Die acht Sänger des Calens Ensemble aus Stuttgart spielten in der Klosterkirche in Alpirsbach. Foto: Ursula Schnidrig

Eine Stunde Schönheit in Klang, Gestaltung und Auswahl der Stücke bescherten die acht Sänger des Stuttgarter Calens Ensembles bei ihrem Konzert in der Klosterkirche in Alpirsbach.

Noch kann man nicht sagen: „Wer kennt sie nicht, die acht Sänger des Calens Ensemble aus Stuttgart?“ Dafür sind die Studierenden an der Hochschule Stuttgart noch zu jung. Singen sie jedoch so weiter, werden sie sich wohl zu den international berühmten Ensembles dazugesellen. Eine Stunde Schönheit in Klang, Gestaltung und Auswahl der Stücke bescherten sie dem Publikum am Sonntagabend in der Klosterkirche Alpirsbach.

 

Der spontane Beifall nach dem ersten Programmpunkt, dem schmetternden, aber fein geschmetterten „A Choral Fanfare“ von John Rutter, konnte sich nicht durchsetzen – die Musik war einfach zu innig, als dass man nach jeder Klangperle den Raum und die Ohren mit Klatschen belästigen wollte. Die sofortige Standing Ovation am Schluss zeigte die tiefe Begeisterung des Publikums.

Preisträger des A-Cappella-Wettbewerbes 2024 in Leipzig

Das Calens Ensemble, erster Preisträger des A-Cappella-Wettbewerbes 2024 in Leipzig, brachte mit „Mein Herz wacht“ ein weihnachtliches Programm in die Kirche. Der Kern und Ursprung dieses Programmes war Mörikes Gedicht „Schlafendes Jesuskind“. Zu diesem war im Programmheft das Ölbild „Cor Meum Vigilat“ abgebildet. Von dem Gedicht berührt, gab das Ensemble dem französischen Komponisten Phillipe Mazé einen Kompositionsauftrag.

Die Gäste hörten am Sonntag die Uraufführung, die selbst wie ein Gemälde, ein Klanggemälde daherkam. Die verschiedenen Ebenen waren wunderbar hörbar, fast sichtbar, die feinen Dissonanzen durchsichtig und mit Ruhe ausgeführt. Mittelstimmen erklangen in instrumentaler Begleitform, sauberst und klangfarblich bestens aufeinander abgestimmt.

Verschiebungen von Dissonanzen zu Durklängen

Waren die ungewohnten Verschiebungen von Dissonanzen zu hellsten Durklängen und sofort wieder zur Dissonanz, um auch gleich wieder hell in klarer Harmonie aufzuleuchten, in dieser Komposition oder doch einer andern? Einmal ist keinmal, fast alles neu für die Ohren, alles berührend schön. Aber auch witzig, neckisch, lustig, wie „Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin“ von Johann Christoph Bach, einem Onkel von Johann Sebastian Bach.

Mit der immer wieder erkennbaren Melodie von „Vom Himmel hoch“ komponierte Bach über sechs Strophen die Weihnachtsgeschichte für Doppelchor. „Immer immer immer, nimmer nimmer nimmer“, der Ruf des Esels und andere effektvolle Details waren neben des wohl feinsten Pianissimos des ganzen Abends zu hören. Oft führte eine Solostimme den neuen Vers an. Jede Stimme ausgewogen schön und wieder harmonisch eingebettet in den Gesamtklang.

Zweiter Auftritt in Alpirsbach vorstellbar

Das Calens Ensemble hat mit Frederik Mattes und Florian Wolf gleich zwei Komponisten dabei, beide im Bass. Von Mattes erklang die Komposition über den lateinischen Hymnus „Ave maris stella“ sowie die Bearbeitungen über „Es kommt eine Schiff geladen“ und „Veni, veni Emmanuel“. Wolfs Bearbeitung von „In dulci jubilo“ beschloss das Programm. Der glockenhelle Sopran schwebte mit langen Tönen über dem chorischen Geschehen, höher und höher, immer klar, ohne Vibrato, strahlend, ein Genuss und auf lange Zeit in Erinnerung bleibend.

Einmal ist keinmal, ein zweites Mal könnte am Sonntag, 28. Dezember, um 12.30 im SWR2 sein, mit der Aufnahme aus der Stiftskirche Stuttgart. Ein zweites Mal live in Alpirsbach? Der persönliche Kontakt von Kantor Christian Karl zum Ensembles lässt die Hoffnung zu.