Mehrere Paarungen bietet das Sinfonieorchester VS mit seinem Neujahrskonzert "Hand in Hand". Der musikalische Leiter Achim Fiedler gibt den unterhaltsamen Moderator und schwelgt in dirigentischen Bewegungen. Foto: Kouba

Den Gemeinschaftsgedanken verwirklichte das Sinfonieorchester Villingen-Schwenningen mit seinem Neujahrskonzert "Hand in Hand". Gut disponiert, heiter und spritzig gaben sich Dirigent und Musiker.

VS-Villingen - Zum Jahresauftakt richtete Oberbürgermeister Jürgen Roth das Wort an die Besucher im Franziskaner und hob auf das 50-jährige Bestehen der Doppelstadt ab. Er stellte den neuen Kulturamtschef Lutz Schwarz vor und wünschte, dass alle Menschen "Gemeinsamkeit mit Abstand" erleben, wobei Musik der Katalysator sei. Er hoffte, dass man "gesund, offenherzig und freudig" bleibe. Der OB freute sich, dass 2022 zum Jubiläumsjahr mit einem "besonderen Programm" gestartet werde – Auftakt zum sozialen Miteinander.

"Hand in Hand" versinnbildlichten gekonnt die Musiker

Das Thema "Hand in Hand" setzten die Musiker mit ihrem Maestro Achim Fiedler hundertprozentig um. Man spürte, dass Orchester und Leiter zusammen wuchsen, Verknüpfung durch die bombastischen Jubiläumsfanfare zum einstigen Taktgeber Jörg Iwer existiert, Verbindungen zwischen preußischem und österreichischen Kaisern nachgezeichnet und verbindende Elemente von Roma-Musik und Klassik möglich wurden.

Rund 90 Minuten gute Laune verbreitet

Bestens gelaunt moderierte Achim Fiedler das Programm. Er war froh, spielen zu können und wünschte ein glückliches Neues Jahr. Mit Iwers Werk wurde gestartet: mächtig, mit Pauken und Trompeten, anschwellendem Orchester, sanften Streicherklängen und abruptem Schluss. Von der Doppelstadt ging es zu K&K-Doppelmonarchie, wobei die Ouvertüre zum "Zigeunerbaron" (Johann Strauß) Geschichtsunterricht mit musikalischen Mitteln andeutete. Denn da tauchte der "Kaiserwalzer" auf, der einst "Hand in Hand" hieß und eine Huldigung an Wilhelm II. und Franz-Joseph I. darstellte, interpretiert mit preußischer Zackigkeit und weanerischem Walzerschwung.

Da wurden kulturelle Bezüge zu den ungarischen Zigeunern mit Csárdás und Polka hergestellt und Walzerseligkeit herübergeholt. Wer kennt nicht das beschwipste Säuseln des "Duidu" von Brüderlein und Schwesterlein aus der "Fledermaus"? Johann Strauss und Bruder Edi formulierten einen Motiv-Nachklang. Dazu lieferte "Pepi" Strauß die Polka mazur "Die Libelle", die über das Schwenninger Moos ohne Froschgequake dahin glitt.

Heiter, spritzig und mitreißend

Die ungarische Seele fing der "Csárdás für Orchester" des Grafen Imre Széchényi ein: feierlich, wehmütig der Lassú und heiter, spritzig, mitreißend der Friss. "All’ ongarese" gelang der Brückenschlag nicht nur von Buda nach Pest, sondern zu den "ungarischen Tänzen Nr. 4 und 6" von Johannes Brahms, die der Norddeutsche von Folklore zu sinfonischen Größe führte.

 Mit der rasanten Schnellpolka "Eljen a Magyar" ließ das Orchester die Ungarn feurig hoch leben und  eilten dem abschließenden "Radetzky-Marsch" entgegen. Das Publikum war hingerissen und feierte minutenlang die Akteure.