals gab es ja nur einen Online-Gottesdienst. Jetzt ist der Blick auf eine der schönsten Kassettendecken Württembergs wieder live und unverstellt möglich. Blickfang aber ist Christus am Kreuz, von der Rückseite her orange beleuchtet. Gott schenke Licht und Leben, Musik verbinde und wärme das Herz – "das Leben ist schön", so Pfarrer Heugel. Das Erste Orchester unter Leitung von Igor Omelchuk spielt ein weiteres Stück, "Variazioni in Blue" von Jacob de Haan und macht dann einem kleineren Ensemble Platz, bei dem der Dirigent selbst mitspielte.

Dirigent ist selbst Akkordeonprofi

Omelchuk ist Akkordeonprofi. Mit zehn Jahren spielte er erstmals, studierte dann Akkordeon und Jazz-Klavier in Donezk, klassische Musik in Charkiw, dann klassische Musik und Jazz am Hohner-Konservatorium in Trossingen. Seit 2013 leitet er den Harmonika Club Jettingen.

Dieses Ensemble erfreut die Zuhörenden mit "Rojo Tango" (von Pablo Ziegler), in dem es getragene, einer Kirche durchaus würdige Abschnitte gibt. "Venti d’Oriente" (Reverbi/Pavesi) zeichnet sich durch schnelle Tempi-Wechsel und wunderschöne Läufe aus. Die feinsinnige "Serenade" von Derek Bourgeois steigert sich zu einem kurzen, grandiosen Höhepunkt, um danach zögernd, sachte auszuklingen. Die "Slawonische Rhapsodie" des erst vor vier Wochen verstorbenen Akkordeonisten und Komponisten Adolf Götz ist eine Widmung an ein befreundetes Harmonikaorchester in der kroatischen Stadt Slavonski Brod.

"Das Leben ist schön"

Den Abschluss bildet eine weitere Rhapsodie, gespielt vom Ersten Orchester: "Funiculi, Funicula" von Peppino Turco und Luigi Denza. Ein ungeheuer populäres Lied aus Neapel, das sich auch Luciano Pavarotti vorgenommen hat, ebenso in der deutschen Fassung von René Kollo zahlreiche Chöre hierzulande: "Bella Musica ist das Schönste in Italia". Zwar keine klassische Kirchenmusik, aber, wie Pfarrer Heugel abschließend betonte: "Das Leben ist schön."