Als musizierfreudiges Trio erfreuten Alexander Schmid (links), Julia Fankhauser und Johannes Fankhauser in der Dossenbacher Pelagiuskirche. Foto: Jürgen Scharf

Eine ungewohnte Klangvielfalt ergab sich beim Konzert zur Weihnachtszeit in der Kirche Dossenbach.

Man hat es nicht bereut, am Sonntag nach Dossenbach gegangen zu sein, wo in der Pelagiuskirche ein Konzert zur Weihnachtszeit stattfand. Es war ein ungewöhnliches Konzert mit außergewöhnlichen Klangeindrücken, selten gehörten Instrumenten und reizvollen Stücken mit ganz eigenem Charakter und ganz eigenem Charme.

 

Liane Klingler vom Pfarrgemeinderat begrüßte das Trio um den Organisten Johannes Fankhauser, den alle von seinen Improvisationen und den musikalischen Abendandachten kennen würden und der dieses Mal zwei Musiker „zur Verstärkung“ mitgebracht habe.

Mit Julia Fankhauser, die ein ganzes Arsenal an Holzblasinstrumenten im Gepäck hatte, ihrem Bruder Johannes Fankhauser und Alexander Schmid an Orgel und Truhenorgel brachte ein sehr gewandtes und bewährtes Trio die Zuhörer in eine weihnachtliche Stimmung.

Reise durch Länder, Regionen und Stile

Die Musiker nahmen die Besucher mit auf eine Reise durch Länder, Regionen und verschiedene Stile, von Renaissance über Barock bis zu Romantik und Impressionismus. Da erklangen auskomponierte Instrumentalstücke ebenso wie Weihnachtslieder, die aus dem Moment heraus improvisiert wurden.

Als Julia Fankhauser zur Schalmei griff und spätestens, als sie eine Musette, einen historischen Dudelsack, ansetzte oder das brummige Krummhorn ertönen ließ, war klar: Dieses attraktive Programm wartet mit ungewohnten Klängen auf.

Dass es anfänglich bei der Schalmei noch etwas „knarzte“, war den verschiedenen Stimmungen mit den Orgeln geschuldet. Doch als die Oboistin und Flötistin bei einem Siciliano von Friedrich dem Großen die Altflöte spielte, war das gleich sehr stimmungsvoll musiziert. In dieser adeligen Vorlage des Preußenkönigs mit ihren kunstvollen Klanggirlanden entfaltete Julia Fankhauser einen barocken Glanz. Prädikat: königlich.

Frischer und klarer Ton

Die vielseitige junge Musikerin, die in Brüssel lebt, führte einen instrumentalen Farbenreichtum an den Renaissance- und Barockinstrumenten vor und bestach durch ihren frischen und klaren Ton.

Die biegsame Oboe da Caccia – das Instrument stammt aus dem Wiesental und wurde von Paul Hailperin gebaut – setzte sie sehr wirkungsvoll in einer Pastorale des kosmopolitischen Bach-Sohns Johann Christian ein und ließ ihm die Anerkennung zuteil werden, die diesem „Londoner“ Bach gebührt.

Schöne Kantilenen führte die Virtuosin auf der Oboe in Guilmants„Cantilène Pastorale“ und in einem Nocturne von John Field vor, wo sie zarteste Farben entfaltete. Die Altflöte kam wieder zu ihrem Recht in einer „Pastorale enfantine“ von Cécile Chaminade, einer französischen Meisterin der Kleinform.

Liebevolle Zusammenstellung

Allein schon diese hübsche Auswahl zeigte, dass das Ensemble Nischen des Repertoires besetzt hat und ihm eine liebevolle Zusammenstellung farbiger Kostbarkeiten gelang, die ihre hervorstechende Qualität aus dem Wechsel der verwendeten Blasinstrumente bezogen hat.

An den Tasteninstrumenten spielten und begleiteten sehr aufmerksam Johannes Fankhauser und der Basler Alexander Schmid mit dynamisch-flüssigem Orgelspiel.

Sehr originell war, dass Schmid mit dem Dulcitone ein sehr rares Instrument mitgebracht hat, ein Stimmgabel-Klavier, das wie ein Glockenspiel oder eine Celesta klingt: ein Instrument mit ganz weichem, zartem Klangcharakter.

Lebendiges Musikmachen

Das ganze Konzert war herzerfrischend zu hören, weil es auf unprätentiöse und sympathische Art daherkam und alle Stücke kenntnisreich aufgeführt waren, denn die drei Musiker nutzten die Vorlagen zu einem lebendigen Musikmachen.

Das war also ein etwas anderes Festtagskonzert mit einer wohltuenden Musik, der man gerne zuhörte. Da wirft man bei der Kollekte doch gut gestimmt seinen Obolus in die hingehaltenen Orgelpfeifen, trinkt noch ein Glas Punsch oder Glühwein und kommt mit den Organisatoren und Musikern ins Gespräch.