Geisha Boys und Temple Girls tanzen nicht für Faschisten: Heaven 17 am Samstag in Stuttgart: Martyn Ware (links) und Glenn Gregory Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

„Temptation“, „Let Me Go“ und ein politisches Statement: Die Synthiepopband Heaven 17 hat in Stuttgart ein großartiges Konzert gegeben. Setlist, Bilder und Kritik vom Auftritt im Wizemann.

Glenn Gregory zeigt Richtung Ausgang. „Jetzt geht aber endlich nach Hause!“ Gerade haben die rund 800 Fans in der Halle im Wizemann nach dem Zugabenteil einfach so lange weitergeklatscht, bis er doch noch einmal zurück gekommen ist und erst zur Akustikgitarre „The Power Of Love“ von Frankie Goes To Hollywood und dann mit Klavierbegleitung David Bowies „Live On Mars“ gesungen hat. Nach zwei Stunden geht so das großartige Konzert von Heaven 17 in Stuttgart zu Ende.

 

Heaven-17-Hits „Temptation“ und „Let Me Go“

Davor hat die Band aus Sheffield, die wie kaum eine andere den Synthiepop der frühen 1980er Jahre bestimmt hat, nicht nur grandiose Live-Versionen von Hits wie „Temptation“ oder „Let Me Go“ gespielt, sondern auch sonst wunderbar unterhalten: Gregory singt zusammen mit Keyboarder Martyn Ware, mit dem er im Jahr 1980 Heaven 17 gegründet hat, eine Coverversion des Songs „You’ve Lost That Lovin’ Feelin’“, das Ware einst auch in seiner ersten Band The Human League sang. Als er den Song „Geisha Boys And Temple Girls“ ankündigt, erzählt Gregory davon, wie gefährlich es für Ware und ihn damals war, wenn sie sich schrill herausgeputzt am Wochenende in Sheffield auf den Weg in einen Club machten. Und Ware, der am Freitag ein goldglänzendes Outfit mit Glitzerhut anhat, verrät: „So was ziehe ich immer auch an, wenn ich einkaufen gehe.“

Human Leagues „Being Boiled“

Verstärkt werden die beiden Originalmitglieder von Heaven 17 (Ian Craig Marsh, das dritte Gründungsmitglied, verließ 2007 unter mysteriösen Umständen die Band) live von der Keyboarderin Flo Sabeva und den Sängerinnen Kelly Barnes und Rachel Meadows. Bei der Show begeistern sie zum Beispiel auch mit ihrer eigenen Version des Human-League-Hits „Being Boiled“, den Ware im Jahr 1978 mitkomponiert hat. Und der Synthesizer, an dem der Song damals entstand, kommt am Samstag tatsächlich in Stuttgart auf der Bühne zum Einsatz.

Protest gegen Faschismus und Rassismus

Heaven 17 spielen aber auch ihre Debütsingle aus dem Jahr 1981: In dem Discofunk-Track „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ positionierten sich Heaven 17 gleich so explizit politisch, dass die BBC den Song nicht spielen wollte. Vor dem Hintergrund, dass damals in den USA Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt wurde, war und ist diese Nummer ein Protestsong gegen Faschismus und Rassismus – und damit heute immer noch so aktuell wie vor 44 Jahren.

Heaven 17: Setlist in Stuttgart

  • Crushed by the Wheels of Industry
  • (We Don’t Need This) Fascist Groove Thang
  • Play to Win
  • Geisha Boys and Temple Girls
  • Come Live With Me
  • We Live So Fast
  • You’ve Lost That Lovin’ Feelin’
  • Don’t You Want Me (nur erste Strophe)
  • And That’s No Lie
  • This Is Mine
  • Trouble
  • I’m Your Money
  • Let Me Go
  • Penthouse and Pavement
  • Temptation
  • Zugaben
  • Perfect Day
  • Let’s Dance
  • Being Boiled
  • The Power Of Love
  • Life on Mars?