Ein Teenie-Star kehrt zurück und lässt die Gitarren donnern: LaFee hat in Stuttgart alte und neue Songs gespielt. Bilder und Kritik vom Konzert im LKA/Longhorn.
Sie war ein Teenie-Star des neuen Jahrtausends, sie war noch keine 16 Jahre alt, als ihre erste Single erschien, in einer Zeit, in der die jungen Künstler der Popmusik noch nicht allein durch digitale Medien berühmt wurden. Christina Klein nannte sich LaFee und nennt sich so noch immer. Sie ist nun 34 und vor vier Jahren mit einem neuen Album zurückgekehrt. Sie ist erwachsen geworden, sie hat geheiratet, und sie inszeniert sich sehr selbstbewusst im LKA am Dienstagabend. Dorthin wurde ihr Konzert verlegt, weil das Wizemann zu klein schien. Rund Tausend Menschen sind nun da, füllen die Halle zu zwei Dritteln.
LaFees Publikum ist jung
„Schatten & Licht“ heißt LaFees neues Werk, keine drei Wochen sind seit der Veröffentlichung vergangen. LaFee hat fraglos viele neue Fans gewonnen, denn ein großer Teil des Publikums ist zu jung, um ganz am Anfang dabei gewesen zu sein, manch einer älteren Besucherin traut man indes zu, mütterliche Begleitperson zu sein. LaFee liebt die große Show, gibt sich publikumsnah, singt auch von schwierigen Themen, singt von Gefühlen, Konflikten, gibt sich auch bissig. Vor ihr tritt mit Meller eine junge Sängerin auf, die ganz klar sagt, dass sie in ihrer Jugend von LaFee beeinflusst wurde. Auch sie setzt dramatische Akzente, stellt Balladen neben rhythmische Songs, trägt introvertierte Texte vor und tobt sich dann aus. Ehe LaFee selbst die Bühne betritt, werden sehr laut noch andere alte Hits eingespielt, von Juli oder Tokio Hotel – und das Publikum, schon ganz in Stimmung, singt sie alle mit.
LaFee erscheint in einer Flut aus weißem Licht, und sie trägt Schwarz. Ihr Kostüm wirkt fantastisch, ein wenig finster, ihre Haare sind zu dünnen Zöpfen geflochten. Sie gleicht einer Märchenfee, von der man nicht so recht weiß, ob sie eine gute oder eine böse ist. Zuerst trägt sie noch einen sehr weiten Rock in Schwarz und Weiß. In der zweiten Hälfte des Konzertes wird sie dann ganz in Weiß auftreten.
Ihre Umkleidepause überbrückt die Band mit einem langen Instrumentalstück, Vorzeigenummer für Jean Bormann an der Gitarre. Bormann und Schlagzeuger Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos gehören auch der Metal-Band Rage an und begleiten LaFee zusammen mit Marco Grasshoff und Robin Simon am Bass seit 2024. Für die instrumentale Wucht ist gesorgt, das Umkleidestück schichtet harte Gitarrensounds zu einem metallischen Gebirge auf, man darf Jean Bormanns Vorbilder raten. LaFee selbst schwärmt von ihrem Gitarristen, von seinen langen Haaren im Besonderen, und verrät einmal den Fans, dass Bassist Robin Simon als einziges Bandmitglied noch zu haben ist.
LaFee spielt auch ihren Hit „Virus“
Die Nostalgie, die LaFee den Fans auch verspricht, wird größer, je später der Abend, zuletzt kommt „Virus“, der Hit, der sie bekannt machte. Davor spielt sie mit ihrer Band das neue Album fast vollständig. „Ihr kriegt mich nicht kaputt, ich bin eure Königin der Nacht“, singt sie und lässt ein hämisches Kichern auf lauten Donner folgen. In „Gespenster“ singt sie von ihren Gefühlen als Mutter, ihren Sorgen: „Sag dir nur, dass das Gute gewinnt. Was aber, wenn das nicht stimmt?“ „Mitternacht“ handelt von Kindesmissbrauch.
Eines verrät LaFee ihren Fans früh am Abend: Dass sie tags zuvor schon angereist ist, dass sie sich für Stuttgart Zeit genommen hat. „Ich liebe ja Köln, ich lebe dort“, sagt sie. „Aber gestern Abend bin ich hier angekommen, und das erste, was ich zu meinem Mann gesagt habe, als wir durch die Stadt gingen, war: Wir sollten uns überlegen, ob wir nach Stuttgart ziehen.“ Die Menschen in Stuttgart, sagt sie, seien alle sehr herzlich. Und ihre Fans, findet sie, sind sehr gut drauf, unbedingt.