Günter Buchwald spielte wenn nötig auch Geige und Klavier zur gleichen Zeit. Foto: Buchta

Mit Klavier und Geige machte Günter Buchwald am Sonntag in der Reihe der Konzerte im Blauen Salon den Rathaussaal zum Stummfilm-Kino.

Fast voll besetzt war der Blaue Salon am Sonntag zum Stummfilmkonzert „Als die Bilder laufen lernten“. Von Anfang an konnte man über Günter Buchwalds einfühlsam improvisierte Filmmusik nur staunen: Mit welcher fast schon traumwandlerischen Sicherheit er mit seiner Musik haargenau die Stimmungslage der Filmszenen traf und die Eindrücke für die Zuschauer eindrucksvoll vertiefte, das war schon einzigartig.

 

Ausgewählt hatten Buchwald und der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Oliver Schell, Stummfilme mit den „Kleinen Strolchen“, mit Stan Laurel und Oliver Hardy alias „Dick und Doof“, Buster Keaton und Stummfilm-Großmeister Charlie Chaplin. „Den Klaviertransport von Laurel und Hardy habe ich selbst ausgesucht“, sagte Schell zu Beginn – aus einsichtigen Gründen.

Von Klaviertransporten und Wildtierschauen

Der Stummfilmabend begann mit den „Kleinen Strolchen“ und ihrer Nummer „Aufruhr im Hotel Zirkus“, die Hal Roach mit seinem Sinn für kindlichen Humor 1922 drehte: Höchst dramatisch und dabei federleicht, wurde die Geschichte mit Buchwalds Spiel eingeleitet. Mit ihrem treuherzigen Hund und allerlei verkleidetem Getier versetzen die „Kleinen Strolche“ mit ihrer großen Wildtierschau ein ganzes Hotel in Aufruhr – jede Szene zündend musikalisch unterlegt.

Weiter ging’s mit Stan Laurels und Oliver Hardys „Der zermürbende Klaviertransport“. Der 1932 gedrehte Slapstick-Film reichte bereits in die Tonfilmära. Für die vom Klavier begleitete Aufführung wurde der Original-Ton einfach abgeschaltet. „Es ist ohnehin unerheblich, was die beiden schwätzen“, erklärte Buchwald. Einfühlsam und ein wenig schadenfroh, begleitete er das Duo bei seinem schweißtreibenden und letztlich unnötigen Klaviertransport.

Ein Synonym für den Hollywood-Stummfilm ist Charlie Chaplin, von dem der 1919 gedrehte Film „Der Vagabund“ gezeigt wurde: Eine Geschichte, gespickt mit Chaplins raffiniert choreografierten und vom Klavier noch weiter angetriebenen Verfolgungsjagden. Aber auch eine ergreifende Liebesgeschichte, bei deren berührendsten Szenen Buchwald parallel zum Klavierspiel zur Geige griff und mit musikalischen Anleihen an die Romantik die tiefsten Gefühle des Vagabunden offenlegte – ein kleines Kunstwerk an musikalischer Filmbegleitung.

Publikum war begeistert und forderte eine Zugabe

Der letzte Film widmete sich dem künstlerisch oft unterschätzten Buster Keaton, der auch seine gewagtesten Stunts stets selbst absolvierte. Der Film „One Week“ wurde 1920 gedreht. Zur Hochzeit seiner Sybil baut er darin ein in Kisten verpacktes Heim nach Anleitung zusammen. Da kamen Ikea-Gefühle auf, durch die Ragtime-Musik noch verstärkt bis hin zum bitteren Ende durch einen ungerührt das Haus durchquerenden Zug.

Der Beifall der begeisterten Zuhörer war gewaltig – und das Publikum wollte mehr. Als Zugabe gab’s den kurzen Spielfilm eines anonymen Autors „Premier Prix de violincelle“ von 1907. Da regneten auf einen Straßenmusikanten in einem Pariser Hinterhof statt Geld Mengen von Unrat, während der Cellist ungerührt weiterspielte.