Michael Wendeberg stellte sein Können unter Beweis beim Konzert in Lautlingen. Foto: Zimmermann

Wohl jeder weiß, wie ein Klavier moderner Bauart klingt – aber wie hört sich eines seiner technischen Vorgänger an? Im Lautlinger Schloss war Gelegenheit, dem virtuosen Spiel auf einem historischen Hammerklavier aus der Musikhistorischen Sammlung Jehle zu lauschen. Die Zuhörer gerieten dabei ins Schwärmen.

Mit wie viel Ausdruck ein Instrument des 18. Jahrhunderts für Hörer des 21. Jahrhunderts zu spielen möglich ist, stellte der Dirigent und Pianist Michael Wendeberg unter Beweis. Der gebürtige Ebinger hat eine Leidenschaft für historische Instrumente und will dem authentischen Klang der Kompositionen nachspüren. Das ist eine Herausforderung an die pianistische Leistung, bei Werken von Ludwig van Beethoven und Alexander Nikolajewitsch Skrjabin an diesem Abend.

 

Zu hören waren Ludwig van Beethovens „6 Bagatellen op. 126“ und die „24 Préludes op. 11“ des russischen Pianisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. Mit großer Feinheit artikuliert Michael Wendeberg diese kleinen musikalischen Juwelen von Beethoven, nimmt jeden Takt ernst und lässt das Hammerklavier seine eigene Sprache sprechen.

In puncto Lautstärke ist das Hammerklavier dem modernen stahlgerahmten Flügel unterlegen – im knapp hundert Plätze fassenden Stauffenberg-Saal, der ausverkauft war, ist es dagegen genau richtig aufgehoben. Mit Virtuosität unterstreicht der Künstler die einzelnen Passagen, bringt zarte, verträumte lyrische Linien zum Vorschein und lässt sein Publikum an der reizvollen Reise durch die unterschiedlichen Stimmungen teilhaben – mal verspielt, perlend wie ein tropfender Wasserhahn, dann wieder voller Energie und mit lebhaften Kontrasten.

Wechsel zwischen den Instrumenten

Dann wechselt Michael Wendeberg zum modernen Flügel und zu den 24 Préludes op. 11 von Skrjabin. Jedes Präludium ist ein kompaktes Musikwerk mit einer Länge von weniger als einer Minute bis zu einigen Minuten im Wechsel zwischen Dur und Moll. Trotz ihrer Kürze bieten sie ein abwechslungsreiches und emotionsgeladenes Musikerlebnis.

Michael Wendeberg versinkt förmlich mit der Musik, er braucht keine Noten, die Umgebung wird komplett ausgeblendet.

Während Ludwig van Beethovens die „6 Bagatellen op. 126“ 1824 in der Spätphase seiner Karriere komponierte, sind die 24 Préludes op. 11 das erste große Werk von Skrjabin. Indem er neue harmonische und rhythmische Möglichkeiten auslotet, geht er an die Grenzen dessen, was ein Klavier ausdrücken kann und stößt dabei die Tür zur klassischen Moderne auf. Lebhafte Kontraste stoßen auf tiefe Melancholie bis hin zu überschwänglichen und explosiven Energieausbrüchen.

Beethoven und Skrjabin im Duett

Auch der zweite Teil des Konzerts gliedert sich in zwei Parts: Beethovens Sonate Nr., 31 As-Dur Op. 110 und die Sonate Nr. 5 Op. 53 von Skrjabin. Die elegisch-schwärmerische Stimmung kommt in Beethovens Sonate besonders schön auf dem Hammerklavier zum Tragen. Doch auch in diesem Stück gibt es bedrohliche Übergänge. Jähe Gegensätze und abrupte Wendungen tun sich im Scherzo Allegro molto auf, das mit Vehemenz den gesamten Tonraum des Instrumentes durchmisst, um letztlich mit Temposteigerung in einem befreienden Finale zu enden.

Traumwandlerische Sicherheit

Dann wieder ein Wechsel der Klaviere. Spielerisch leicht scheint dem Künstler der Übergang zu gelingen. Die einsätzige Sonate Nr. 5 op. 53 von Skrjabin gilt als eines der schwierigsten Stücke der Klavierliteratur. Der Komponist hielt es selbst sogar für das beste seiner Klavierwerke. Der emotionale Wirbelsturm und die stimmige Anschlagtechnik bis hin zum effektvollen Umgang mit Lautstärke und Tempi führen zu einer eindrucksvollen Spannungssteigerung. Mit traumwandlerischer Sicherheit und packender Ausstrahlungskraft meistert Michael Wendeberg punktgenau die Übergänge.