Familienunterhaltung der schrullig-schönen Art: Der Österreicher Rian ist mit seinem lustigen Musikmix am Mittwochabend im ausverkauften Wizemann-Club aufgetreten.
Für einen Moment tut diese Austropop-Ulknudel ganz ernst. „Es gibt ja gerade diese eine Sache, die Deutschland mehr beschäftigt als alles andere, ein Thema, das die Nation zu spalten droht“, behauptet er, gönnt sich eine kleine Kunstpause und sagt dann: „der neue Thermomix TM7!“
Nein, Rian kann alles außer ernst. Die garstige gesellschaftliche Wirklichkeit, die seine Heimat Österreich genauso wie Deutschland entzweit, darf und muss draußen bleiben an diesem Mittwochabend im ausverkauften Wizemann-Studio. Zumindest für die knackigen 75 Minuten, die Rians Show dauert und die schon endet, als gerade erst nebenan in der Halle die schwedische Hardrockband Thundermother auf die Bühne kommt und dort eine andere Form des Eskapismus zelebriert.
Raver, Rapper, Liedermacher
Bei Rian ist alles ironisch: Nicht nur die Begeisterung für den Thermomix oder seine eigenen Entertainer-Qualitäten („Das ist ja wie im Fiebertraum heute!“), sondern auch die in seinen Liedern. Er träumt davon, endlich in der vollen Straßenbahn einen Sitzplatz zu bekommen („Wenn ich alt bin“), bei der Frau, in die er unglücklich verliebt ist, wenigstens auf der Fensterbank ein Zuhause zu finden („Zimmerpflanze“) udn schwärmt von den 1990er Jahren (“Feuerrote Bobbycars“). Er vermengt dabei mit seinen beiden Begleitmusikern Balkanbeat und Polka, Indie- und Austropop („Wenn du lachst“), er ist Raver („Heute geht’s um gar nichts“), Rapper („Frechdachs“) und Liedermacher („Ungeschminkt“) zugleich.
Als Zugabe „Verwandtschaftstreffen“
Den Song „Schwarzes Schaf“, in dem er von abstrusen Dialogen mit fiesen, lieben und süßen Ziegen erzählt, spielt er gleich zweimal: einmal als Reggae und einmal akustisch. Bei „Katz und Maus“ übernimmt sein Schlagzeuger die Publikumsanimation. Und weil man sich bei dem Mann, der eigentlich Florian Gruber heißt, und irgendwann aus einem Kaff in Kärnten nach Wien geflohen ist, nie so ganz sicher ist, ober er eigentlich Kinderlieder für Erwachsene oder Erwachsenenlieder für Kinder macht, wird seine kleine Show im Wizemann zur großen Familienunterhaltung.
Da dürfen Kinder auch mal ein Selfie mit ihm auf der Bühne machen. Oder es können beim Drehen eines selbst gebauten Glücksrads Fanartikel gewonnen werden. Und zum Altersdurcheinander beim Publikum im Wizemann passt natürlich, dass als Zugabe Rians lustiger Minihit „Verwandtschaftstreffen“ dran ist, der davon erzählt, wie ein vermeintlich ganz normaler Samstag und Sonntag eskalieren: „Hat mich gefreut, hat sich wieder mal gelohnt!“
Rian: Tour 2026
Wer die Show am Mittwoch verpasst hat oder so begeistert war, dass er Rian möglichst bald wieder live sehen will: Im kommenden Jahr tritt er wieder in Stuttgart auf. Am 13. März 2026 (ein Freitag, der 13.!) tritt Rian im Wizemann auf – dann aber nicht mehr im Studio, sondern bereits im größeren Club nebenan.