Das Akkordeonorchester bescherte den Zuhörern beim Jahreskonzert ein abwechslungsreiches Programm, das aus bekannten Melodien der Musik-und Filmgeschichte bestand. Foto: Dorn

Das Gutacher Akkordeonorchester hielt in der Festhalle sein Jahreskonzert ab. Die neu gegründete Kinderabteilung durfte beim Programm mitwirken.

Mit dem Schwung des neu gegründeten Kinderorchesters „da capo“, bestehend aus sieben Kindern und sieben erfahrenen „Mentoren“, eröffnete das Gutacher Akkordeonorchester am Samstagabend sein Jahreskonzert in der Gutacher Festhalle. Moderatorin Carmen Bächle hatte sich für ihre Moderation zahlreiche „Fun-Facts“ zum Akkordeon als „Instrument des Jahres 2026“ angeeignet und gab diese in charmanter Art und Weise häppchenweise zum Besten.

 

Dirigent Vladimir Konrat hatte mit dem Kinderorchester zwei Kompositionen des leider viel zu jung verstorbenen Akkordeonspielers und Arrangeurs Jürgen Schmieder einstudiert. Bächle bekannte, dass sie selbst als Fünfjährige noch das Glück gehabt hatte, bei Schmieder Instrumentalunterricht erhalten zu haben. Der verdiente Applaus für das Lied „Country Roads“ von John Denver – 2014 zur offiziellen Hymne des US-Bundesstaats West-Virginia erhoben – ermöglichte dem Kinderorchester eine wunderschöne Zugabe in Form eines Kinderlieds aus Konrats eigener Kinderzeit.

Dirigent Konrat übte mit den Kindern viele Lieder ein

Die Geschichte vom Grashüpfer und dem Frosch – beide von den musikalischen Anfängern wunderbar intoniert – ließ den Dirigenten sehr gerührt zurück.

Für die erste Hälfte des „Erwachsenenprogramms“ hatte Konrat Klassiker aus den Siebzigern von James Last und Udo Jürgens, das magische „Abracadabra“ der Steve-Miller-Band aus den 1980ern und einen Dancefloor-Kracher aus den 2010er-Jahren „Shut up and dance“ für seine Akkordeonspieler neu arrangiert. Alle vier Arrangements gelangen zu eingängigen Symbiosen der bekannten Melodien mit den besonderen Klangeigenschaften des „Musikinstruments des Jahres 2026“, wie Moderatorin Bächle nicht müde wurde zu betonen. Das Zauberhafte von „Abracadabra“ war so natürlich nur im Zusammenspiel von Atmen, Ziehen, Drücken und Lächeln möglich, Konrat hatte dazu einige schöne Nebenmelodien komponiert und diese in einen fulminanten Schlussakkord wieder zusammengeführt.

Mit der „Suite Alfred Schnittke“ gab das Orchester nach der Pause einen interessanten Einblick in das Werk eines sowjetischen Komponisten. Thema, Walzer und Epilog standen an Dramatik den modernen „westlichen“ Komponisten des 20. Jahrhunderts in nichts nach, Keyboard und Klavier paraphrasierten gemeinsam mit den verschiedenen Akkordeon-Stimmlagen die Handlung des sowjetischen Filmdramas.

Justine Heidig unterstützte mit ihrem Flötenspiel

Die dramatischen „Spitzen“ übernahm – dort, wo selbst das weite Klangspektrum des Akkordeons an seine Grenzen kam – Justine Heidig mit wunderbarem Flötenspiel. Der Kontrast vom düsteren sowjetischen Autorenfilm zum hellerleuchteten New Yorker Broadway konnte direkt im Anschluss kaum größer sein, der niederländische Komponist Kees Vlak hatte sich für seine „New York Overture“ ohne jede Scheu der Motive aus der Liga Gershwin und Bernstein bedient. Im Arrangement von Vladimir Konrat geriet die muntere Hatz durch die Straßenschluchten von Manhattan, immer nur eine Straßenecke beziehungsweise ein Fingerschnippen entfernt vom nächsten Musikstil, zum vergnüglichen Klangerlebnis.

Besondere Klangerlebnisse hielt das Gutacher Orchester auch mit den großen Filmhits aus der Feder von Klaus Doldinger parat, nach dem „Fall für Zwei“ wurde die Filmmusik zu „Das Boot“ mit ihren ikonischen Motiven meisterhaft in Szene gesetzt und auch die naturgemäß eher kurze Tatort-Titelmelodie war in der Akkordeon-Version ein echtes Hörvergnügen.

Ein Medley aus Tom Jones‘ größten Hits rundete das so unterhaltsam wie anspruchsvolle Programm des Jahreskonzerts ab, mit großem Applaus ließ das Publikum die Spieler nicht ohne eine Zugabe – einen Appetithappen aus dem neuen Konzertprogramm 2027 – von der Bühne.

Instrument des Jahres

Den Platz des Instruments des Jahres nimmt ab dem 1. Januar diesen Jahres das Akkordeon ein. Der Landesmusikrat Schleswig-Holstein kürt seit 2008 jedes Jahr ein Instrument des Jahres. Damit soll Aufmerksamkeit auf die Facetten des jeweiligen Instruments gelenkt werden. Inzwischen hat das Projekt fast alle Bundesländer erreicht. Jedes beruft eigene Schirmherren: In Baden-Württemberg ist dies der Konzertakkordeonist und Preisträger Matthias Matzke.