Das Neujahrskonzert in Donaueschingen war eine musikalische Reise um die Welt. Dirigent Achim Fiedler überzeugte als Unterhalter.
Es ist die erste Veranstaltung der Gesellschaft für Musikfreunde in Donaueschingen zu Beginn eines jeden Jahres: Das Neujahrskonzert im Mozartsaal der Donauhallen mit dem Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen begeisterte auch bei seiner 30. Auflage und füllte den Saal fast vollständig.
Die etwa 900 Zuhörer kamen voll auf ihre Kosten. Garant dafür war Dirigent Achim Fiedler, der in seinem siebten Jahr beim Orchester wieder ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hatte. Er übernahm auch einmal mehr die Ansagen und fungierte als Entertainer, der Anekdoten beisteuerte und auch das Publikum dirigierte.
Ernstere Töne schlug Musikfreunde-Vorsitzender Konrad Hall an. Er erinnerte an die Feuerkatastrophe von Crans-Montana in der Neujahrsnacht und daran, wie „fragil unsere gefühlte Situation von Glück, Geborgenheit, Zufriedenheit und Sicherheit sein kann“ und dass sich von einer Sekunde zur anderen alles ändern könne. Das neue Jahr habe für 40 junge Leute nach nicht einmal zwei Stunden geendet. Den Verletzten wünschte er eine schnelle und möglichst vollständige Genesung.
Bis zum letzten Moment hatte der Perfektionist Achim Fiedler am Programm gefeilt. So kam es im „verflixten siebten Jahr“ zu einigen Änderungen am bereits gedruckten Programm. Fiedler nahm es mit Humor: Die zweimal angekündigte „Bajadere“ habe heute frei. Die Komponisten blieben weitgehend die gleichen und auch das Motto „Musik aus den Metropolen“.
Die Musiker entführten die begeisterten Zuhörer nach Berlin, New York, Paris und Wien mit Musik hauptsächlich aus den 1920er-Jahren. Die Overtüre zu „Die Csardas-Fürstin“ von Emmerich Kálmán bezeichnete Fiedler als „wunderbares Stück, gefühlvoll, energiereich und mit Verstand komponiert, keine Note zu viel“. Anschließend ging es mit der „Express-Polka“ von Johann Strauss auf eine Reise mit dem Zug.
Amerikanischer Militärmarsch
Danach erklang das dreiteilige Stück „The Three Preludes“ von George Gershwin. Eigentlich hätte er den „Sousa-Marsch“ bei den vielen Programmänderungen weglassen können. Fiedler habe sich gefragt: „Ein amerikanischer Militärmarsch in der heutigen Zeit?“ Doch beim fröhlichen „El Capitan March“ könne kein Soldat geradeaus gehen und er passe eher zu der Operette, die Philip Sousa geschrieben habe. Trotzdem wurde Fiedler ernst und zitierte aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776: „Wir halten diese Wahrheiten für unmittelbar einleuchtend, dass alle Menschen gleich geschaffen sind und mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet wie Leben, Freiheit und Streben nach Glück.“ Er fügte ironisch hinzu: „Make America great again.“
Zweiter Teil startet mit Experiment
Mit einem Experiment startete der zweite Teil. Es war viel Probearbeit notwendig, um den „Bolero von Ravel so hinzubekommen“, erklärte Fiedler. Die 15-minütige Aufführung startete leise, mit dem Rhythmus, während sich die Zuhörer auf ihre Plätze begaben.
Dann marschierten die Musiker einzeln auf die Bühne und spielten immer wieder das Thema in C-Dur, sich weiter steigernd, bis das mehr als 60-köpfige Orchester auf der Bühne stand und erst kurz vor Schluss auf E-Dur wechselte. Dann kam der Dirigent auf die Bühne. „Das hatte ich einmal in Estland gesehen und wollte es unbedingt einmal ausprobieren“, sagte Fiedler.
Es folgten „La Vie Parisienne“ von Jacques Offenbach und der Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss. Bei den Zugaben „Berliner Luft“ und „Radetzkymarsch“ lief Fiedler zur Hochform auf. Er dirigierte auch das Publikum, das nun endgültig aus dem Häuschen war und begeistert mitklatschte und mitpfiff.
Das Orchester
Verein
Das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen ist ein Verein und wird von der Stadt mit einem Zuschuss gefördert. Die Hauptarbeit sind Abo-Konzerte im Franziskaner. Ferner unterstützt es Chöre der Region bei Aufführungen. Hinzu kommen Gastkonzerte. Im Herbst 2019 wurde Achim Fiedler Dirigent. Er war von 1998 bis 2012 künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucene. Seit 2012 leitet er das Dortmunder Jugendorchester.