Das Rottweiler Vocalensemble „MännerStimmen“ bezaubert noch einmal unter der Leitung von Michael Bayer in in Oberndorf mit Musik von der Renaissance bis Gegenwart.
Das Vokalensemble MännerStimmen gab mit „Vokal- und Instrumentalmusik zur Advents- und Weihnachtszeit“ in der Stadtkirche St. Michael seine Premiere in Oberndorf – und eines der letzten Konzerte unter der Leitung seines Gründungsdirigenten Michael Bayer. Julia Helena Bernhart (Mezzosopran) und Sarah Hahn (Violoncello) waren die Solistinnen neben den 13 Männerstimmen.
Giuseppe Scherer, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, begrüßte die Zuhörer und hieß sie zu dieser vorweihnachtlichen Stunde der Musik willkommen.
Instrumentale Ouvertüre
Festlich, mit dem Adagio der Sonata BWV 1027 für Cello und Klavier von Johann Sebastian Bach eröffneten Sarah Hahn und Michael Bayer den Abend. Verhaltene Pracht und filigrane Melodie, kennzeichneten das Werk, das sehr homogen vorgetragen, einen gute „Ouvertüre“ abgab.
Mit „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt durften sich endlich die „MännerStimmen“ vorstellen. Dass Atemtechnik, Textverständlichkeit und Stimmführung für sie eine Selbstverständlichkeit sind, ist schon daraus abzuleiten, dass alle einmal Münster-Sängerknaben waren, deren profunde Ausbildung noch immer hörbar ist.
In „Míssus est Gabriel“ von Cristobal de Morales ließ sich ein später Nachhall der Gregorianik erahnen. „Ante luciferum“ von Jacob Handl (Jacobus Gallus) bot Musik der späten Renaissance, in der jede Stimme auch einzeln sehr gut besetzt war.
In Rezitativ und Arie aus dem Bachs „Öffne dich, mein ganzes Herz“ stellten sich erstmals Mezzosopran, Cello und Klavier gemeinsam vor. Für Julia Helena Bernharts geschulte, ausdrucksstarke Stimme waren die Höhen kein Problem; die bei Bach oft bei langen Notenwerten geforderten Tremoli wurden äußerst präzise formuliert.
„Natus est nobis“ von Jacobus Gallus, einem komplizierten Satz barocker Musik, wurde der Teil „alte Musik“ klangvoll beendet. Sehr verhalten begann das „Lux aurumque“ von Eric Whitacre aus dem Jahr 2000, in dem, über langen Orgelpunkten, dreimal „Lux“ herausgehoben wird. Im traditionellen „Gaudete“, wieder mit Mezzosopran, war die Freude der Melodie zu entnehmen.
Tenöre meistern Herausforderung
Das „O Magnum Mysterium“, ein sehr harmonischer Satz von Morten Lauridsen stellte den Bezug zu allen Geschöpfen her. Die schön fließende Melodie des „Ave Regina coelorum“ war an manchen Stellen eine Herausforderung für die Tenöre, die aber prächtig gelöst wurde. Ein Text, welcher der Mystik entnommen sein könnte, ist Grundlage des „Ave dulcissima Maria“, wieder von Morten Lauridsen. Ein Paradebeispiel für vielstimmigen A-cappella-Gesang.
Unterschiedliche Bilder von Weihnachten
Wieder zurück zur Alten Musik: Die solistisch gesetzten Eingangsverse des Wallfahrerlieds „Maria durch ein Dornwald ging“ gestaltete Julia Helena Bernhart ergreifend: Aus dieser herben Melodie konnten Einsamkeit und Kälte fast körperlich erfahren werden.
Die „Weihnacht“ von Erhard Mauersberger klang feierlich, sehr getragen. „Away in a Manger“, wieder mit Mezzosopran, strahlte einfach Fröhlichkeit aus. Könnten sich hier ganz entfernte Reminiszenzen an „Es wird scho glei dumpa“ eingeschlichen haben?
Noch einmal „Alte Musik“ – ein Weihnachtslied ganz besonderer Art: „Ninna, nanna al bambino Gesù“ von Orazio Michi „dell’ Arpa“: Mezzosopran, Violoncello, Klavier und Chor brachten dieses Stück. Nichts Süßliches oder Fröhliches geht davon aus. Dem göttlichen Kind wird schon in der Wiege die Zeit des Leids vorausgesagt. Und dennoch ist dieses Werk voll Zärtlichkeit.
Als Gegenstück setzte Johannes Michael Bayer „Lieb’ Nachtigall, wach auf“, einen fröhlichen Gesang, mit viel Schwung, absolut exakt dargeboten, gesetzt von Bernd Engelbrecht. Das „Abendlied“ von Josef Gabriel Rheinberger war ein spätromantischer, polyphoner Satz.
Wahrhaft vielstimmiger Gesang wurde auch im „Angelus Domini“ von Franz Biebl gebracht. Drei Solisten aus dem Chor hatten tragende Rollen. Es war das wohl komplizierteste Stück des Abends, das nochmals die Stimm- und Klangqualität der „MännerStimmen“ zeigte.
Scherer dankte den Solistinnen, den Sängern und dem Dirigenten für dieses in die Jahreszeit so passende Konzert. Als Zugabe war nochmals Barockmusik reinsten Wassers geboten, in der Julia Helena Bernhart, Sarah Hahn, Johannes Michael Bayer und die „MännerStimmen“ ihre Können zeigen konnten: „Music for a While“ von Henry Purcell.