Zu Meinrad Löffler (links) und Rudi Schäfer zieht auch das Blechbläser-Quintett der Stadtmusik für einige Stücke hinauf auf die Empore. Foto: Fritsche

Beim Benefiz-Konzert der Stadtmusik haben sich großes musikalisches Können und Solidarität mit der Ukraine verbunden.

Schramberg - Mit einem herzlichem Willkommensgruß auf Ukrainisch eröffnete Pfarrer Rüdiger Kocholl das "Benefiz-Kirchenkonzert zugunsten geflüchteter ukrainischer Kinder in Schramberg". Er richtete sich damit besonders an die anwesenden ukrainischen Kinder und ihre ehrenamtliche Betreuerin. "Wir nehmen alle Anteil am Schicksal der Geflüchteten und dem Los derer, die in der Ukraine ausharren", versicherte Kocholl, um dann fortzufahren: "Musikdirektor Meinrad Löffler und Kirchenmusikdirektor Rudi Schäfer haben zusammen mit den Musikern der Stadtmusik ein kongeniales Programm erarbeitet, das wir uns jetzt endlich nach der harten Corona-Zeit zusammen anhören dürfen."

Furioser Start

Mit der Ouvertüre zur Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel begann das Konzert. In seiner Erstfassung war das Werk ein reines Bläserstück mit Pauken – wie gemacht für die Stadtmusiker. Die spielten es mit hohem Tempo und gewaltigem Klang in der speziellen Akustik des Kirchenschiffs. Ein furioser Start, der vom Publikum mit heftigem Applaus bedacht wurde.

Es folgte mit der "Canzona Septimi Toni a 8" von Giovanni Gabrieli die Leichtigkeit filigranerer Tonfolgen. Dafür zog das Blechbläser-Quintett der Stadtmusik auf die Empore um. Zusammen mit der von Rudi Schäfer gespielten Orgel wurde so der für Gabrieli typische mehrchörige Klangeffekt erreicht.

Das nächste Stück "Passacaglia über das österliche Halleluja Opus 153 für Orgel" von Jean-Marie Plum hatte Meinrad Löffler für die Orgel ausgewählt. Für die vielschichtige, filigrane bis wuchtige Komposition brachte Schäfer die ganze klangliche Bandbreite der Walcker-Orgel zur Geltung.

Programmmusik

Es folgte "Crith Mhonadh" von Alfred Bösendorfer. Die Komposition führte in sechs musikalischen Bildern in das Dorf Crimond in Schottland: Klanglich gewaltiger Anfang im klassischen Stil, gefolgt von solistischen und tänzerischen, dann wieder voluminösen Passagen, bei denen der Raum zu vibrieren schien.

Die folgende Suite "Fanfare, Carillon, Consollation, Sunday" stammt von Rudi Schäfer. Für "Fanfare" und "Sunday" zog das Blechbläser-Ensemble wieder auf die Empore um. "Carillon" spielte das Saxofon-Ensemble, "Consollation" das Holzbläser-Ensemble, beide vom Altarraum aus. Drei bekannte Kirchenlieder hatte Schäfer darin anklingen lassen. Das Besondere jeder Instrumentenart kam zur Geltung. "Festliche Bläserklänge verbreiten frohe Sonntagsstimmung", formulierte das Programmheft dazu. So war es auch.

Schramberg-Symphonie

Das letzte Stück auf dem Programm "Impressionen einer Stadt" war etwas ganz Besonderes: Zum 190-Jahres-Jubiläum der Stadtmusik Schramberg im Jahr 2020 war der Komponist Patrick Egge beauftragt worden, ein Werk mit für Schramberg typischen Merkmalen zu erstellen. In Abstimmung mit Meinrad Löffler verarbeitete er folgende Themen: In Satz I Impressionen des Schwarzwalds und Schramberg als Wirtschaftsstandort, in Satz II die Schramberger Weihnacht mit Anklängen an "Die Kinderlein kommet" und in Satz III die Schramberger Fasnet mit Fragmenten des Narrenmarschs. Anhand einer Einführung in den Aufbau und die musikalischen Themenfolgen brachte Meinrad Löffler das Werk dem Publikum nahe. Seine Musiker spielte es am Sonntagabend das erste Mal vor dem Schramberger Publikum und machten es unter seiner Leitung zum Höhepunkt und offiziellen Schluss des Konzerts. Gerne würde man es bald wieder hören, zum Beispiel im Bärensaal, waren sich bald einige Zuhörer einig – denn: Das Publikum dankte mit langem Beifall.

Statt der geforderten Zugabe erklommen Mirjam Hettich, Stefanie Flaig, Peter Flaig und Dominik Dieterle die Empore und sangen a cappella auf ukrainisch das vierstimmige "Gebet für die Ukraine" von Mykola Lysenko. Nach der letzten Strophe übernahm das Orchester und wiederholte die traurigen und ergreifenden Weisen zum Abschluss des Konzerts.

So ist das möglich

Schramberg ist also nicht nur eine Stadt der Industrie, der Uhren, des Tourismus und der Fasnet, sondern auch der Musik. Nicht viele Städte dieser Größe in Deutschland dürften ein solch spieltechnisch professionelles und klanglich sensibel interpretierendes Stadtmusikorchester verfügen, das auch ohne Streicher symphonische Musik erklingen lässt. Tanja Witkowski spielte im Orchester Euphonium und vertrat gleichzeitig als Stadträtin Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr. Gefragt am Ende, wie solche Leistung zustande komme, antwortete sie: "Ein tolles Musikerteam, ein toller Dirigent und eine gute Vorstandschaft". "Ein absolut tolles Konzert", sagten auch Herbert O. Zinell, "Schirmherr der Stadtmusik" und seine Frau Ruth beim Hinausgehen auf den Kirchplatz, auf dem sich die Konzertbesucher noch lange in Gesprächen austauschten.