Nein, das waren nicht Rammstein, die da am Freitag in Stuttgart aufgetreten sind: Fanstimmen, Setlist und Kritik vom Konzert der Tribute-Band Stahlzeit in der Porsche-Arena.
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, da steht Till Lindemann auf der Bühne. Die Gestik und Mimik in Richtung des Publikums, die leicht gebückte Haltung, die dunkle Kleidung, die Frisur mit den rasierten Seiten und nicht zuletzt die markante Stimme: Doch es sind nicht Till Lindemann und seine Band Rammstein, die am Freitagabend in der Porsche-Arena in Stuttgart auftreten, sondern Helfried „Heli“ Reißenweber und seine Band Stahlzeit – eine Rammstein-Tribute-Band.
Stahlzeit: Zweieinhalb Stunden voller Rammstein
Dort macht die sechsköpfige Gruppe zum Auftakt ihrer „Zeitlos 20“-Jubiläumstour Halt. Stahlzeit kopieren seit 2005 fast perfekt die Musik und das Auftreten der Band Rammstein. Rund 3300 Tickets scannen die Security-Mitarbeiter für den Auftritt der Tribute-Band, die eigentlich als Nebenprojekt der Band Maerzfeld entstanden ist.
Wenn Reißenweber und Co. während der Songs das Bühnenspektakel des Originals nachahmen, kracht es ordentlich. Die Wärme der Flammensäulen ist bis auf die Ränge spürbar. Konfetti fliegt durch die Luft, Raketen schießen unter dem Dach entlang.
Stahlzeit – bekannte Songs des Originals
Auch Showeinlagen – etwa zu „Mein Teil“ und „Engel“ – stellen die Musiker nach. Lieder wie „Sonne“ und „Du hast“ sind nur zwei der bekanntesten Rammstein-Songs, die auch die Tribute-Band spielt. Das von der Vergänglichkeit erzählende „Zeit“ sticht heraus. Das Stück aus dem Jahr 2022 ist einer der wenigen Stahlzeit-Ausflüge in die jüngere Geschichte von Rammstein.
Von Mai 2023 an geriet deren Sänger Till Lindemann stark in die Kritik, nachdem ihm mehrere Frauen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch vorgeworfen hatten. Er wies all das zurück. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte ihr Ermittlungsverfahren „wegen des Verdachts der Begehung von Sexualdelikten wie auch Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz“ Ende August 2023 ein, weil die Beweisauswertung keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben habe.
Wie Fans heute auf Rammstein und Lindemann blicken
Hört man sich in Stuttgart um, gehen die Meinungen rund um dieses Thema ein wenig auseinander. „Mir kommt es mehr auf die Musik an, die finde ich nach wie vor richtig gut“, sagt Isabell Böttcher aus Göttingen. Die Vorwürfe könne man so und so betrachten, „weil es immer zwei Seiten gibt. Ich will das gar nicht beurteilen, weil ich das selbst nicht miterlebt habe.“ Ihre ebenfalls 34-jährige Freundin aus Stuttgart mag die Musik auch, „aber irgendwie hat es so ein Geschmäckle“, sagt sie. Carmen Vogt-Klingbeil aus Cottbus behauptet dagegen, dass Lindemann geschadet werden sollte und glaubt nicht, dass an den Vorwürfen etwas dran ist.
Stahlzeit: Setlist in Stuttgart
- Reise, Reise
- Links 2 3 4
- Sehnsucht
- Rein raus
- Du riechst so gut
- Mein Teil
- Mutter
- Spieluhr
- Ausländer
- Benzin
- Keine Lust
- Dicke Titten
- Haifisch
- Wiener Blut
- Deutschland
- Ohne dich
- Spring
- Ich tu dir weh
- Mein Herz brennt (Pianoversion)
- Mein Herz brennt
- Sonne
- Du hast
- Pussy
- Zeit
- Ich will
- Feuer frei
- Engel
- Adieu
Mit „Adieu“ verabschieden sich Stahlzeit in Stuttgart. „Ich gehe, glaube ich, nochmal hin“, sagt Isabell Böttcher. Sie sei „total begeistert“. Wenn die Göppingerin und weitere Fans die Gruppe wieder in der Porsche-Arena sehen wollen, müssen sie sich bis zum 31. Januar 2026 gedulden. Till Lindemann selbst hat sich dagegen schon etwas früher wieder angekündigt: Im Rahmen seiner „Meine Welt“-Solotour tritt er am 16. Dezember 2025 in Stuttgart in der Schleyerhalle auf.