Musikalische Zwillinge an der Geige: Marie-Luise Dingler (links) und Marta Danilkovich Foto: Dorn

Erstmalig machte das Schwarzwald-Musik-Festival Station in der St.Gallus-Kirche im Kloster Heiligenbronn.

Im Altarraum konzertierte das Violinduo „The Twiolins“. Marie-Luise Dingler und Marta Danilkovich touren als Violinen-„Zwillinge“ seit 2025 gemeinsam, nachdem beide nach eigener Aussage zuvor über zehn Jahre lang mit jeweils anderen Partnern im Wettbewerb zueinander gestanden hatten.

 

Blindes Verständnis

Dass es zwischen den beiden Profimusikerinnen „Liebe auf den ersten Ton“ gewesen sein muss, bewiesen „The Twiolins“ eindrucksvoll mit der Ouvertüre aus Rossinis Oper „La Gazza Ladra“. In blindem Verständnis füreinander wechselten die Pizzicato-Stellen wie von unsichtbarer Hand geführt. Auch in Antonio Vivaldis „Frühling“ – beide Stücke wurden auswendig gespielt – zeichneten die beiden Musikerinnen die Vogelmotive traumwandlerisch sicher und farbenreich nach.

In zwei Arien aus Rossinis „Barbier von Sevilla“ sowie der Ouvertüre aus Mozarts „Figaro“ stellten die beiden Geigen virtuos die intrigierenden Charaktere der Opernhandlungen dar. Mal im Duett, mal im musikalischen Duell wogten die bekannten Melodien durch den Altarraum.

Schwierige Solostelle

Dass hinter den gefällig wirkenden Klassikern auch intensive musikalische Arbeit steckt, zeigten die beiden in der Arie „Casta Diva“ aus Bellinis Oper „Norma“. Erst im dritten gemeinsamen Anlauf gelang Dingler die schwierige Solostelle in Flageolett-Technik, mit der einer Violine flötenähnliche Töne entlockt werden können. Diesen Erfolg honorierte das Publikum mit Szenenapplaus.

Nach der Pause, in der neben einem Glas Sekt auch ein Rundgang durch das erst in diesem Frühjahr eröffnete neugestaltete Klostermuseum möglich war, standen erneut zwei bekannte, auswendig gespielte Melodien auf dem Programm. Mit „Funiculì, Funiculà“ von Luigi Denza wurde 1880 musikalisch Werbung für die neue Touristenattraktion einer Seilbahn auf den Vesuv gemacht; Rossinis Arie aus „Wilhelm Tell“ warb gewissermaßen für die Tourismusdestination Schweiz. Bei beiden Stücken zeigte sich jedoch ein kleiner „Webfehler“ in der Neubesetzung der „Twiolins“: Die Arien gerieten stellenweise eher zu einem sportlichen Wettbewerb ohne besonderen Mehrwert.

Stehende Ovationen

Als hätten die beiden Musikerinnen diese Kritik vernommen, fanden sie mit „Erbarme dich“ aus der Matthäus-Passion sowie der „Toccata und Fuge d-Moll“ von Johann Sebastian Bach wieder zum gemeinsamen Konzertieren zurück. Jede ließ der anderen ihren Raum, Motive wurden bereitwillig wiederholt oder gemeinsam verstärkt. Ab und an war auch Platz für wenige Takte einer einzelnen Geige. Petrus’ stilles Gebet sowie die Wildheit und Theatralik der Toccata, die auch im Arrangement für zwei Violinen nichts von ihrer Rätselhaftigkeit und Dynamik eingebüßt hatte, gelangen eindrucksvoll.

Die Ouvertüre aus der Operette „Die Fledermaus“, Frank Sinatras ikonisches „New York, New York“ sowie „Minor Swing“ von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli bildeten den Abschluss des Konzerts. Den verdienten stehenden Ovationen folgten noch zwei Zugaben.