Die Fangemeinde des ausverkauften Konzerts in der Klosterkirche Oberndorf war begeistert, stand von den Stühlen auf und klatschte rhythmischen Beifall.
Ausverkauft war das Konzert am Freitag mit Ray Wilson und seiner Band. Der Ex-Genesis-Sänger hat viele Fans in Oberndorf und Umgebung. Seit 2006 tritt er alle zwei Jahre in der Klosterkirche auf.
Gut 500 Besucher waren diesmal gekommen – da reichten die Sitzplätze nicht aus. Einige mussten sich auf den Boden setzen. Aber warum nicht: „Das mussten wir früher auch“, meinte Heidi Kuhring vom städtischen Kulturamt, das das Konzert veranstaltet hat.
Geige, Gesang und E-Gitarre
Die Fans waren restlos begeistert, nach jedem Stück gab es lautstarken Beifall. Es ging auch gleich los mit den bekannteren Songs „No son of Mine“ und „Land of Confusion“.
Von Anfang an kamen die Zuhörer bei den rockig-softigen, mit Geigenspiel und Synthesizer sphärisch gemischten Klängen in Stimmung. Die Band begleitete professionell den Gesang des schottischen Barden, der cool am Mikro stand und mal auf der akustischen, mal auf der E-Gitarre spielte.
Andächtige Balladen
„Wie geht`s“, fragte er ins Publikum, und schob gleich ein Kompliment auf Englisch nach: „You are looking good“ – „ihr schaut gut aus“. Er wusste, was er seiner langjährigen Fangemeinde in Oberndorf schuldig war.
Passt eine Rockband überhaupt in eine ehemalige Klosterkirche? Ray Wilson auf jeden Fall, so manche Ballade wie „Take it Slow“ oder „Symptomatic“ ließ den Zuhörer fast andächtig in sich hinein versenken.
Klavier, Bass und Saxofon
Mitreißend blies Marcin Kajper das Saxofon-Solo bei „That’s All“. Bei „Carpet Crawlers“ bewies Ray Wilson, wie wandlungsfähig seine Stimme ist. Mit dem Drums-betonten „Congo“ ging es dann in die Pause, und gut drauf kamen der Sänger und seine Bandmitglieder bald wieder auf die Bühne zurück.
„Makes Me Think of Home“ war ein nachdenklich stimmender Song, der nach anfänglichem Klavierspiel gewaltig Fahrt aufnahm, besonders als Marcin Kajper wieder seinen Bass auf die Seite und das Saxofon in die Hand nahm. Seine Soloeinlagen mit diesem Blasinstrument waren einfach klasse.
Das große Finale
„Another Day in the Paradise“ war wieder eines der bekanntesten Genesis-Stücke, das im Programm daher nicht fehlen durfte. Wunderschön das mit zwei Akustik-Gitarren gespielte „Follow you Follow me“: Man merkte, es gehörte zu Ray Wilsons Lieblingssongs.
Mit „Solsbury Hills“ leitete er auf der Akustik-Gitarre das Finale ein. Das durfte natürlich noch nicht der Schluss sein, denn das Publikum stand von den Stühlen auf und klatschte rhythmischen Beifall.
„So voll war es noch nie“
Ray Wilson machte nochmals mächtig Stimmung mit kultigen Ohrwürmern der Rockgeschichte wie „Crazy Little Thing Called Love“, „Blowing in the Wind“ oder „Knocking on Heavens Door“, bei dem die Band auch nochmals mit fetzigen Gitarren- und Saxofon-Solos aufdrehte.
„So voll war es noch nie“, freute sich Heidi Kuhring, Sachgebietsleiterin für Kultur bei der Stadt Oberndorf, am Ende. Es sei inzwischen das dritte ausverkaufte Konzert in diesem Jahr. Das Interesse an kulturellen Veranstaltungen habe zugenommen, stellte sie fest.