Die Sängerin Dagmar Egger stand zusammen mit Reinhold Hettich an der Hammond-Orgel, Joe Kenny am Schlagzeug und Gitarrist Rares Popsa im Wolfacher Schloss auf der Bühne. Foto: Dorn

Die Band und die Sängerin Dagmar Egger begeisterte das Publikum. Über zwei Stunden ergänzten sich die internationalen Musiker gegenseitig auf vielseitige Weise. Ein Instrument stach besonders hervor.

Mit dem „Hammond-Jazz-Night-Trio“ hatte der Wolfacher Verein „Kultur im Schloss“ am Mittwoch mit Sängerin Dagmar Egger aus Allensbach, Organist Reinhold Hettich aus Schramberg, dem US-Amerikaner Joe Kenny am Schlagzeug und Gitarrist Rares Popsa aus Rumänien eine multinationale Combo in die Wolfacher Schlosshalle eingeladen.

 

Der Star des Abends war eindeutig die an eine biedere Wohnzimmergarnitur erinnernde Kombination aus Hammond-Orgel und Leslie-Verstärkerschrank. Reinhold „Mr. Music“ Hettich aus Schramberg erinnerte in seinen Moderationen mehrfach an seine wilde Jazz-Vergangenheit mit der Hammond-Orgel: Treppauf, treppab in schwäbischen Jazz-Kellern mit dem gut 100 Kilogramm schweren ikonischen B3-Modell haben Instrument und Musiker über die Jahrzehnte zu einer Einheit werden lassen.

Mit einem üppigen Intro rief Hettich dem Wolfacher Publikum den typischen elektro-mechanischen Sound der Hammond-Orgel ins Gedächtnis, schon nach wenigen Takten brandete spontaner Szenenapplaus auf. Rares Popsa nahm mit feinen Akkorden an der E-Gitarre den Ball gekonnt auf. Zwischen den beiden platziert beschränkte sich Joe Kenny am Schlagzeug zunächst auf das Streicheln der Becken mit dem Besen, mit den Drumsticks wurden maximal die Trommeln nur von außen sanft touchiert. Die ganz in rot gekleidete Sängerin Dagmar Egger suchte und fand mit ihrer Alt-Stimme im Bossanova „Triste“ selbstbewusst ihren Platz zwischen den drei musikalischen Talenten.

Sängerin beeindruckt mit Alt-Stimme

Im langsamen Stück „Angel eyes“ gab Egger die „Femme fatale“ in den whiskygeschwängerten Stunden zwischen Mitternacht und Morgengrauen, wenn nur noch wenige Gäste den Barmann und die Musiker vom Feierabend abzuhalten suchen.

Band und Sängerin ergänzen sich kreativ

Mit einem Pianisten statt einem Hammond-Organisten hätte sich Egger im roten Kleid womöglich wie bei den berühmten „Baker Boys“ über den Flügel gelegt, mit Hammond-Orgel und im Hosenanzug beließ es die Sängerin beim Anlehnen an den Leslie-Verstärkerschrank. In diesem Setting war für Publikum und Band gut zwei Stunden Wohlfühl-Atmosphäre angesagt.

Mit „Ready and able“ im Bebop der 40er testete die Band die Tempolimits in der Schlosshalle aus, „My funny valentine“ bot den drei Musikern die Gelegenheit zur Erholung, im Klassiker „cheek to cheek“ forderte Egger die Band keck zu weiteren „Up-tempo-Läufen“ auf, was Hettich und Popsa mit Improvisationen nicht unkommentiert ließen.

Nach der Pause war Schlagzeuger Kenny eine deutlich härtere Gangart erlaubt, in „Not for me“ entlockte Hettich der Hammond-Orgel weitere bislang ungehörte Klangeffekte, die Popsa an der E-Gitarre nach kurzem Überlegen lässig kontern konnte. Schlagzeuger und Sängerin gaben das gut eingespielte Schiedsrichtergespann. Für die Ode „Georgia (on my mind)“ legten Organist und Gitarrist den Wettbewerbsgedanken für wunderbare fast zehn Minuten beiseite – wohl das schönste Stück des Abends.

Viel Applaus zum Ende

Drei weitere Stücke bereiteten das Publikum auf das große Finale vor, es gelang kaum noch, die Füße stillzuhalten und nicht dem Groove der Hammond-Orgel zu folgen. Die Zugabe „Son of a preacherman“ war dann von der Stimmung auch der Höhepunkt des Konzerts, mit seinem knapp zweiminütigen Outro an der Hammond-Orgel führte Hettich seine Musikerkollegen mehrmals in die Irre, beide waren sichtlich bereit, jedes Tempo und jeden Musikstil aufzunehmen, eine weitere Zugabe blieb jedoch aus. Mit viel Beifall verabschiedete das Publikum das „Hammond Jazz Trio“.

Der Veranstalter

Der Verein „Kultur im Schloss Wolfach“ organisiert regelmäßig Veranstaltungen im und um das Schloss Wolfach. Das Konzert war Teil der Reihe „Mittwochs im Museum“. Weitere Termine der Serie sind am 7. August („Picknick unterm Lindenbaum mit den Biermösels“), am 4. September (Konzert „Thilo Lutz and Friends“) und am 2. Oktober („Musik mit Speck und Bratwurst“).