Die Kirchengemeinde Heilig Kreuz feierte das zehnjährige Jubiläum der Orgel in der Stiftskirche mit einem Konzert.
Genau auf den Tag am 28. Februar 2016 wurde nach langer Planung und fast dreijähriger Arbeit der Orgelbauer um Tilman Trefz die technisch und klanglich neu konzipierte Orgel in der Stiftskirche Horb in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht und in einem festlichen Konzert der Öffentlichkeit vorgestellt.
Und zehn Jahre später traf man sich wieder. Wie schnell doch die Zeit verfliegt, mag sich so mancher der Besucher gedacht haben, denn es schien, als hätte man die Trefz-Orgel erst vor kurzem eingeweiht.
Es mögen so um die 50 Menschen gewesen sein, die sich dieses Jubiläumskonzert anhörten, darunter auch Musikliebhaber, die eine längere Anreise auf sich genommen hatten, um sich beim Hören der meisterhaft gespielten Stücke eine Stunde Auszeit vom Alltag zu gönnen.
„Jugendliches Alter“
„Zehn Jahre sind für eine Orgel ein geradezu jugendliches Alter, und doch war es damals ein Aufbruch in ein neues Zeitalter, und sie hat uns nun zehn Jahre bei Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern begleitet“, stellte Pastoralreferentin Susanne Tepel fest, die dieses Konzert mit ihren bemerkenswerten geistlichen Impulsen bereicherte.
Der Freudenstädter Kirchenmusikdirektor Karl Echle hatte die Idee zu diesem Jubiläumskonzert gehabt. Als Organist ließ er den tonalen Umfang der Königin der Instrumente gleich zu Beginn in fünf Miniaturen des französischen Komponisten Nicolas Clérambault aus der „Suite du deuxième ton“, was ins Deutsche übersetzt in etwa „Fortsetzung des zweiten Tons“ bedeutet, ertönen. Besonders beeindruckend war hier die chromatische Bass-Interpretation von „Basse de Cromorne“ und das entzückende „Récit de Nazard“, bei dem Echle die Pfeifen der Orgel geradezu tanzen ließ. Eine Melodie, die leicht und verspielt die Geschichte von Nazan erzählte und durch die sehr gute Akustik der Kirche bis in den hintersten Winkel getragen wurde.
Musik als Trost
„Was für ein Klang, welche Gravität – fest wie ein gebauter Glaube“, freute sich Susanne Tepel nach diesem ersten musikalischen Erlebnis. „Doch um uns herrscht überall Krieg, Unruhen – nichts ist sicher. Und genau das lehrt uns auch die Musik. Sie baut sich auf, zerfällt, rührt uns, gibt uns Sicherheit und Trost, und der Glaube ist wie eine Toccata, die von Spannungen im Aufbau, von Dissonanzen und Improvisation lebt.“ In seiner „Toccata“ hat der italienische Missionar Domenico Zipoli eben diese Gefühle in Töne gekleidet, die Karl Echle erklingen ließ.
Klänge wie in Venedig
Die ganze Kraft der Töne hörten die Besucher wenig später beim „Adagio g-Moll“, das auf eine Komposition von Tomaso Albinoni zurückgreift, und bei den „Drei Sonaten“ von Domenico Cimarosa. Cimarosa war einer der wichtigsten Komponisten der Opera Buffa, der komischen Oper, die im 18. Jahrhundert in Venedig in Mode war und deren Klangfärbungen bei allen drei Werken durchschimmerte. Wer genau hinhörte, fand sich auf dem Markusplatz in Venedig bei einer dieser Vorführungen wieder.
Mit der Sonate Nr. 8 e-Moll op. 132 von Josef Rheinberger schloss Karl Echle dieses Jubiläumskonzert ab.
Das allerletzte Stück war eine Passacaglia, bei der die Melodie auf einem ständig wiederholten Bassmotiv aufgebaut ist.
„Ein starkes Bild. Ein Basston als starker Grund, auf dem alles aufbaut, ein tragender Grund, den man hören kann“, hob die Pastoralreferentin die Bedeutung dieser Art von Komposition hervor und verglich es mit dem Glauben, der ebenfalls als starker Grund einer Weggemeinschaft dient.
Mit den letzten vier Kompositionen, in denen eben diese Passacaglia den Schlusssatz bildet, ließ Kirchenmusikdirektor Echle nochmals die gesamte tonale Breite der Stiftskirchen-Orgel erklingen, und der begeisterte, minutenlange Beifall der Zuhörer dankte ihm für dieses Geschenk.