Timo Handschuh gab ein eindrucksvolles Konzert an der Silbermann-Orgel. Foto: Schillinger-Teschner

Der Lahrer Musiker und Dirigent Timo Handschuh war in Ettenheimmünster zu Gast und zeigte sein Können an der historischen Silbermann-Orgel.

Mit einem festlichen Orgelkonzert an der Silbermann-Orgel kehrte der Frühling in die Wallfahrtskirche St. Landelin in Ettenheimmünster ein. Der gebürtige Lahrer Timo Handschuh, der seit 2023 eine Professur an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln inne hat und als Dirigent am Pult verschiedenster Orchester den Ton angibt, kehrte für dieses Konzert mit Freude zurück zu seiner ersten Profession – dem Orgelspiel.

 

Die im Jahr 1769 von Gottfried Silbermann gebaute Orgel „ist halt schon eine ältere Dame und erfordert etwas mehr Fingerspitzengefühl in der Herangehensweise, aber ich werde versuchen möglichst viel von der Komplexität zu zeigen, die eine Orgel wie diese zu bieten weiß“, so der Musiker in Vorfreude auf das Konzert, das er in der malerischen Kulisse der barocken Kirche spielen dürfe. Die Akustik, die der Klangkörper des Kirchenschiffes bot, legte Handschuh virtuos Kraft und Leichtigkeit in sein Spiel, machte die kleinsten Feinheiten der Kompositionen hör- und spürbar.

Musiker intonierte sogar zwitschernde Vögel

Die einstündige musikalische Darbietung wusste den Zuhörer in den Frühling mit all seinen wechselhaften Wetterkapriolen zu entführen. Bewusst umfasste das Programm Stücke aus nahezu allen Dur-Tonarten, drücken diese musikalisch doch Fröhlichkeit aus und werden mit positiven Dingen assoziiert. Antonio Vivaldis bekanntes Thema „der Frühling“ aus seinem Werk „Vier Jahreszeiten“ eröffnete, mit Verhallen des letzten Glockenschlages der Kirchturmuhr, beschwingt und anmutig das Konzert. Um das muntere Durcheinanderzwitschern verschiedener Vogelarten zu manifestieren, bediente sich der Organist des Flötenregisters, was das Pfeifen und Tirilieren vortrefflich intonierte. Murmelnde Quellen, sanfte Winde bis hin zum Frühlingssturm, der mit Blitz und Donner einhergeht, wurden ebenso musikalisch nachvollziehbar gemacht.

Der „Einzug der Königin von Saba“, die Sinfonia aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Solomon“, wurde 2012 zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele gespielt und diente in einem James Bond Film als musikalischer Hintergrund.

Orgelklänge machen Gefühle erlebbar

Johann Sebastian Bachs Triosonate Es-Dur, Joseph Haydns Sonate A-Dur sowie das Adagio B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart verdeutlichten die Klangvielfalt und Klarheit der Silbermann-Orgel. Das Können des Organisten, der Wechsel von kraftvollen und leisen Passagen, Takt und Tempi vortrefflich beherrschte, machte die Handschriften der Komponisten, auch ohne Anmoderation, erkennbar und die mit der Musik auszudrückenden Gefühle spürbar.

Das wohl bekannteste Beispiel für eine „Melodie“ – das „Air“ von Johann Sebastian Bach – schwebte getragen wie ein laues Lüftchen durch das Akustikgewölbe der Wallfahrtskirche und hätte einen adäquaten Schlusspunkt des Konzertes setzen können. Mit der Fanfare in D-Dur des Belgiers Jacques-Nicolas Lemmens sorgte der Organist indes für ein Finale mit „Pauken und Trompeten“.

Die gesamten Einnahmen werden gespendet

Die so erzeugte Aufmerksamkeit nutze Handschuh für eindringliche Worte: „Ich bin immer wieder überwältigt, welche Klangvielfalt ich diesem Juwel, das ich heute spielen durfte, entlocken kann. Musik ist wohltuend und wir Musiker müssen mit unseren Mitteln versuchen, dem Wahnsinn in der heutigen Zeit entgegen zu wirken.“ Um Hilfsprojekte in den vielfältigen Krisengebieten zu unterstützen, werden die Einnahmen des Konzertes an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ weitergegeben werden.

Info – Ein besonderer Gast

Jonathan, fünf Jahre, war der jüngste Konzertbesucher. Immer wieder wanderten seine staunenden Augen von der ersten Kirchenbank zur Empore und zur imposanten Orgel. Nach dem Konzert kam er mit seinem Vater die Wendeltreppe herunter, die auf die Empore führt. Er hatte der Orgel und dem Organisten Timo Handschuh einen Besuch abgestattet, um zu sagen, wie gut ihm das Konzert gefallen hatte. „Das ist genau seine Musik, auch wenn er es besser findet, wenn er die Musiker sehen kann. Darum sind wir jetzt kurz hoch“, so sein Vater. Jonathan quittierte mit einem zufriedenen Schmunzeln.