Frontmann Rob Halford mit Gitarrist Richie Faulkner beim Auftritt von Judas Priest in der Schleyer-Halle. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Auch nach über 50 Jahren Bandgeschichte denken die Heavy-Metal-Legenden von Judas Priest noch nicht ans Aufhören. Bilder, Setlist und Kritik vom Konzert in der Schleyer-Halle.

Wie ein Raubtier auf der Suche nach seiner Beute schleicht Rob Halford über die Bühne. Mit seinem mächtigen Bart, der Lederkluft und den teils animalischen Schreien könnte man schon fast Angst bekommen. Andererseits: Wer am Dienstagabend in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle gekommen ist, weiß ganz genau, auf was er sich einlässt. Für Zartbesaitete ist das Programm nichts. Für Anhänger von knallharten Gitarrenriffs dagegen sehr wohl.

 

Mit Judas Priest ist eine der erfolgreichsten und ältesten noch aktiven Heavy-Metal-Bands nach Stuttgart gekommen. Seit über 50 Jahren gibt es die Gruppe aus dem britischen Birmingham bereits. Frontmann Rob Halford ist mittlerweile 73 Jahre alt. Das Alter merkt man ihm durchaus an, seine Bewegungen wirken eher behäbig. Doch an seiner Stimmgewalt scheinen die Jahre nahezu spurlos vorbeigegangen zu sein.

Tonprobleme und eine Rolle rückwärts bei Accept

Die Briten haben prominente Einheizer mitgebracht. „We’re the bastards, and you’re a bastard too“, brüllt Sänger Joel Peters gleich zu Beginn dem Publikum in der Schleyer-Halle entgegen. Womit er zumindest beim ersten Teil nicht Unrecht hat, schließlich nennt sich seine Gruppe „Phil Campbell and the Bastard Sons“. Dahinter steckt der ehemalige Motörhead-Gitarrist Phil Campbell. Kein Wunder, dass es genau dann am lautesten wird, wenn die Waliser alte Motörhead-Klassiker wie „Going To Brazil“ oder „Ace Of Spades“ zum Besten geben.

Danach tritt eine weitere Band mit bekanntem Namen auf die Bühne: Auch ohne Frontmann Udo Dirkschneider zählen Accept noch immer zu den bekanntesten deutschen Heavy-Metal-Bands. Doch die sechsköpfige Gruppe aus Solingen hat mit hartnäckigen Tonproblemen zu kämpfen. Immer wieder bricht der Sound ab, die Probleme bekommen die Techniker bis zum Ende des knapp einstündigen Auftritts nicht in den Griff. Beim epischen „Princess Of The Dawn“ fliegt Gitarrist Wolf Hoffmann dann auch noch rückwärts um. Trotz allem schafft es Accept, das Publikum mit ihren schnellen Riffs und den bestialischen Schreien von Frontsänger Mark Tornillo für sich zu gewinnen. Spätestens beim Klassiker „Balls To The Walls“ löst sich dann auch in den hinteren Reihen die Euphorie-Bremse.

Bei Judas Priest kommt wie gewohnt die Harley zum Einsatz

Als Rob Halford daraufhin unter Donnergrollen auf die Bühne marschiert und den Zuschauern „All Guns Blazing“ entgegenschmettert, sind die Tonprobleme behoben. „The Priest is back“, verkündet er – und konzentriert sich dann auf das, was er am besten kann: singen. Und das über viereinhalb Oktaven. Der von den Fans als „Metal God“ geadelte Frontmann gibt passend dazu den Song „Metal Gods“ zum Besten, genauso wie zahlreiche weitere Klassiker der Band – von „You’ve Got Another Thing Coming“ über „Breaking The Law“ bis hin zu „Electric Eye“.

Im Gleichtakt: Die beiden Judas Priest-Gitarristen Richie Faulkner (links) und Andy Sneap. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Halford wechselt immer wieder das Outfit, während seine Instrumentalkollegen durch die markanten zweistimmigen Gitarrenparts auf sich aufmerksam machen. Auch ohne Mastermind Glenn Tipton, der wegen seiner Parkinson-Erkrankung kaum noch auf der Bühne steht und in Stuttgart einmal mehr von Andy Sneap vertreten wird, liefern Judas Priest musikalisch eine einwandfreie Show ab.

Für „Hell Bent For Leather“ fährt Halford dann wie gewohnt mit einer Harley-Davidson vor. Die Show endet mit einem Stilwechsel: „Living After Midnight“ ist wohl das sanfteste, was die Zuschauer an diesem Abend zu hören bekommen. Die beste Nachricht haben sich die Briten aber für ganz zum Schluss aufbewahrt: „The Priest will be back“ erscheint da auf der großen Leinwand – Judas Priest wird wiederkommen. Die Metal Gods haben noch nicht fertig.

Setlist: Judas Priest in der Schleyerhalle

1. All Guns Blazing

2. Hell Patrol

3. You’ve Got Another Thing Coming

4. Freewheel Burning

5. Breaking The Law

6. A Touch Of Evil

7. Night Crawler

8. Firepower

9. Solar Angels

10. Gates Of Hell

11. Metal Gods

12. The Serpent And The King

13. Battle Hymn/One Shot At Glory

14. Between The Hammer & The Anvil

15. Judas Rising

16. Giants In The Sky

17. Painkiller

18. The Hellion/Electric Eye

19. Hell Bent For Leather

20. Living After Midnight