Rea Garvey am Donnerstagabend in der Porsche-Arena Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Wie war das damals mit den Zigarettenautomaten in Gerlingen? Der irische Popstar Rea Garvey hat am Donnerstag in der Porsche-Arena vor 5000 Fans neue Songs gespielt und von alten Zeiten erzählt.

Dieser Song breche ihm jedes Mal das Herz, wenn er ihn singe, sagt Rea Garvey. Die Porsche-Arena ist am Donnerstagabend annähernd ausverkauft. Gut 5000 Menschen lauschen dem Popsänger aus Irland, feiern mit ihm, singen mit ihm.

 

Bei „Halo“ jedoch, dem Song der des Sängers Herz bricht, sind es nicht die Stuttgarter, die mit ihm singen. Rea Garvey erzählt, wie er dieses Stück seiner Familie vorstellte, wie er zu Hause ein Mikrofon aufbaute. Nun sind es die Stimmen seiner Frau und seiner Kinder, die ihn als Chor begleiten, zugespielt. Es ist nicht das einzige Lied im Repertoire von Rea Garvey, das davon handelt, wie wichtig Gemeinschaft, Zusammenhalt und Verlässlichkeit sind.

The Voice of Germany

Rea Garvey erzählt wie er nach Deutschland kam, 1998, wie er alleine versuchte, sich eine Karriere aufzubauen, und verzweifelte. Und er erzählt davon, dass er schließlich um Hilfe bat und Hilfe bekam. Mit seiner Band Reamonn feierte er Erfolge und hatte einen Superhit; als Juror der Casting-Show „The Voice of Germany“ kam er endgültig an in einem Land, in dem er sich lange schon heimisch fühlt: „Ich bin zwar kein Deutscher, aber ich kenne die Wege.“

Einst tingelte Rea Garvey durch deutsche Kneipen und Cafés, auch in Gerlingen, in dem er zeitweise bei Bekannten wohnte. Die Gerlinger erinnern sich gut daran, sie sind alle in die Porsche-Arena gekommen und sie freuen sich, als er davon erzählt, wie einer seiner Mitbewohner – „ein starker Raucher“ – mit irischen Münzen von niedrigem Wert die Gerlinger Zigarettenautomaten plünderte. So lernte Rea Garvey auch die Gerlinger Polizei kennen – denn die stand schließlich vor der Tür und sagte: „Ihr seid die einzigen Iren hier im Viertel!“ – überführt.

Ein grundsympathischer Sänger

Picture This sind Rea Garveys Vorband. Auch sie stammen aus Irland und spielen melodischen Mainstream Power-Pop. Sie bringen das Publikum in der Porsche-Arena früh schon in Stimmung – und machen Garvey, er gibt es zu, etwas neidisch, sind sie doch, ein klein wenig nur, jünger und attraktiver als er. Am Tag nach seinem Stuttgarter Konzert wird Rea Garvey seinen 51. Geburtstag feiern.

Er wird begleitet von sechs Musikern, die seine hervorragende Stimme energisch umhüllen. Kleine Soli gehören zum Programm, gelegentlich tritt eine kurze Instrumentalpassage hervor, ganz im Vordergrund jedoch steht der grundsympathische Sänger, der sich mächtig ins Zeug legt, über seine hufeisenförmige Bühne sprintet und doch immer wieder Zeit findet, zu plaudern.

Ein wenig Sonnenschein und Hoffnung zu verbreiten, das, sagt Rea Garvey, sei seine Mission, die Aufgabe aller Musiker in diesen Tagen.

Er beginnt sein Konzert mit „Free like the Ocean“, einer Vorabsingle des kommenden Albums; er singt mit akustischer Gitarre und sparsamer Begleitung „Dirty Old Town“ und widmet es Shane MacGowan; er holt Picture This zu sich auf die Bühne und singt mit ihnen die neueste Single „Somewhere closer to Heaven“; er treibt die Stimmung auf die Spitze mit Songs wie „Sorry Days“ und „The One“. Da singen nun Stuttgarter im Chor und der Saal ist in tiefrotes Licht getaucht. Seine Zugabe beginnt er mit dem Stück, das seine Fans lieben, seit 24 Jahren: Er singt vom „Supergirl“ und alle Smartphones glühen.