Lotta Kummer von Blond beim Auftritt im Wizemann Foto: Ferdinando Iannone

Die Chemnitzer Band Blond begeistert in Stuttgart mit frechem Indiepop: charmant, mit Glitzer und lässig-punkig. Bilder, Kritik und Setlist vom Konzert im ausverkauften Wizemann.

„Wasch dein Gesicht gegen das System“ – oder „Kauf Viva-la-Vulva-Wein“: Beides, so sagt es zumindest die Band Blond, würde nur wenig bringen, um die Welt zu retten – Konsum gegen Ungerechtigkeiten könne keine Lösung sein, singen sie in ihrem aktuellen Hit „Girlboss“, der an diesem Abend als große Zugabe läuft.

 

Für ihre „Ich träum' doch nur von Liebe“-Tour hat das Chemnitzer Trio um die Schwestern Lotta und Nina Kummer, wiederum verwandt mit Kraftklubs Felix und Till Kummer, am Samstagabend die Wizemann-Halle gekapert. Rund 1500 Fans stimmen schon vor Konzertbeginn Parolen aus dem „Blondiversum“ an, halten Plakate hoch und sorgen für eine ausgelassene Stimmung – viele hier sind erprobte Blond-Konzertgängerinnen und – gänger und eingeweiht in die Rituale, die das mit sich bringt, wie auf dem Boden stampfen, oder etwa auch mal Pferde- und Schafsgeräusche imitieren.

Blond pendeln zwischen Pop, Punk und Disco

Pünktlich um Neun treten Blond mit pastellfarbenem Vorhang und in Tüll auf die Bühne und starten mit „16, Jahr, blondes Haar“ vom neuen Album – ein Stück über Sex mit Minderjährigen. Wie selbstverständlich verweben Blond Gesellschaftskritik mit Humor und Ironie, von sehr ernst zu sehr locker und brechen dadurch Tabus.

Lotta (25) und Nina Kummer (28) und Bandkollege Johann Bonitz (28) liefern einen dynamischen Auftritt, der zwischen Pop, Punk und Disco pendelt. Sie tanzen synchron, hauen in die Drums und toben sich für gut neunzig Minuten zu ihrem neuen Album aus. Im Song „Ich wär so gern gelenkiger“ – einem augenzwinkernden Stück über Selbstbefriedigung – erscheinen wie selbstverständlich große aufblasbare Klitorides auf der Bühne und werden dort den Rest des Abends bleiben – also doch Viva-La-Vulva.

Toll kitschig: „Ohne dich“ von der Münchener Freiheit

Blond stehen seit vierzehn Jahren gemeinsam auf der Bühne. Am Abend erinnern sie in einer kurzen Pause an ihren ersten Stuttgart-Auftritt im Café Galao vor 30 Menschen. Zur Mitte des Konzerts wechseln sie auf eine kleine Bühne in der hinteren Halle. Dort, auf einer überdimensionierten Schwanenfigur, interpretieren sie den Münchener-Freiheit-Klassiker „Ohne dich“ aus dem jahr 1986 – ein toller kitschiger Moment.

Wie entspannt es bei Blond zugeht, sieht man auch, wenn wie selbstverständlich auch männliche Fans mitfeiern, während die Band in „Es könnte grad nicht schöner sein“ die Zeile „Bloody storm in my uterus“ singt, also über Menstruationsbeschwerden klagt. Je später der Abend, desto bunter wird das alles und erinnert ein wenig an eine Mischung aus Manga-Show und Clubnacht, Happy-Techno inbegriffen. In „Männer“ singen sie von der ungleich verteilten, männlich dominierten Musikbranche – und lassen es nochmal krachen.

Blond: Setlist vom Konzert in Stuttgart

  • 16 Jahr, blondes Haar
  • mein boy
  • Ich wär so gern gelenkiger
  • Ich sage ja
  • Lotta und Nina
  • So hot
  • Bare Minimum
  • oberkörperfrei
  • Fliederbusch
  • Ohne Dich (schlaf’ ich heut Nacht nicht ein)
  • Thorsten / Spinaci
  • Es könnte grad nicht schöner sein
  • Wie du
  • Geile Bitch
  • Zugaben
  • Intro
  • SB-Kassen Lover
  • Männer
  • Girl Boss

Blond: Weitere Tourtermine im November 2025

  • 17.11.25 Frankfurt/Main Batschkapp(ausverkauft)
  • 18.11.25 Köln Palladium
  • 19.11.25 Hamburg Inselpark Arena
  • 20.11.25 Berlin Columbiahalle (ausverkauft)
  • 22.11.25 Leipzig Haus Auensee (ausverkauft)

Im April 2026 setzen Blond die „Ich träum’ doch nur von Liebe“-Tour fort.