Zwölfe auf einen Schlag! Natürlich sind nicht Fliegen gemeint, sondern zwölf Posaunen, die beim ersten Konzert des Jahres im Würfelsaal der Trossinger Volksbank den Raum zum Beben brachten.
Kris Garfitt, seit dem Wintersemester der neue Posaunenprofessor an der Musikhochschule Trossingen und neben seinen solistischen Erfolgen begeisterter Pädagoge, stellte seine Klasse vor – vier Frauen und acht Männer, allesamt hochmotiviert und mit vollem Einsatz bei der Sache.
Interessant war der Beginn des Konzertes. Das Licht wurde gedimmt, es herrschte gespannte Stille.
Dann spielten jeweils vier Studierende zuerst in der Garderobe, danach in der hinteren Ecke des Saals, dann vor dem Publikum „Drei Equale“ von Beethoven, Trauerstücke, die an Allerseelen oder bei Beerdigungen gespielt wurden. Es war ein sehr warmer Klang, der immer näher rückte, zum Angewöhnen sozusagen, denn danach überflutete der Sound von zwölf Posaunen die Hörorgane des Publikums.
Stilistische Vielfalt
Originalkompositionen und Bearbeitungen wechselten sich ab, stilistisch war die gesamte Bandbreite von Barock bis Jazz vertreten. Die Auswahl der Stücke war so konzipiert, dass sowohl das gesamte Ensemble sein gutes Zusammenspiel als auch einzelne Spieler und Spielerinnen ihre solistischen Fähigkeiten präsentieren konnten.
So traten beispielsweise die beiden Posaunistinnen Jimena Martin Pérez und Jin Kim hervor und übernahmen mit warmem Ton und schöner Phrasierung die Rollen der Singstimmen in César Francks „Panis Angelicus“. Und Professor Kris Garfitt brillierte in Werken von Joseph Guy Ropartz, eine geballte Ladung an romantischem Überschwang, und der „HOT Suite“ von Erwin Schulhoff, mitreißend in der Verbindung von Klassik und Jazz. Das gesamte Ensemble begleitete die Solisten einfühlsam und so, dass die Solostimmen nie übertönt wurden.
Aufregende Momente
Wenn Professor Garfitt spielte, übernahm sein Schüler Junior Alfredo Mamani Ramon das Dirigieren, feinfühlig und bestens mit den Partituren vertraut. Die einzelnen Studierenden waren aber nicht nur bei der Interpretation der technisch anspruchsvollen Werke gefordert, sie übernahmen auch die Ansagen der einzelnen Programmpunkte. Und das war gewiss für einige von ihnen der aufregendste Moment des Abends, mussten sie doch in einer für sie fremden Sprache teils recht schwierige Worte hervorbringen.
Sie konnten aber auch über sich selber schmunzeln, was die Ansagen zu vergnüglichen Unterbrechungen des musikalischen Geschehens machte.
Da Professor Garfitt vor dem letzten Stück schon andeutete, dass es bei genügend Applaus eine Zugabe geben würde, steigerte das Publikum die Intensität des Beifalls noch und erwirkte dadurch einen fetzigen „Rausschmeißer“ des amerikanischen Jazzposaunisten Tommy Dorsey.