Levi Wijk kommt aus Stuttgart, reist als DJ unter den Namen Bunt. um die Welt. Im ausverkauften Wizemann begeistert er mit Beats und Schwärmereien.
Er erinnert sich noch an seine Jugend, er erlebte sie in Ludwigsburg, wurde geboren in Stuttgart, und staunt: Nun steht er hier, in der Mitte des großen Saals im Wizemann, um ihn her tobt eine Menge, er ist der Star, der international angesagte DJ, Produzent. Er tourte durch die ganze Welt, bespielte ausverkaufte Hallen, gibt nun noch einige Konzerte in der Heimat. BUNT., bürgerlich Levi Wijk, tritt zweimal in Folge im Wizemann auf. Am Sonntagabend, beim ersten der beiden Termine, ist das Wizemann, was angesichts der katastrophalen Verkehrssituation vor Ort fast wundert, randvoll. Zwei Jahre zuvor spielte Bunt. im kleineren Saal des Wizemann, vor sehr viel kleinerem Publikum.
Bunt. hat sein DJ-Pult mitten im Raum
Schon Ironic, das DJ Duo, das für Bunt. einheizt, hat die Menge gut im Griff, befeuert sie mit exotischen Beats, bringt sie dazu, zu tanzen und zu singen. Aber diese DJs stehen noch auf einer Bühne, am Ende der Halle. Ganz anders Bunt.: Er tritt auf im Laufschritt, dicht gefolgt von einem Kameramann, joggt an seinen Fans vorbei zum Pult, das leicht erhöht mitten im Raum steht, stürzt an seine Regler und ist Ekstase vom ersten Augenblick an: Ein 29-Jähriger im Trikot, der keinen Augenblick still steht, der auf der Stelle hüpft, der unablässig mit seinen Armen um sich wirft, der schwitzt und strahlt, das Publikum anfeuert und nebenher Musik gestaltet, Rhythmen, Beats, Chöre auf und abblendet, ineinander fließen lässt.
„Stuttgart, wie geht’s euch“, sagt er nach seinem ersten Stück, in schelmischem Ton. Und erzählt von den Jobs, die er hatte, damals, in Stuttgart. Die schiere Euphorie ist sein Rezept: Auf den T-Shirts, die er verkauft, steht „Happy to be alive“ oder „You care for me when no one else is there form me“. Inmitten von Tanz und Rausch ist Raum für Emotion, Intimität geradezu, keimen familiäre Gefühle, herrscht größter Optimismus. Den Namen Bunt. wählte Levi Wijk, weil er genau so die Welt sehen möchte: bunt und vielfältig. Und den Punkt am Ende des Künstlernamens gibt’s als Bonus dazu.
Folktronica – schnelle Beat uns fröhliche Melodien
Als DJ und Produzent hat Levi Wijk sich einem Genre angeschlossen, das Folktronica genannt wird und Ende der 1990er Jahre entstand. Vor allem aber er vom House-Sound, der zu Beginn der 1990er Jahre seine große Zeit erlebte. Immer wieder kommt das Gerüst aus trockenen, schnellen Beats mit variierenden Akzenten zum Vorschein, das seine Musik trägt. Über dieses Gerüst legt Bunt.. seine fröhlichen Melodien, seine Stimmen, verfremdet, flüsternd, singend, mit flirrenden Klangeffekten verziert, die auf dem Rhythmus davontanzen.
Anders als beim House spinnen sich die Beats nicht ins Endlose davon – Bunt. spielt Songs, die sich voneinander absetzen, niemals zu lange dauern. Er lässt die langen, pumpenden Strecken in ruhige Momente, Klangflächen aufgehen, zaubert immer neue Überraschungen herbei, arbeitet viel mit Sprache, mit Slogans, Refrains. Sie leuchten auf der Bildwand, die doch noch hinter der Bühne steht, sprechen vor allem emotionale Themen an: „So keep me here“ steht da, oder: „We will find Peace“, oder: „Don’t lose it all“. Und inmitten all der klingelnden Stimmen und zackenden Beats ist erstaunlich oft auch von Traurigkeit und Stärke die Rede.
Bunt. macht Musik, die ein Gemeinschaftsgefühl stiftet
„Anybody! Anybody!“ leuchtet nun die Schrift, dieselben Worte singen die Fans, und: „I think I’m tripping“. Bunt. hat sich im Wizemann vom rauen Boden der Wirklichkeit gelöst – lautlos und plötzlich ist er mit seinem runden DJ-Pult zur Hallendecke aufgefahren. Die Plattform wird sich wieder senken, wieder aufsteigen. Gut 90 Minuten wird Bunt. seine Fans begeistern mit Retroelektronik, recycelter Tanzmusik, erhebend schlichten Melodien, großem Gemeinschaftsgefühl: Eine bunte Mischung.
Bunt. Auch das zweite Konzert im Wizemann am Montag, 10. November, ist ausverkauft.