„Klassik bewegt“ war unterwegs zu Kaffeehaus-Kulturen in Wien, Italien und Amerika. Das Frühlingskonzert in einem Autohaus in Binzen zog am Samstagnachmittag viel Publikum an.
So ein bisschen an diese Kaffeehaus-Szene erinnerte Klaus Koska in der Rolle als eleganter Ober, der in „Zwischengängen“ den Musikern an einem Tischchen länderspezifisch Kaffee servierte: von der Mokkatasse bis zum Kaffeebecher. Da fehlte an diesem Nachmittag im voll besetzten lichtdurchfluteten Schauraum des Autohauses „bhg“ nur noch der Duft frisch gebrühten Kaffees…
Dafür wurden die zahlreichen Zuhörer von Sekt und Zopf bei Laune gehalten. Vor allem aber sorgten natürlich die Melodien dieses aparten Frühlingskonzerts für beste Unterhaltung bei den Konzertgästen.
Mit der japanischen Cellistin Chisaki Kito, dem mexikanischen Geiger Carlos Cota López und der südkoreanischen Pianistin Deug-Yun Kim, die das Trio Ardeum bilden, trat die Kernbesetzung von „Klassik bewegt“ mit einem bunten Reigen von Klassik bis Jazz und Tango an.
Haydn-Werk mit übersprudelndem Finalsatz
Was würde besser zu einem solchen Programm passen als Joseph Haydns Trio all’ Ongarese, ein freundliches Werk mit einem ganz ausgelassenen, übersprudelnden Finalsatz in schmissiger ungarischer Rondo-Manier?
Vortrag wird feurig und mitreißend
Vielleicht war es für den Kaffeehaus-Anlass anfänglich noch eine Spur zu klassisch interpretiert, doch dann wurde es im Presto wirklich sehr temperamentvoll, feurig und mitreißend. Und es gelang Kim auch auf dem modernen Flügel, dass die Musik (die beiden anderen Instrumentalstimmen) nicht zugedeckt wurden.
Von López stammte dann das Arrangement der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“. Das Trio fühlte sich in die leichtfüßige Eleganz Rossinis mit viel Brio und einer sprühenden Italianitá ein.
Schmachtender Tango geht ins Ohr und in die Beine
Das machte schon mal Vergnügen an diesem sonnigen Nachmittag, der auch noch nach Nord- und Südamerika führte. Der schmachtende Tango „Por una Cabeza“ von Carlos Gardel, der ins Ohr und in die Beine geht, wurde mit viel Tangogefühl interpretiert, so dass die melancholische Sehnsuchtsmusik gut rüber.
Berühmte Songs aus „Porgy und Bess“
Nach der „Kaffeepause“ ohne Koffein, dafür mit Alkohol, standen mit George Gershwins drei Stücken aus der Oper „Porgy und Bess“ berühmte Songs im Raum in einer Bearbeitung für Geige und Klavier, bei der die Cellistin Chisaki Kito pausierte.
Deug-Yun Kim und Carlos Cota López gehen mit viel Gefühl und rhythmischer Einfühlung an diese Evergreens heran, arbeiten den bluesig-jazzigen Farbenreichtum sinnfällig heraus, der sich in ungewöhnlichen Rhythmen, Tempoverschiebungen und Akzentuierungen niederschlägt, und trafen den Puls dieser uramerikanischen Musik.
Im Stil von Gershwin schrieb Paul Schoenfield seine „Café Music“, ein Werk, das das Trio Ardeum schon einmal vor ein paar Jahren im selben Autohaus aufgeführt hat. Und wieder konnte diese „Dinner“-Musik gut gefallen, geschrieben als Hommage an ein Restaurant mit Hauskapelle: eine schöne „Melange“ aus wienerischem Schmäh, leichter Klassik, Gypsy Sound, Klezmer, Jazz und Broadway-Stil.
Gelungener Nachmittagmit klassischer Musik
Frühlingshaft gespielt mit viel Esprit, Rubatoseligkeit im zweiten Satz und einem Klavier, das im letzten Satz dann mit viel Synkopen die Führung übernimmt. Also ein musikalischer Nachmittag, der so munter machte wie ein Espresso.