Die Akteure (von links): Lilly Schnidrig, Sophia Mauer, Philipp Gmelin, Jonathan Vogt, Dominika Richter, Jonathan Adam, Youliann Bourgeoise, (hintere Reihe) Lea Girrbach, Jonathan Nestler, Pablo Busch, Anne Klisch, Zoe Münsberg, Frederika Finkbeiner und Monika Finkbeiner-Wagner Foto: Schniedrig

Fünf Tage lang haben die 13 Cellisten fleißig geprobt. Das Ergebnis war ein grandioses Konzert in der Freien Waldorfschule.

Mit einem Auszug aus der Bach Motette „Jesu meine Freude“ eröffnete das zehnköpfige Celloensemble den Abend im Forum der Freien Waldorfschule Freudenstadt. Dabei wurde gleich zu Beginn deutlich, was sich durch den ganzen Abend zog: Alle Gruppen, von der Vierer- bis zur Zwölfer-Besetzung spielten ohne Dirigenten. Jonathan Nestler hatte sie in fünf Tagen auf das selbstständige Spielen bestens vorbereitet.

 

Zwei Profispielerinnen unter den 13 Cellisten

Ganz leicht war die Aufgabe wohl nicht, waren doch unter diesen 13 Cellisten nur zwei Profis: Dominika Richter, Cellolehrerin an der Musik- und Kunstschule, sowie Lilly Schnidrig, Cellostudentin in Stuttgart. Allen war die Freude am Zusammenspiel anzumerken, und so kam große Musik auf die Bühne: von Bach über Mozart bis Schostakowitsch, von Stephenson über Mascagni bis Glasunov, von Poulenc bis Gardel, dann ein Abstecher zu Hans Zimmer, mit „Fuga i misterio“ von Astor Piazzolla als Abschluss. Eine energiegeladene, ausdrucksstarke, rhythmische und auch schmelzende, nicht einfach zu spielende Musik. Bereits nach der ersten Probe war für Jonathan Nestler klar, dass sie es schaffen würden, und das haben sie dann auch auf hervorragende Weise.

Fünf Tage lang haben sich die Cellisten intensiv vorbereitet. Foto: Schniedrig

Zwischen den einzelnen Stücken gab Jonathan Nestler Einblicke in die vergangene Probenzeit, in das kommende Musikstück und auch in seine Arbeit als Arrangeur. Drei der elf Stücke hatten bestehende Cellosätze, die anderen mussten dafür umgeschrieben werden. Das sei beim vierstimmigen Chorsatz von Poulenc’s „O magnum mysterium“ relativ schnell gegangen, bei der „Soundtrack Suite“ mit Melodien von Hans Zimmer seien jedoch viele Stunden zusammen gekommen, machte er deutlich.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Es erklang eine sehr facettenreiche Fassung für acht Celli, und Johnny Depp streckte kurz seinen Piratenkopf in den Raum und dachte wohl: „Was für tolle Musik.“

Tonumfang des Cellos umfasst ganzes Orchester

Das Cello ist ein besonderes Streichinstrument. Sein Tonumfang umfasst den eines ganzen Orchesters. Es steigt in die Höhe wie eine Geige, hinab in die Tiefe, fast wie ein Kontrabass, und mittendrin ist alles vorhanden. Eine bezaubernde Geigenstimme war beim „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem zu hören: die Achtelseufzer, hoch in der Daumenlage, schwierig, aber wunderbar anzuhören und aufmerksam vom Orchester begleitet.

Beeindruckende Zweistimmigkeit

Auch der jüngste Teilnehmer, der zwölfjährige Youliann Bourgeoise, wurde wunderbar vom zwölfköpfigen Orchester begleitet. Er spielte mit großem Ausdruck und intensivem Klang den Solopart von Alexander Glasunovs „Chant de menestrel“. Energievoll und virtuos kam der Tango „por una cabeza“ von Carlos Gardel daher. Er setzte einen starken Kontrapunkt zum innigen und verzauberten „O magnum“ von Poulenc. Als präzise gezupfte Pizzicati an vier Celli kam die Klavierbegleitung zur zweistimmigen Melodie bei Schostakowitsch’ Prélude daher. Es war beeindruckend, wie die zwei ersten Celli diese Zweistimmigkeit intonierten.

Die „Cellowoche“ näher betrachtet

Die Cellowoche
wurde 2017 im Sulzberg Forum Alpirsbach ins Leben gerufen. Anfänglich brachten die Eltern der Kinder das Mittagessen vorbei. In den Räumen wurde geübt, geprobt, geschlafen und gegessen. Nun ist das Sulzberg Forum Alpirsbach Geschichte, die Cellowoche aber wurde weitergeführt von Jonathan Nestler, Cellolehrer an der Musik- und Kunstschule Freudenstadt.

Die Proben
In diesem Jahr trafen sich 13 Jugendliche und Erwachsene, fast alle zwischen zwölf und 25 Jahre alt, schon zum zweiten Mal in einem alten Bauernhof im Elztal. Sechs bis acht Stunden Proben war während der fünf Tage angesagt. Es entstand ein Programm mit elf Musikstücken in unterschiedlicher Besetzung. Der Veranstalter
Veranstalter ist nun die Musik- und Kunstschule Freudenstadt, Sponsor ist in diesem Jahr der Lions-Club Freudenstadt. Der Leiter
Jonathan Nestler ist seit 2017 Leiter, Organisator und Cellolehrer der „Cellowoche“. Neben dem täglichen Üben und Proben wird abends oft fleißig „Werwolf“ gespielt. Ein verbindendes Projekt mit anspruchsvoller Musik, die jedes Jahr neu mit Begeisterung aufgenommen wird.