Die Musiker des Abends (von links): Uli Gutscher (Klavier), Lilly Schnidrig (Cello), Angie Agudelo (Viola), Meng Han (Violine), Carmen Jauch (Cembalo und Orgel), Birgit Rosner (Blockflöte) und Josef Wiest (Kontrabass) Fotos: Silvia Lorek Foto:  

Zu einem letzten Konzert unter ihrer Leitung hatte Carmen Jauch, Kantorin in Alpirsbach, mit einem Künstlerkollektiv eingeladen.

Zu Gehör kamen die „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach in einer neuen Interpretation. Als Duo „Idée fixe“ spielte Carmen Jauch an der Orgel und auf dem Cembalo und Birgit Rosner auf den Blockflöten. Mit von der Partie waren das „Streichtrio“: Meng Han (Violine), Angie Agudelo (Viola) und Lilly Schnidrig (Cello), sowie das „Jazz-Duo“ mit Jazzpianist Uli Gutscher (Klavier) und Josef Wiest am Kontrabass, die das Publikum am Ende des Konzerts mit stehenden Ovationen belohnte.

 

Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ begrüßte Pfarrer Christian Honold die Konzertbesucher „voller Wehmut und auch Freude“ zu diesem allerletzten Konzert mit Jauch und den Musikkünstlern am Johanniabend in der Klosterkirche. Auf dem Programm stand die berühmte Musikkomposition, die „Goldberg-Variationen“, die aus einer Aria, gefolgt von 30 Variationen und einer abschließenden Reprise der Aria besteht.

In der Klosterkirche kamen die „Goldberg-Variationen“ auf besondere Weise zu Gehör. Nicht nur in vielschichtigen Bearbeitungen, neuen Variationen und mit Jauchs eigenen Arrangements, sondern auch aus verschiedenen Richtungen im Kirchenraum. Das Duo „Idée fixe“ spielte oben von der seitlichen Empore aus, während das „Streichtrio“ in der Apsis der Klosterkirche positioniert war und das „Jazz-Duo“ vorne im Altarraum spielte. Den Konzertbesuchern bot sich dadurch ein außergewöhnliches Klangerlebnis bei der Zeitreise durch die Musik.

Obwohl das Cembalo aufgrund der hohen Luftfeuchte an diesem Sommertag in nicht ganz gewohnter Lautstärke erklingen konnte, wehten die nunmehr zarteren Klänge von der Seitenempore bei Jauchs Cembalo-Solo, der einleitenden „Aria“. Diese bildete die Basis für alle folgenden 30 Variationen.

Jazzig-flotte Variante bildet Kontrast

Bereits bei der ersten Variation glänzte das „Streichtrio“ und setzte sie virtuos mit wunderbaren Betonungen um, gefolgt von einer jazzig-flotten Variante durch das „Jazz-Duo“, das dazu einen Kontrast bildete. Immer im Wechsel waren neue Varianten von „Idée fixe“, dem „Streichtrio“ und dem „Jazz-Duo“ zu hören.

Fantastische Musik, die mal hier mal dort erklang, kennzeichneten das Konzert und sorgten für besonderen Hörgenuss, bei dem die Zuhörer auf eine Zeitreise durch die Variationskunst und die hohe Virtuosität jedes einzelnen Musikers mitgenommen wurden.

Carmen Jauch Foto: Silvia Lorek

Versetzten Cembalo und die helle Flöte eindrucksvoll durch ihr Spiel und auch mal durch gegenläufige Parts mit ihrer Interpretation in die typische Barockzeitmusik, entführten die Streicher filigran, fein aufeinander abgestimmt und innig gespielt ins Reich der Klassik, bevor das „Jazz-Duo“ in feinster Jazzmanier auch mit Improvisationen immer wieder abwechselnd in die Moderne versetzte. Mal am Kontrabass durch Wiest gezupft oder geschmeidig gespielt – in genialer Kombination mit dem Jazzpianisten Gutscher, erklangen die Variationen von Goldberg mal als Ballade, Gospel oder auch als freudig-leichte Variante mit perlenden Klavierklängen, die die Konzertbesucher auch einmal zum Schmunzeln animierten.

Mit der gefühlvoll gespielten „Aria“ an der großen Orgel beendete Jauch das Konzert und nahm gleichzeitig nicht nur Abschied von der „Königin der Instrumente“. Die Musikkünstler boten ein variantenreiches Konzert, das bei den Zuhörern sehr gut ankam und mit einem kleinen Johannifeuer und Bewirtung vor der Kirche endete.