Christopher von Deylen aka Schiller ist am Montag in der Porsche-Arena aufgetreten. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Christopher von Deylen holt für sein Elektropop-Projekt Schiller Gäste auf die Bühne und begeistert mit Klangflächen, Beats und Elektropop-Arien 3000 Fans in der Stuttgart.

Schließlich schlägt er ein neues Kapitel auf in der Dramaturgie dieses Abends. Er nennt es das Krautrockkapitel, er spricht davon, wie er selbst von der deutschen experimentellen und elektronischen Musik der 1970er Jahre beeinflusst wurde, von den eher ungewöhnlichen Strukturen und Arrangements, die sich damals die Musiker ausdachten. Christopher von Deylen weiß, dass er, Jahrgang 1970, zu spät für die unmittelbare Erfahrung dieser Musik geboren wurde, aber er weiß auch, dass er in ihrer Tradition steht.

 

Seit 28 Jahren ist von Deylen das Bandprojekt Schiller. 16 Alben hat er in dieser Zeit veröffentlicht, viele von ihnen schafften es direkt auf Platz eins der deutschen Charts. Am Montagabend spielt er in der Porsche-Arena, füllt sie mit klarem, fließendem Elektropop, mit Surround-Effekten und einer beeindruckenden Lightshow. Christopher von Deylen verwaltet, ganz im Mainstream, ein großes musikalisches Erbe: Vom Krautrock bis zur Clubmusik, von Techno bis zu Trance finden sich Spuren aller Spielarten elektronischer Popmusik in seinen Stücken. Und er hat, kooperationsfreudig seit jeher, Gäste mitgebracht nach Stuttgart.

Sarah Brightman aus Großbritannien und Julia Sanina aus der Ukraine

Ständig bei ihm auf der Bühne sind Günter Hass aus Hamburg am Bass und den Gitarren und der Schweizer Martin Fischer am Schlagzeug, elektrisch, akustisch, und dem neu entwickelten Aludu, einer metallischen Variante der afrikanischen Udu. Mit diesen Begleitern unternimmt Christopher von Deylen auch seinen Krautrock-Ausflug – Hass spielt hier bei einem Stück die Oud, andere Kompositionen erkunden den Einsatz von dissonanten elektronischen Effekten und die harten, motorischen Beats, die sich im Krautrock häufig finden.

Zuvor schon begrüßte Christopher von Deylen Karakum auf der Bühne, eine Live-Techno-Band aus Leipzig, mit E-Bass, Synthesizern, Schlagzeug, Gitarre – mit ihnen nahm er für sein aktuelles Album „Euphoria“ zwei Stücke auf, die er auf seiner Tournee spielt, mit ihnen spielt er auch das Karakum-Stück „Reflections“ – die Schillermusik nimmt hier deutlich zu an Tempo, Schärfe, visiert den Dancefloor an. Die Höhepunkte des Konzerts jedoch gehören zu einem anderen Genre: Schiller ist auf Tournee mit der britischen Sopranistin Sarah Brightman und der ukrainischen Sängerin Julia Sanina. Beide zaubern ihrem Publikum Gänsehaut von monumentalem Ausmaß.

„Let Me Love You“ liefert das emotionale Highlight des Abends

„My Silence“ heißt das Stück, das Schiller mit Julia Sanina für „Euphoria“ aufnahm. Sie erscheint im weißen Kleid auf der Bühne, singt auf Englisch und in ihrer Heimatsprache. Schillers Klangflächen und Elektrobeats umhüllen ihre Stimme diskret aber sehr effektiv, schmiegen sich an den ätherischen Gesang. Mit „Illusion“ folgt ein weiteres Stück, das Julia Sanina singt. Später dann tritt Sarah Brightman auf, mit der Schiller schon 2003 zusammenarbeitete – sie trägt Schwarz, trägt eine schimmernde Krone, singt „The Smile“, den Hit von einst, und „Ein schöner Tag“ in mehreren Sprachen. Julia Sanina kehrt zurück mit „Let Me Love You“, liefert das emotionale Highlight eines Abends, den Schiller mit seiner pulsenden Fusion aus synthetischen Klängen und Rockbandsounds, mit sphärischen Manga-Illuminationen und weit gefächerten Laserstrahlen ausklingen lässt.