Das Berlin Piano Trio gastierte im Lautlinger Schloss. Foto: Zimmermann

Das Berlin Piano Trio gastierte zum zweiten Mal im Schloss Lautlingen auf Einladung der Stadt.

Der Stauffenberg-Saal war ausverkauft. Kein Wunder. Es war auch diesmal ein musikalisches Erlebnis der Extraklasse für alle Kammermusikliebhaber.

 

Das faszinierend frische Frühwerk „Trio Élégiaque Nr. 1 in g-Moll“ von Sergei Rachmaninow eignete sich mit seinem einzigen großformatigen Sonatenhauptsatz und kurzer Spieldauer perfekt als Einstieg in das Trio-Konzertprogramm.

Im Februar 1892, als Rachmaninoff das Trio Élégiaque Nr. 1 zusammen mit dem Geiger Davin Kreyn und dem Cellisten Anatoly Brandukov in Moskau aufführte, war er 18 Jahre alt und stand am Ende seines Studiums am Moskauer Konservatorium. Doch schon da zeigte sich der leidenschaftliche Musiker voller Melancholie, mit vollgriffigen Akkorden und virtuosen Sprüngen im Klavierpart.

Musikalische Raffinesse und Virtuosität

Im zweiten Stück lebten Krzysztof Polonek an der Violine, Erster Violinist bei den Berliner Philharmonikern, seine Frau Katarzyna Polonek am Violoncello, promovierte und habilitierte Cellistin an der Musikhochschule Poznań, und Nikolaus Resa am Klavier, Korrepetitor an der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker und Lehrbeauftragter an der Universität der Künste Berlin, bei dem selten gespielten Klaviertrio Nr. 2 op 67 in e-Moll von Dimitri Schostakowitsch ihre musikalische Raffinesse und Virtuosität aus.

Mit Musik lasse sich ausdrücken, wozu die Worte fehlten und worüber Schweigen unmöglich sei, stellte Victor Hugo einmal fest. Dmitrij Schostakowitschs zweites Klaviertrio, das er im August 1944 vollendete, ist eine wortlose Klage. Das Cello beginnt mit fahlen Flageoletttönen und kanonartig antwortet die Violine. Aber das anfangs Helle in diesem dunklen Werk entpuppt sich als trügerisch im energiegeladenen und bedrohlich wirkenden Scherzo. Im Largo hebt Schostakowitsch eine Totenklage an. Im vierten Satz sind erstmals jüdische Themen vorhanden. Sehr an Klezmer erinnernd, mit großer farblicher Bandbreite wird gespielt. Das Allegretto wird dadurch zu einem makaberen Totentanz. Am Schluss des vierten Satzes klingt kein Ton mehr heil, schwere Klavierakkorde schlagen alles kaputt. Die Welt liegt in Trümmern.

Äußerst fein nuanciertes Spiel

Mit einem äußerst fein nuancierten Spiel, höchster Präzision und absolut stimmiger Harmonie brachte das Trio nach der Pause Franz Schuberts „Klaviertrio Nr. 1 op. 99 in B-Dur“ zu Gehör. Das eher heitere B-Dur Trio wurde nur einmal, am 28.Januar 1828, in privatem Kreis gespielt und danach „ad acta“ gelegt. Erst 1836 wurde es veröffentlicht. Es pendelt zwischen Kraft und Energie gleich zu Beginn und melodischer Lyrik im Andante, zwischen lockerer Heiterkeit im Scherzo und wienerischem Charme beim Finale hin und her.

Nach dieser lebendigen und aufmunternden Darbietung verwöhnte das Berlin Piano Trio als Zugabe sein begeistertes Publikum noch mit einer Tangovariante des ukrainischen Musikwissenschaftlers Boris Bechtein.