Vincent Stein (links) und Dag-Alexis Kopplin: Das Duo SDP hat die Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle ausverkauft. Foto: Ferdinando Iannone

Das Berliner Duo SDP vereint Rap und Punk und vieles mehr – und hat auf seiner „Die wollen nur spielen“-Tour 12 000 Menschen in die ausverkaufte Stuttgarter Schleyer-Halle gezogen.

Er existiert bei vielen Bands: der Fluch des Superhits. Wie wäre die Geschichte abgebogen, hätten Die Ärzte niemals „Westerland“ komponiert? Hätte Nena niemals „99 Luftballons“ gesungen? Oder hätten Fettes Brot niemals „Jein“ auf die Fans losgelassen? All diese Interpreten auf diesen einen Song zu reduzieren, wäre ein großer Fehler.

 

Eine Feststellung, die dieser Tage unmittelbar zum Berliner Duo SDP führt. Das hat am Freitagabend mit 12 000 Besucherinnen und Besucher die Schleyer-Halle ausverkauft – zwölf Jahre nach ihrem ersten Stuttgart-Gig im längst verblichenen Rocker 33.

SDP, das steht für „Stonedeafproduction“

Und auch bei SDP (die Abkürzung steht für „Stonedeafproduction“, der Name unter dem 1999 alles begann) gilt: Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin sind viel mehr als ihr Megahit „Die Nacht von Freitag auf Montag“. Obwohl, und auch das ist Teil der Wahrheit: Ein nicht unerheblicher Teil des Publikums wartet sehr wohl vor allem auf dieses eine, stark mallorca-erprobte Stück.

Auch an der Gitarre mehr als nur stabil: Dag-Alexis Kopplin Foto: Ferdinando Iannone

SDP fahren beim vorletzten Konzert ihrer „Die wollen nur spielen“-Tour alles auf. Und vielleicht ist es die Mischung, die Stein und Kopplin seit inzwischen elf Alben bieten, die den Reiz ausmacht. Viel Hip-Hop ist dabei, stellenweise krachender Punk, die Melodielinien sind dabei fast schon im besten Sinne schlagermäßig-eingängig. Das, gepaart mit einer wahren Monster-Show, lässt in Stuttgarts größter Halle am Ende niemanden kalt.

Mit Feuer und Flammen startet das wilde, stellenweise aber auch emotional-nachdenkliche Programm. Das Verständnis der Protagonisten mit ihrer sechsköpfigen Begleitband funktioniert blind. Am Ende werden SDP 28 Songs gespielt haben – einige davon von einer zweiten Bühne in der Hallenmitte sowie aus dem Publikum. Einer der Höhepunkte: Dag-Alexis Kopplins Flug per Miniseilbahn über die Menge, ein Gitarrensolo spielend. Dass vor allem Vincent Steins Bandpartner mit der tiefen Bassstimme ein hervorragender Musiker ist, beweist er zudem an der Percussion-Batterie sowie am Piano.

Höhepunkte der fast exakt zweistündigen Show herauszupicken, ist allerdings müßig. Bei „Scheiße baut sich nicht von alleine“, werden bunte Aufblastiere in die Menge geworfen. „Männer und Frauen“ wird – wie viele andere Stücke auch – aus tausenden Kehlen mitgesungen, genau wie „Ne Leiche“, „Viva La Dealer“, „Leider wieder da“ oder „Abenteuerland“ – kein Wunder, basiert Letzteres doch auf dem gleichnamigen Pur-Lied. Wo also sollte das Publikum textsicherer sein? Vielleicht noch in der Pur-Heimatstadt Bietigheim.

Bei „ADAC“ lassen SDP Krankschreibungen von der Decke regnen

Fast das gesamte Programm wird begleitet von Pyros und Konfetti, bei „ADAC“ regnet es Krankschreibungen. Nach einem Balladen-Block läutet das Silbermond-Cover „Symphonie“ den Endspurt ein, dargeboten gemeinsam mit der Berliner Sängerin Elif. Die 22-Jährige durfte bereits vor dem SDP-Auftritt eine Kostprobe ihres Könnens abgeben. Sie bleibt auch bei „Mama hat gesagt“ auf der Bühne. Bei „Tanz aus der Reihe!“ folgt ein weiterer Gast: Der Stuttgarter Rapper Weekend darf mitmachen.

Und nach „Die schönsten Tage“ ist es endlich soweit: Gespielt ziert sich die Band noch. Doch dann erklingt das Intro zu „Die Nacht von Freitag auf Montag“ und die Halle steht endgültig Kopf. Zwar lassen SDP die im Original von Rapper Sido gesungene zweite Strophe weg. 12 000 Menschen singen dennoch im Chor – und werden diesen Abend wohl so schnell nicht vergessen.

SDP: Setlist in Stuttgart

  • Die wollen nur spielen
  • Du hast gehofft
  • Willst du heite?
  • Scheiße baut sich nicht von alleine
  • Wenn ich einmal groß bin
  • Ne Leiche
  • Als ich Mädchen noch scheiße fand
  • Mittelfinger
  • Männer und Frauen
  • Das Lied
  • ADAC
  • Keine Helden
  • Brenn!
  • Unikat
  • Viva la Dealer
  • So schön kaputt
  • Leider wieder da
  • Liebe ist...
  • Abenteuerland
  • Zusammen
  • Medley: Eigentlich wollte er nie wieder ein Liebeslied schreiben/Kurz für immer bleiben/Millionen Liebeslieder/Wie viele Lieder muss ich noch schreiben?
  • Ich muss immer an dich denken
  • Ich will nur, dass du weißt
  • Symphonie (Silbermond-Cover)
  • Mama hat gesagt
  • Tanz aus der Reihe!
  • Die schönsten Tage
  • Die Nacht von Freitag auf Montag