Das weihnachtliche Konzert in der Martinskirche war ein musikalischer Genuss. Foto: Franzki

Das weihnachtliche Konzert in der Martinskirche überzeugt mit anspruchsvoller Musikalität.

Ein vor Freude überschäumender Eingangschor eröffnete das glanzvolle weihnachtliche Konzert in der Martinskirche. Es ist wohl die berühmteste und am meisten berührende Komposition zur Feier der Geburt Jesu: „Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“, ruft der Chor, untermalt vom virtuosen Orchester. Johann Sebastian Bach hat mit seinem Weihnachtsoratorium ein Werk christlicher Kultur geschaffen, das weltweit zur Tradition dieses Festes dazugehört.

 

Kantor Steffen Mark Schwarz hat die Teile I und VI des Oratoriums mit der Kantorei der Martinskirche einstudiert und zugleich beide Teile als Rahmen verwendet: Dazwischen erklang Musik Mozarts, die „Vesperae solennes de Confessore“, zum festlichen Gedenken an „Bekenner“ des christlichen Glaubens. Beide Werke verbindet Freude und jubelnder Charakter der Musik. Zwei Instrumente wurden daher von Bach und von Mozart unüberhörbar eingesetzt: Pauken und Trompeten verstärken die frohe und festliche Grundstimmung.

Den Spannungsbogen gehalten

Schwungvoll und präzise unterstützte das Schwarzwald Kammerorchester den Chor der Martinskirche. Konzertmeisterin Gesa Jenne-Dönneweg führte das Orchester sicher und mit klaren Gesten an. Auch die Gesangssolisten wurden vom Orchester einfühlsam und mit hoher Musikalität begleitet.

Der Tenor David Krahl übernahm schon im ersten Teil des Weihnachtsoratoriums die anspruchsvolle Aufgabe, die biblischen Texte aus Lukas- und Matthäusevangelium singend zu „erzählen“. Die umfangreichen Textpassagen waren sehr gut zu verstehen und Krahl verstand es, den Spannungsbogen zu halten.

Für den erkrankten Bassisten Jasper Lampe war kurzfristig Andi Jin eingesprungen. In der mächtigen Bass-Arie „Großer Herr, starker König“ brachte er seine warme und kräftige Stimme im konzertanten Wettstreit mit den Trompeten sehr gut zu Gehör.

Mit ihrer angenehmen und tragenden Stimme hat die Altistin Leandra Nitzsche die Zuhörer in der Arie „Bereite dich Zion“ die Zuhörer zusammen mit dem Orchester auf das weihnachtliche Geschehen in Bethlehem eingestimmt.

Mit klarer und reiner Stimme

Die Sopranistin Karera Fujita hatte besonders in Mozarts „Vesperae“ Gelegenheit, ihr Können in einer der schönsten Vertonungen Mozarts, dem „Laudate Dominum“, zu zeigen. Mit klarer und reiner Stimme füllte sie den weiten Kirchenraum. Respektvoll und zurückhaltend antwortete der Chor, um sich dann ins strahlende Forte zu steigern. Jens Wollenschläger füllte den sehr anspruchsvollen Part der Orgelbegleitung souverän aus.

Im sechsten Teil des Weihnachtsoratoriums, komponiert für das Fest Epiphanias – Dreikönig – am 6. Januar, verstärkten virtuose Trompeten den mächtigen Chor, der überzeugend die Glaubensgewissheit vortrug: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Im Kontrast dazu zeigte der Chor seine Flexibilität im ruhigen und innigen Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“.

Reichtum an weihnachtlichen Stimmungen

Damit hat es Kantor Steffen Mark Schwarz meisterhaft verstanden, den Reichtum an weihnachtlichen Stimmungen in diesem Werk, Freude, Dankbarkeit, Staunen und Innigkeit mit allen Mitwirkenden musikalisch zum Ausdruck zu bringen. Alle Mitwirkenden haben gezeigt, dass sie den Ansprüchen dieser besonderen Werke mehr als genügen. Nach dem letzten Ton und angemessener Stille dankten die Zuhörer mit langem und herzlichen Beifall.