Das Sinfonieorchester Trossingen und Klarinettistin Shen-Chieh Liu begeisterten in der Alpirsbacher Klosterkirche die Zuhörer.
Am Freitag wurde der Kirchenraum der Klosterkirche Alpirsbach erneut bis in seine allerletzten Winkel mit großem Klang und differnziertesten Klangfarben ausgefüllt. Und dies schon kurz nach dem Mendelssohn-Konzert mit den Chören aus Alpirsbach und Neuenbürg. Auch für das Programm des Sinfonieorchesters Trossingen war die Kirche wie gemacht beziehungsweise die Musik wie für diese Kirche geschrieben.
„À la française“ brachte ausschließlich französische Komponisten zu Gehör, mit einem kleinen Augenzwinkern zu Beginn mit Emmanuel Chabriers Rapsodie España. Was der Dirigent Sebastian Tewinkel, seit 2011 Professor für Orchesterleitung an der Hochschule in Trossingen, mit diesem Orchester, das sich jedes Semester neu zusammensetzt aus Studenten des ersten Bachelorsemesters bis zum obersten Konzertexamen, zustande bringt, das konnten die Zuhörer gleich zu Beginn erleben: präzise Einsätze, engagiertes Mitmachen, ein sich von diesem Dirigenten Mitnehmenlassen und sein Bestes geben.
Feurige Rhythmen
So kamen die ersten Pizzicati in den Streichern voller Klang und Rhythmus, ebenso die anderen Orchestereinsätze, und die folgende Melodie der Trompeten und Fagotte konnte sich darüber- und hineinsetzen. España besticht mit feurigen Rhythmen und Melodien, die durch alle Instrumentengruppen gehen. Das Publikum war sofort begeistert.
Shen-Chieh Liu, die taiwanesische Klarinettistin, die im Juli ihr Konzertexamen in Trossingen spielen wird, folgte mit dem Klarinettenkonzert von Jean Françaix. Ein hoch virtuoses Stück von 1968 mit vier Sätzen. Liu spielte ihren ersten Einsatz mit so viel Freundlichkeit und Weichheit im Ton und einem wunderbaren Bogen über das Thema, dass die Zuhörer nur hoffen konnten, sie weiterhin möglichst gut hören zu können.
Vom Echo begleitet
Tewinkel gab Acht, dass das Orchester begleitete, ergänzte, antwortete, aber niemals überdeckte. In den vielen Solostellen der Klarinette spielte Liu mit der Kirchenakustik; sie nahm sich Zeit mit den einzelnen Phrasen, ließ den Klang im Raum etwas verklingen, und doch wurde ihr erneuter Einsatz noch vom Echo begleitet.
In Taiwan, meinte Liu in der Pause, bekam sie viel Technikunterricht. Sie wollte, wie viele Studenten aus dem asiatischen Raume, nach Europa kommen, wo die klassische Musik ihre Heimat hat, und hier versuchen, dem Gefühl auf die Spur zu kommen. Sie ist ihm wohl auf die Spur gekommen. Was die Klarinette alles an Klangerzeugungen hervorbringen kann, Françaix zeigt es in seiner Komposition, Liu setzte es um.
Komplex verschachtelt
Die Pavane von Gabriel Fauré nach der Pause war zum Dahinschmelzen; weich, fließend, ruhig, mit Hörner- und Querflötensolo. Warum nur hörte es auf? Es stand das große Orchesterwerk „La mer“ von Claude Debussy an, eines der bedeutendsten Klanggemälde des musikalischen Impressionismus. Im Programm hieß es: Klanggenuss pur! Das war es.
Tewinkel zeigte nochmals, was er mit seiner klaren Vorstellung des musikalischen Geschehens und seinem bewegten Dirigat und pädagogischem Feingefühl nach wenigen Probewochen aus dem Orchester holen kann. Mit großer Durchsichtigkeit wurde das komplex verschachtelte Werk als wahres Klanggemälde in die Kirche geworfen, große Farbkleckse, feine Streifen hellen Lichtes, aufbrausende Wogen, alles nuancenreich ausgelotet.