Mit einem Mix aus neuen Songs und ihren alten Klassikern wie „Bello e impossibile“ und „Latin Lover“ bringt die italienische Rock-Ikone die ausverkaufte MHP-Arena in Ludwigsburg zum Tanzen und Singen.
Um Punkt 20 Uhr springt sie im Biker-Outfit wendig auf die Bühne und schreit parallel zum musikalischen Intro in den Saal „Ciao tutti!“. Und startet dann direkt durch mit ihrer punkigen Rocknummer „1983“ von ihrem neuen Album „Sei nel l’anima“.
In diesem Jahr ist die italienische Rockikone, die aus einer bekannten Konditoren-Familie in Siena stammt, 70 Jahre alt geworden. Das merkt man ihr auf der Bühne kaum an, sie ist sofort voller Energie, hüpft und tanzt über die Bühne, animiert das Publikum zum Aufstehen und Mitsingen. Und natürlich ist fast jeder in der ausverkauften MHP-Arena in Ludwigsburg nahezu textsicher.
Ihr Alter spielt für sie keine Rolle
Aber was ist schon Alter? Das dies für sie nur eine Zahl ist, das will sie auch mit dem Song „1983“ ausdrücken. „Der Tod kommt ganz sicher, aber das Alter ist nicht festgelegt“, singt sie. Aber das Jahr 1983 hat für sie auch eine besondere Bedeutung. Damals überwand die laut dem Netflix-Film „Die schöne Rebellin“ eine schwere Lebenskrise. Das Jahr war für sie ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben – weshalb sie es als ihr eigentliches Geburtsjahr bezeichnet. Eigentlich ist sie quasi erst 41.
Und so wirkt sie auch auf der Bühne. Profi durch und durch ist sie sowieso. Als bei dem Song „Silenzio“ ihr Mikrofon ausfällt, lässt sie ihr Publikum weitersingen, wirft das Mikro weg. Kurz darauf taucht sie mit einem neuen aus der Dunkelheit wieder auf und ruft „Ecco mi! Ecco mi!“ („Hier bin ich! Hier bin ich!“). Und schon stimmt sie mit ihrer außergewöhnlichen rauchigen Stimme ihren Song „Scandalo“ an. Ihre Reibeisenstimme, sie war und ist ihr größtes Markenzeichen.
Gepaart mit einer farblich-dynamischen Lichtshow und emotionalen Einblicken aus ihrem Leben auf der großen Leinwand, liefert sie un grande spettacolo ab. Und als sie im zweiten Teil der Show ihre alten Hits wie „Ragazzo dell’europa“, „Fenomenale“ und „Profumo“ rausholt, bleibt auch kaum jemand im Saal mehr auf seinem Stuhl sitzen. Bei den Refrains grölt das Publikum inbrünstig mit.
„Sei nel l’anima“ rührt manchen zu Tränen
Spätestens bei „Sei nel l’anima“ („Du bist in der Seele“) bleibt auch das ein oder andere Auge nicht mehr trocken. Eine Mutter wiegt ihre Tochter den ganzen Song über in den Armen. Ein älterer italienischer Herr daneben schreit inbrünstig immer wieder „Gianna! Gianna!“.
Bevor sie ins Grande Finale übergeht, ehrt Gianna Nannini mit „Io e Bobby McGee“ ihr Idol Janis. Für den Schluss hat sie sich ihre Mitsing-Klassiker „Bello e impossibile“ und „Latin Lover“ aufgehoben.
Den Abend beendet sie jedoch mit ihrer provokativen und rebellischen Hymne „America“ – einer Ode an die Freiheit, das Überbordwerfen von Konventionen, Selbstbefriedigung und sexueller Selbstbestimmung. Die Rebellin, sie ist sie noch immer. Auch mit 70.