Clueso hat eine besondere Beziehung zu Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Clueso hat am Freitag in der ausverkauften Freilichtbühne gespielt. Er begeistert das Publikum mit seinen großen Hits und Plaudereien über seine Karriereanfänge in Stuttgart. Kritik, Setlist und Fotos vom Konzert.

Nach knapp zwei Stunden ist das Publikum vor allem eines: beseelt. Clueso ist nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch einer der sympathischsten deutschen Singer/Songwriter – und das zeigt er auch an diesem Sommerabend in der Freilichtbühne am Killesberg. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht springt er über die Bühne, nach wenigen Liedern muss er schon das verschwitzte Hemd wechseln. Die Band inklusive Saxofon, Trompete und Posaune steht auf mehrstufigen Podesten, begleitet ihn mit einer großen Spielfreude und wechselnden Soloeinlagen. Zwischendurch wird improvisiert, Clueso stimmt „Mensch“ von Herbert Grönemeyer an oder „Marmorstein und Eisen bricht“von Drafi Deutscher.

 

Als es losgeht, steht er aber zunächst allein auf der Bühne. Nur begleitet von seiner Gitarre, eröffnet er den Abend mit dem Lied „Chicago“. Es folgen „Keinen Zentimeter“ und „Sag mir was du willst“. Clueso startet mit drei seiner größten Hits. Die Gefahr, gleich zu Beginn sein Pulver zu verschießen, besteht nicht. Der Musiker hat so viele erfolgreiche, bekannte Songs, dass er damit locker den ganzen Abend füllen kann.

Clueso streut kleine, persönliche Anekdoten ein

Die Freilichtbühne ist ausverkauft. Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt, hat viele treue Fans, manche sind schon im Renten- andere noch im Grundschulalter. Über die jubelnde Menge fliegen bunte Luftballons, es wird so textsicher mitgesungen, dass der Sänger auf der Bühne bei manchen Liedern nur noch Stichwortgeber ist. „Sofort ne geile Stimmung“, ruft er in sein Publikum. Für seine Fans der ersten Stunde spielt er das Lied „Du warst immer dabei“.

Der 44-Jährige wickelt sein Publikum auf der Sommer-Tour aber nicht nur mit seiner Musik um den Finger. Immer wieder streut er kleine, persönliche Anekdoten ein. Etwa von seiner ersten Begegnung mit Udo Lindenberg, mit dem er 2011 das Lied „Cello“ in einer Unplugged-Version aufgenommen hat. Lindenberg habe ihn im Hamburger Hotel Atlantic empfangen. „Ich dachte, ich treffe Micky Maus, ich dachte den gibt’s gar nicht“, sagt er. Inzwischen seien sie befreundet, Lindenbergs Balkon im Hotel an der Alster ein beliebter Treffpunkt der beiden. Und die Udo-Imitation von Clueso sitzt.

Er erzählt auch von seiner besonderen Beziehung zu Stuttgart. Clueso wurde von den Fantastischen Vier entdeckt. Er sei nach Stuttgart zum Label eingeladen worden, irgendwo „in der Nähe eines Hallenbads“, Kenner wissen genau, wo das ist. Dort habe er Max Herre und Joy Denalane kennengelernt, die zu der Zeit noch nicht einmal ein Paar waren. Im Keller sei Andi Ypsilon „wie ein Hamster“ hochgeschreckt. Er habe gerade an einem Lied namens „MfG“ gearbeitet. „Neuanfang“ erzählt von dieser Zeit, als er seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben und die Lieder dann erst einmal vor einer überschaubaren Anzahl von Fans performt hat.

Die Zeiten sind lange schon vorbei. Nach neun Alben und zahlreichen Auszeichnungen in Gold und Platin, hat er gerade in der Berliner Waldbühne sein bisher größtes Konzert gespielt. Auch in der Freilichtbühne zeigt Clueso seine ganze musikalische Bandbreite, die ihn berühmt gemacht hat: Hip-Hop, Pop, Soul und dazu die unverwechselbare Stimme.

Der gebürtige Erfurter holt während der Show immer wieder Menschen, die eigentlich hinter der Bühne für ihn arbeiten, auf die Bühne. So auch beim Song „Pizzaschachteln“. Im Musikvideo des 2005 veröffentlichten Songs hatte ein ungefähr fünfjähriger Junge eine kleine Szene. Inzwischen ist dieser Crewmitglied bei Clueso und selbst Musiker – er begleitet Clueso mit Gitarre und Gesang.

Das große Finale bildet ein ruhiger Song zum Runterkühlen: „So sehr dabei“, bei dem Support-Act Paul Wetz zurück auf die Bühne kommt. Sicher hätte Clueso noch mehr Hits zum Mitsingen für den Abend, wäre an der Freilichtbühne Killesberg nicht pünktlich um 22 Uhr Schluss.

Setlist: Chicago / Keinen Zentimeter / Sag mir was du willst / 37 Grad im Paradies / Flugmodus / Auf und Ab (Montez-Cover) / Neuanfang / Ey der Regen / Du warst immer dabei / Pizzaschachteln / Cello / Für immer jetzt / Zusammen / Du musst tanzen / Gewinner / Leider Berlin / Achterbahn / So sehr dabei