Stuttgart ist wieder einmal lauter als andere Städte: Im ausverkauften LKA/Longhorn hat die Sängerin Sophia die positive Energie gefeiert.
Mag es an der bekannten Zuverlässigkeit des öffentlichen Personennahverkehrs in der Region Stuttgart liegen. Mag es daran liegen, dass dieses Konzert vor allem von sehr jungen Menschen besucht wird in Begleitung von Erziehungsberechtigten, die ohnehin gerne Auto fahren: Wer am Dienstagabend zu Sophia ins LKA/Longhorn will, der muss möglicherweise lange Wege im Regen auf sich nehmen, denn jeder Parkplatz ist besetzt und der Konzertsaal restlos ausverkauft. Sophia wird gefeiert, vor allem von den Jüngsten, und sie entschädigt alle für alles mit sehr viel positiver Energie.
In der Halle sieht man junge Frauen, Mädchen und auch Fans, die so groß sind, dass sie noch locker im mütterlichen Arm schlummern oder von dort aus über alle Köpfe hinweg zur Bühne spähen können. Sophia macht es ihnen allen recht: Sie steht pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne, und sie hat noch vor 22 Uhr alles gesagt und gesungen, was für sie zu sagen und singen war.
Sophias „Durch die Blume“-Tour
Eigentlich heißt Sophia Sophia Bauckloh, stammt aus Wetter, einer Kleinstadt im Ruhrgebiet, und ist seit Juni 30 Jahre alt. Sie war 17, als sie an der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ teilnahm, jedoch früh ausschied. Vor fünf Jahren begann sie, ihre Musik zu veröffentlichen, versorgt seither ihr Publikum zuverlässig mit Songs und manchmal einem Album. „Durch die Blume“, erschienen am 6. Februar, kam gleich auf Platz drei der deutschen Albumcharts und gibt Sophias Tour den Namen.
Sophia besitzt eine helle, warme Stimme und ein überaus offenes, einnehmendes Auftreten. Die Musiker – Lenni an der Gitarre, Jorge am Schlagzeug und Jonas alias Chocho an den Keyboards – tun das ihrige, um den Abend abwechslungsreich zu gestalten, und das ist nicht wenig: Es gibt ein knappes Schlagzeugsolo, es gibt den Klang von akustischer und elektrischer Gitarre, auch einmal ein gut zupackendes Solo, das jeder Rockband gut stehen würde, und Keyboardflächen, Farben, die dem Melodien immer neue Gewänder anlegen.
Sophia predigt Selbstbewusstsein
Über alledem Sophia selbst, die mit frischer Energie vor allem den Mädchen und jungen Frauen Mut zuspricht, eine Predigerin des Selbstbewusstseins, die zu ihrer Party einlädt und sich überdies jederzeit ein Prädikat wie „besonders wertvoll“ holen würde, in pädagogischer Hinsicht.
Sophias Bühne besitzt mehrere breite Stufen. Sie tritt ganz oben auf, in einem cremefarben glitzernden Freizeitanzug und muss sich später dort auch von einem Mitglied ihrer Crew bemängeln lassen: „Wie siehst du denn aus! Was trägst du denn! Zieh den Bauch ein!“ Aber das ist Showelement, gehört zu einem Song der heißt „Unsympathisch“ – „Jaja“, singt sie, „schon klar, wie’s gemeint ist, nur ein guter alter Rat, bis mir dann einfällt, ich hab gar nicht gefragt.“
Sophias Songs sind Hymnen auf die eigene Stärke
Und so sind viele von Sophias Songs, eigentlich alle: Kleine Hymnen auf die eigene Stärke, den Mut, das Durchhaltevermögen, die Kraft. Zum Mitsingen bringt sie ihre Fans schon beim zweiten Song des Abends, bei „Durch die Blume“ – sie ruft: „Es muss nicht schön klingen, es muss nur schön laut sein!“ Und alle sind dabei. Immer wieder klingt vor ihrer Bühne ein geschlossener Chor auf, die Texte des neuen Albums kennen längst alle auswendig. „So viel schöner!“, jubeln die Sophia-Fans. „So viel größer!“
Außerdem: „Im letzten Jahr war Stuttgart die lauteste Stadt.“ Das soll auch in diesem Jahr nicht anders sein. „Wenn alle sagen: Träum weiter“, singt Sophia, „dann mach genau das. Was, wenn es klappt?“ Bei einem Stück bittet Sophia eine Zuschauerin auf die Bühne, um mit ihr ein Lied ihrer Wahl zu singen. Da sitzen sie nebeneinander im Scheinwerferlicht. Dann lässt Sophia sich ein Drehrad bringen, um unter jenen Songs, die sich nicht auf ihrer langen Setlist finden, einen auszulosen, dann sie nun doch singt.
Von „Rettungsmission“ bis „Schmetterling“
Und, besonders clever: Es gibt auch einen „Merch-Song“, bei dem Sophia Yannik, der die Accessoires bewacht, auf die Bühne bittet – freundlich und locker singt er sein Lied von all den Sophia-Dingen, die es zu kaufen gibt, ehe die strahlende Künstlerin zurückkehrt und nochmals sieben Stücke vorträgt, von „Rettungsmission“ über „Soziale Batterie“ bis hin zu „Niemals allein“ und „Schmetterling“.