Nachdem das Sinfonieorchester der Musikschule das Konzert zu Ehren des Komponisten Ludwig van Beethoven im vergangenen Jahr zwei Mal verschieben musste, hat es nun beim dritten Anlauf geklappt.
Schramberg - Das Orchester präsentierte in der gut besetzten neuen St. Laurentiuskirche in Sulgen ein feines Beethoven-Programm – gut vorbereitet und nach gültigen Hygienevorschriften. Nachdem Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr die Besucher begrüßt und allen viel Hörgenuss gewünscht hatte, sammelte Musikdirektor Meinrad Löffler mit einer Geste seines Dirigierstabs die Konzentration aller Mitwirkenden und gab den Einsatz zum ersten Satz der zweiten Sinfonie von Ludwig van Beethoven.
Start mit dem Adagio
Das Adagio nimmt die kontrastreiche Gestaltung der ganzen Sinfonie vorweg. Fortissimo-Akkorde wechseln mit sanften Kantilenen der Holzbläser und Streicher. Empfindsam interpretierte Wendungen von Dur nach Moll und zurück: Der Fluss nimmt Fahrt auf, der Puls wird drängender, 16tel werden zu 16tel-Triolen und schon mündet er in das Allegro con brio des Kopfsatzes. Meinrad Löffler gab mit ruhigen, klaren Bewegungen das Tempo vor und formte das wirbelige Geschehen.
Zunächst energisch aufstrebende Basslinien in den tiefen Streichern. Später kontrastieren plastisch artikulierte nervös flackernde Geigenmotive mit Tutti-Ausbrüchen in Dur und Moll – Dur gewinnt und der Satz endet in einem strahlenden Finale. Das folgende Larghetto beginnt beschaulich, lyrisch. Wunderbar gesanglich die Streicher und mit sinnlicher Tongebung die Holzbläser. Aufhorchen lässt unter anderem das Zwiegespräch der Klarinette mit den Violinen. Auch dort droht wieder die Schattenseite des Lebens am musikalischen Horizont. Die Spannung steigt – und kann sich letzten Endes doch entspannt in der sonnigen Stimmung des Anfangsthemas auflösen. An dieser Stelle wurde der musikalische Verlauf des Abends für die Ehrungen zu "Jugend musiziert" (siehe Info) unterbrochen.
Sonja Gebert brilliert
Dann folgte der musikalische Höhepunkt des Abends: Die Besucher erwarteten gespannt die international renommierte Sopranistin Sonja Gebert, eine ehemalige Schülerin der Musikschule Schamberg, die in der Arie "Ah perfido", von Beethoven eigens für Sopran und Orchester komponiert, glänzte.
Eindrucksvoll gestaltete sie die Rolle der verlassenen Geliebten. Im ersten Teil der Arie brillierte sie mit großem Stimmvolumen, gab sich ihrer Wut und dem Wunsch nach Rache förmlich hin. Im zweiten Teil bat sie mit zartem, flehenden Timbre um Gnade für den Abtrünnigen, während sie im dritten Teil wieder ihre ganze Verzweiflung mit der Bitte um Gerechtigkeit in den Raum warf. Emotional authentisch, technisch versiert und kontrolliert begeisterte Sonja Gebert – und auch das Orchester wusste flexibel und geschmackvoll zu begleiten. Auch im kurzen dritten Satz der wieder aufgenommenen Sinfonie, im Scherzo, überzeugte es mit Leichtigkeit und Löffler hob gekonnt Überraschungseffekte und dynamische Unterschiede hervor.
Das "grande Finale"
Finale: Das Allegro molto beginnt mit überdrehter Ausgelassenheit und entwickelt sich über ein humoristisches Hauptthema hin zur Coda, die noch einmal die ganze Sinfonie zusammenzufassen scheint. Das Orchester meisterte geheimnisvolle Neueinsätze nach stockenden Fermaten, überrumpelte die Hörer durch plötzliche Tutti-Fortissimi nach zarten Streicherpianissimi und beendete den Schlusssatz mit rasenden Skalen und wurde schließlich doch durch die abschließenden Tutti-Schlussakkorde gestoppt.
Großer Beifall belohnte die jungen Musiker und ihren Dirigenten sowie die Solistin Sonja Gebert und die Zuhörer durften als Zugabe noch einmal den Finalteil der Arie genießen.
Info: Ehrung zu "Jugend musiziert"
Schramberg, heißt es von der Musikschule, habe sich in den vergangenen Jahren als regionaler Austragungsort des Wettbewerbs "Jugend musiziert" etabliert. In diesem Jahr durfte jedoch kein Präsenzwettbewerb auf Regionalebene durchgeführt werden. Interessierte Teilnehmer ab Altersstufe 3 konnten sich also online direkt beim Landeswettbewerb vorstellen. Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr übernahm die Ehrung und die Vergabe der Urkunden für die erfolgreichen Schramberger Teilnehmer, die zudem von Luca Mekelburg als Vertreter der Kreissparkasse Rottweil ein Geschenk sowie von Barbara Kunst als Vertreterin des Fördervereins der Musikschule einen Geldpreis erhielten. Ausgezeichnet wurden Finja Reichmann, Saxofon (Klasse Sabrina Michelfeit) sowie Alyah Sophie Brede, Flöte (Klasse Jonas Ribeiro) für einen zweiten Preis beim Landeswettbewerb. Außerdem für einen ersten Preis auf Landesebene Julia Fleig, Trompete (Klasse Meinrad Löffler) und Lena Maria Moosmann, Flöte (Klasse Ute Haas-Woelke). Dominik Fleig, Posaune (Klasse Daniel Weißer) wurde für einen guten Erfolg auf Bundesebene ausgezeichnet und das Duo Sarah Wöhrle, Klavier (Klasse Thomas Winterhalter) und Johanna Wolber, Violine (Julia Gallic, München) für den ersten Preis auf Bundesebene.