Der Talheimer Musikverein „Fortuna“ lud am Abend des ersten Advents zu einem Konzert in die Kirche St. Michael & Laurentius ein.
Verstärkt mit einigen Musikern aus Göttelfingen, Baisingen und Ergenzingen lieferten sie unter der Leitung von Jörg Dold wieder eines dieser Konzerte ab, die deutlich machten, welch herausragende Bedeutung die Musik im Leben der Menschen hat. Dies spürte man am großen Besucheraufkommen in diesem besonders prachtvollen Kirchlein, das hoch über Talheim steht.
Mit dem Versprechen, mit Klängen einen Kontrapunkt gegen die Widrigkeiten des Lebens zu setzen, begrüßte Jürgen Lutz im Namen der „Fortuna“ die vielen Besucher. Er versprach nicht zu viel, zumal die Auswahl der Stücke auch in diesem Jahr wieder einmal ein weites Feld musikalischer Genres abdeckte.
Musikalischer Spaziergang
Mit vereinten Kräften, den „Viribus Unitis“ von Josef Bach, legen die Instrumentalisten auch sofort schwungvoll los um wenig später im nächsten Stück mit „Silva Nigra“, musikalische Skizzen aus dem Schwarzwald ihren Zuhörern näher zu bringen. Allein die Interpretation dieses in mehrere Abschnitte unterteilten Gesamtwerks war einen Konzertbesucht wert. Es war wie ein musikalischer Spaziergang durch liebliche Flussauen, dunkle Wälder und sehenswerte Landschaften, die hier von allen Registern großartig in Töne umgewandelt wurde. Es waren musikalische Momente voller Harmonie, durch die Dirigent Jörg Dold seinen Klangkörper, der sogar eine Kostprobe seiner stimmlichen Fähigkeiten gab, souverän führte.
Bei der Polka „Zwei Weggefährten“ glänzten als Solisten Jürgen Lutz und Heiko Kübler im wahrsten Sinne des Wortes und die facettenreiche Kunst der einzelnen Instrumentalisten und der Register kam bei den Erinnerungen an einen Besuch der „Fortuna“ in Horbs französischer Partnerstadt Salins-les-Bains voll zum Tragen. Ein Potpourri bekannter Melodien verschmolz hier zu einem Gesamtkunstwerk.
Geistlicher Impuls
Bevor Ulrike Ade die berührende Geschichte zweier schwer erkrankter Kinder, die so gerne bei einem Krippenspiel mitmachen wollten, als geistlichen Impuls in das Konzert einbrachte, überzeugte das Orchester mit dem Choral: „Ich bete an die Macht der Liebe“. Dieses weltbekannte musikalische Gebet, das auch Teil des großen Zapfenstreiches ist, wurde in einer Fassung von Alfred Bösendorfer interpretiert, wie Susanne Bischof, die wie gewohnt durch das Konzert führte, wusste.
Nach dem berührenden, geistlichen Impuls passte das Adventslied „Macht hoch die Tür“ bestens. Eigentlich hätte man danach das Konzert beenden können, doch die Musikanten hatten noch so einiges in petto. Mit einem Intro aus korrespondierenden Flöten, tiefem Blech und behutsam eingesetzten Pauken begann die „Hymne an den Tag“. Ein Tag, der offensichtlich recht harmonisch verlief, wenn man den musikalischen Aussagen der „Fortuna“ folgte.
Latino-Klassiker
Hinterher verpackten sie Alltägliches (Storie di tutti i Giorni) in Swing- und Pop-Klänge und ließen es beim Latino-Klassiker „Hernando’s Hideaway“ so richtig knattern.Dieses Stück war auch der große Moment des Schlagwerks. Nicht weniger als 13 unterschiedlich Schlaginstrumente kamen bei diesem Tango zum Einsatz.
Mit der Traditionsmelodie „Auld lang Syne“ (Nehmt Abschied, Brüder) und dem als Zugabe von einem begeisterten Publikum erklatschten Maffay-Hit „Nessaja“ verabschiedeten sich die Musikanten, die wieder einmal bewiesen haben, dass es nicht wirklich auf die Größe eines Orchesters ankommt, sondern mehr auf die Spielfreude, die Instrumentenbeherrschung und das Engagement, mit dem jeder einzelne Instrumentalist diesem Hobby nachgeht.