Jubiläumskonzert: Das New Philharmonic Sound Orchestra der Musikschule Mittleres Wiesental wird 25 Jahre alt.
Ein Pirat war an allem Schuld: Jack Sparrow aus dem Leinwandhit „Der Fluch der Karibik“. Die Filmmusik nach Motiven von Hans Zimmer war eines der ersten Stücke, die das vor 25 Jahren gegründete New Philharmonic Sound Orchester der Musikschule Mittleres Wiesental gespielt hat. Damals eine Kühnheit von Orchesterchef Wilhelm von Dungen, aber das Resultat war eben das Orchester, das nun mit einem großen Galakonzert in der Stadthalle am Samstag sein Jubiläum feierte.
Ein Mann stand im Mittelpunkt des Ereignisses: der Dirigent, Initiator und Mitgründer des Filmmusikorchesters und heutige Musikschulleiter Wilhelm von Dungen. Zusammen mit der damaligen Musikschulleiterin Susanne Kagerer hat er dieses Orchester mit Jugendlichen und Erwachsenen gegründet: Ein sinfonischer Klangkörper, der den Schwerpunkt auf Filmmusik legt.
Ein Gutteil des Jubiläumsprogramms bestand aus Filmmusik plus Musical und Songs. Es war also wirklich an der Zeit, dass der Dirigent an diesem Abend einen „Ehren-Oscar“ für 25 Jahre Freude am Musizieren bekam, der aussah wie eine Kopie des Hollywood-Oscars und, den er stolz hochhob.
Musiker aus Österreich
Dazu bekam von Dungen auch noch einen echten vergoldeten Dirigierstab aus den Händen von Markus Haider, einem der Musiker der österreichischen Band „Marantana“, die im Programm einen eigenen größeren Block hatte. Haider, der auch schon viel mitarrangiert hat, ist fast schon ein Mitglied des Orchesters. „Mir san halt a geile Band“, so stellte Haider sich und seine beiden Kollegen vor, die mit selbst geschriebenen Liedern im Dialekt angereist waren. Die Musik von „Marantana“ klingt urig, erdig, groovig. Zwei der Stücke wurden vom Musikschulorchester begleitet und da zeigte sich, wie gut sich die poppige Mundart-Band mit druckvollen Drums, E-Gitarre und Bass in den Orchestersound integrierte.
Angefangen hat das Programm mit reinen Orchesterstücken, darunter der berühmten Filmmusik zu „Cinema Paradiso“ von Ennio Morricone und in die Pause ging es schwungvoll mit dem „Tanz der Vampire“. Danach gab es einen kleinen Einblick in die Arbeit der Musikschule mit dem ersten Auftritt vor Publikum der 17-jährigen Klavierschülerin Amy Lockwood mit einem modernen Pophit von Yiruma.
Etwas ganz Besonderes war der Auftritt des 74-jährigen irischen Singer-Songwriters Billy Woods, Komponist und Performer, auch ein Bekannter aus dem musikalischen Umfeld des Dirigenten, der mit seiner rau-bluesigen Stimme ein ganz eigenes Timbre mitbrachte und in seinem Dreier-Set bei zwei Songs vom Orchester live unterstützt wurde. Beim ersten Stück „Water has no color“ gab es eine große Klangkulisse als Playback mit einem Background-Chorus und einem erzählerischen Ton des Sängers. Bei „Stand up be Strong“ mit einem Refrain in Ohrwurm-Qualität durfte das Publikum mitklatschen und -singen. Mit „Caledonia“ sang der Ire dann eine schottische Folk-Ballade.
Ein Wiederhören gab es mit Sila Yilmaz, die mit „Valerie“ einen Songmit kräftiger Musicalstimme vortrug.
Höhepunkt im Gesang
Der Höhepunkt war der gemeinsame Auftritt von Jacqueline Forster und Ralf Ernst mit einem Arrangement aus dem Musical „Phantom der Oper“. Hier hört die Hauptfigur Christine die Stimme eines Engels der Musik und dieses „Angel of Music“ singt die Sopranistin strahlend, klangschön und höhensicher mit perfektem Musicalausdruck. Ihr Ehemann Ralf Ernst übernahm die Baritonpartie und gefiel in Solonummern und vor allem im Duett mit Forster. Da stimmte es schon, was vorab der durchs Programm führende Michael Herrmann sagte: Dass man an zwei Leuten in Schopfheim nicht vorbeikomme, wenn es um das Thema Gesang gehe.
Gespräch auf der Bühne
Herrmann, der mit großem musikalischem Sachverstand das Programm kommentierte, führte ein Gespräch mit Daniela Landenberger, die schon in jungen Jahren im Orchester mitspielte und dann als Konzertmeisterin eine verantwortungsvolle Position übernahm. Der Bühnen-Talk ging über den Reiz, in einem solchen Klangkörper mitzuspielen: „Filmmusik gemeinsam in der Gruppe zu spielen, die Freude an der Musik und den vollen Klang zu spüren“. Zumal Dirigent von Dungen sensibel auf jeden einginge.
Ehrungen für Musiker
„Daniela gehört einfach zu unserem Orchester“ und bringe sich auch in den Förderverein der Musikschule ein, betonte Susanne Kagerer.
Den Dank der musikalischen Gemeinschaft überbrachte Kagerer auch Dirk Schubert, der seit 24 Jahren am Pult des Cellisten sitzt und ein festes Mitglied des Orchesters ist. Beiden attestierte Kagerer Engagement und musikalische Leidenschaft. Dann durfte sie noch ihren früheren Kollegen ehren, der als Komponist und Arrangeur für Filmmusik „die richtige Person zur rechten Zeit am richtigen Ort“ gewesen sei. Wilhelm von Dungen habe die Idee für diese moderne Form eines etwas anderen Orchesters gehabt und bei der Musikschule offene Türen eingerannt. Der Erfolg habe ihm Recht gegeben.
Moderator Herrmann bekräftige: Wenn Schopfheim einmal ein Musicaltheater hätte, dann gäbe es das Orchester dafür schon. Und als dann in der Zugabe der Piratenkapitän Jack Sparrow die Bühne enterte, gab es stehende Ovationen.