Klassisch-romantisch war das Muttertagskonzert der Orchestergesellschaft Weil am Rhein unter Leitung von Franck Nilly in der Altrheinhalle Märkt. Foto: Jürgen Scharf

Ganz verschiedene Klangwelten gab es bei den Muttertagskonzerten der Orchestergesellschaft Weil am Rhein in Märkt und Schopfheim zu entdecken.

Die Idee der Freiheit behandelt Goethes Trauerspiel „Egmont“. Beethovens gleichnamige Ouvertüre zeichnet dieses Freiheitsdrama innerlich nach. Mit diesem klangmächtigen Werk der Wiener Klassik begannen die beiden Muttertagskonzerte der Orchestergesellschaft Weil am Rhein in der gut gefüllten Altrheinhalle Märkt und am Abend zuvor im Saal der Waldorfschule Schopfheim.

 

Frische Brise wehte durch die Ouvertüre

Bei Beethoven wehte gleich eine frische Brise durch diese Ouvertüre, die packend und leidenschaftlich gespielt wurde. Mit Wiener Klassik ging es weiter: mit der späten Londoner Sinfonie Nr. 102, einem Gipfelwerk des sinfonischen Pioniers Joseph Haydn, der in dieser kühnen Sinfonie schon der Klangwelt des 19. Jahrhunderts vorausgreift und nahe an Beethoven heranreicht.

Großartig, wie das Orchester die Largo-Einleitung realisiert mit den kontrastierenden Themen im Kopfsatz und wie intonationssicher und mit sauberen Phrasierungen das außerordentliche, empfindsame Adagio erklingt.

Geprägt von der Arbeit des Franck Nilly

Auch das stampfende Menuett mit seinem melodiösen Trio im weichen Holzbläserklang und das turbulente Finale waren ganz geprägt von der Handschrift und der gestalterischen Intention des Vollblutmusikers Franck Nilly am Dirigentenpult, der das Orchester sicher durch das klangliche Geschehen führte und den neuen Klang dieser Sinfonie hörbar machte.

Das war ein Haydn, der Freude bereitete und der von einer lebendigen Aufführung kündete. Der zweite Teil des Konzerts war dann ganz anders programmiert.

Zweiter Teil mit slawischem und balkanischem Einschlag

War der erste etwas für Klassikliebhaber, so der zweite mehr für Kenner des slawisch-balkanischen Idioms in der Musik. Während die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók mit Gespür für die Rhythmik aufgeführt wurden, war dies bei vier Stücken aus Antonin Dvoráks „Legenden“ vor allem das böhmische Kolorit, das den Geist der Musik atmete.

Am Puls der böhmischen Musik

Das Weiler Orchester hat Bartóks Anverwandlung ursprünglicher Bauern-, Stab- und Schnelltänze, zusammengestellt aus einer Sammlung von Originalmelodien, temperamentvoll nachvollzogen.

Am Puls der böhmischen Musik war das Orchester bei Dvoráks originellen musikalischen Charakterbildern aus den etwas unbekannteren „Legenden“, dem ruhigeren Gegenstück zu den Tanzserien.

Die schönen musikalischen Erzählungen konnten in dieser ganz auf den farbigen Klang der Farben der Holzbläser, Hörner und Streicher abgestellten Wiedergabe gefallen. Da hätte man sich noch mehr dieser romantischen Miniaturen gewünscht, von denen es zehn gibt.

Aber immerhin gab es noch einen der berühmteren Slawischen Tänze, die melancholische Dumka aus op. 72, als wirkungsvolle Zugabe.