Mit einem lauten und bunten Konzert beendet Ben Zucker am Samstagabend ausgelassen seine Live-2024-Tournee in der Stuttgarter Porsche-Arena. Konzertkritik und Setlist.
Mit seinem Hit „Was für eine geile Zeit“ geht Ben Zucker in die letzten Minuten seines Konzerts in Stuttgart und läutet damit das Ende seiner Live 2024-Tour ein. Der Titel ist nicht zufällig gewählt. Anstrengende Monate liegen hinter der Band und doch war es sichtlich eine Zeit, die alle genossen haben. Daran lässt das Konzert am Samstagabend keine Zweifel. Zucker hat nämlich eine zweistündige Show hingelegt, die es in sich hatte.
Schon der Start ist ein Knaller – im wahrsten Sinne des Wortes: Drei Mal ertönt ein Knall und dann erscheint der, auf den die volle Porsche Arena gewartet hat. „Guten Abend Stuttgart. Freut euch auf die kommenden sechseinhalb Stunden!“, ruft Ben Zucker den Fans zu und die hätten scheinbar nichts dagegen, wenn es wahr wäre. Neben den Hits von seinem neuen Album „Heute nicht!“ hat er auch seine größten Erfolge mitgebracht, wie „Bist du der Mensch“, „Die Welt wartet auf dich“ und natürlich auch den Hit, mit dem alles 2017 begonnen hatte: „Na und… ?!“.
Zucker zeigt Emotionen
Immer wieder wechselt er von der Hauptbühne auf eine Insel im Publikum und taucht auch mal am anderen Ende der Halle auf. Die Pausen füllt er mit einem Interview auf einem Videoscreen, in dem er von sich erzählt: Mal dankt er seiner Mutter, die für ihn so wichtig ist, mal spricht er von seinem dunkelsten Moment als Corona bedingt seine große Tour abgesagt wurde. Auch das Thema Emotionen thematisiert er und verrät, dass er viel geweint hatte und sich in Melancholie und Liebeskummer suhlen könne.
Diese Emotionen legt er auch so unverblümt und ehrlich in seine Songs. Deren Themen sind zwar typisch für Schlagermusik: Liebe, Verletzung, Liebeskummer, Hoffnung - alles mitten aus dem Leben. Doch die Art und Weise wie er sie interpretiert, ist sehr eigen, denn in vielen schwingt eine Art Trotz mit. Diese Authentizität dürfte auch zu seinem großen Erfolg beitragen. Aber da ist noch sein Markenzeichen. Wer den Namen Ben Zucker hört, denkt an diese markante, raue, tiefe Stimme, die in der Schlagerwelt einzigartig ist.
Dankt dem ganzen Team
Zucker macht Schlager-Rock, das wird auch an diesem Abend deutlich. Immer wieder blitzt es, flimmert, leuchtet, Gitarrengewitter füllt die Halle und Pyrotechnik und Nebelschwaden verleihen dem Konzert noch mehr Power. Auf der Tour begleitet ihn der Berliner Rapper Liquit Walker, mit dem er „Immer wieder du“ singt, mit Kerstin Ott singt er virtuell das Duett „An diesen Tagen“ und mit seiner Band ein Medley großer deutscher Hits aus allen vier Himmelsrichtungen, darunter „Westerland“ von Die Ärzte und „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys.
Dabei versteht es der Künstler auch mal in den Hintergrund zu treten und seiner neunköpfigen Band Platz auf der Bühne zu machen. Jeder bekommt ein Solo, die beiden Backgroundsängerinnen, Nathalie und Elli, haben eigene Gesangseinlagen.
Zucker ist ein sympathischer Sänger, der sich auch immer wieder bei seinem Publikum bedankt, zum 2:0 für den VfB an diesem Abend gratuliert und irgendwann geradeaus sagt: „Stuttgart, ohne rumschleimen zu wollen – ihr seid großartig“. Da es das letzte Konzert ist, nutzt der Musiker die Gelegenheit alle Namen vorzulesen derer, die an dieser Tournee beteiligt waren und dankt dem Publikum für sein Verständnis, dass er seine Geduld strapaziert. Mit „Wir sind immer noch hier“ beginnt ein fulminantes, lautes, kreischendes Ende, bei dem die ganze Band nochmal alles gibt, ein letzter Knall folgt, sie machen noch ein Familienfoto, wie er es nennt und nach über zwei Stunden beendet er das Konzert mit einem leisen Lied. Ein Produzent hatte ihm vor 15 Jahren gesagt, dass „Nimm mich in den Arm“ keine Chancen auf Erfolg hätte. Nicht umsonst wird er den Song für den Abschluss einer erfolgreichen Tournee gewählt haben.
Setlist
•Wir lieben uns wieder
•Straßenjungs
•Ich weiß was ich will
•Da vorne ist noch Licht
•Wer sagt das ?!
•Bist du der Mensch
•Guten Morgen Welt
•Stadt für uns alleine
•Die weißen Tauben sind müde (von Hans Hartz)
•Die Welt wartet auf dich
•Der Sonne entgegen
•Du bist alles für mich
•Ich spüre wie die Liebe zerbricht
•Immer wieder du
•Heute nicht!
•An diesen Tagen
•Verdammt
•Ich weine nicht um dich
•Medley: Westerland (Die Ärzte), Alt wie ein Baum (Puhdys), Nichts versäumt (Nena), Micha du hast den Farbfilm vergessen (Nina Hagen), Ohne dich (Münchner Freiheit), Tage wie diese (Die Toten Hosen)
•Schau nur
•Mein Berlin
•Na und.. ?!
•Was für eine geile Zeit
•Wir sind immer noch hier
•Nimm mich in den Arm