Im Ebinger Kräuterkasten hat die Klezmergruppe Jontef ihr neues Programm „In majn Harzn brent a Fajer“ präsentiert. Mit Liebe, Wehmut und Charme erzählten sie – musikalisch wie erzählend – von den großen und kleinen Problemen der Menschen.
Komik und Unbekümmertes, aber auch Nachdenkliches und Trauriges gab es im Kräuterkasten in Ebingen zu hören: Nichts geringeres als menschliche Probleme bot die Klezmergruppe Jontef musikalisch dar – mit all ihren emotionalen Facetten.
Die Musiker mit Michael Chaim Langer, Sprecher und Gesang, Joachim Günther, Klarinette und Akkordeon, Wolfgang Ströle, Geige und Gitarre und Peter Falk mit dem Kontrabass, berichteten Neues und Bekanntes aus dem jiddischen Leben – beginnend mit „Rebbes Tanz“.
Geige, Akkordeon und Kontrabass schaffen die richtige Atmosphäre, mal etwas eintönig, dann gewichtig, dann frisch bewegt und hell, die Stimmen mischen sich ein.
„Gehabt hab ich ein Heim“ – „Gekommen sind sie mit Feindschaft, Hass und Tod“
Es ging aber auch um den verliebten Jungen, der von seinem besten Freund verraten wird; um strafende und einfühlsame Eltern; um die schwierige Brautsuche, wenn man sehr klein gewachsen ist. Es geht aber auch um die düstere Aussicht, einen Mann heiraten zu müssen, den man nicht will.
Wie geht man als Geistlicher mit einem Eindringling um, der angeblich Wunder vollbringen kann? Geldgier und Geldsorgen treiben die Menschen um. Doch richtig betroffen ist man, wenn in „Gehabt habe ich ein Heim“ erzählt wird: „Gekommen sind sie mit Feindschaft, Hass und Tod“.
Das alles wird musikalisch umgesetzt. Geige, Akkordeon, Bass begleiten den Sänger, der gleichzeitig ein genialer Schauspieler ist. Wie er dasteht, mit beiden Beinen fest verankert am Boden, wie er die Leute im Saal mit Blicken fixiert, wie er grinst oder nachdenklich schaut, wie seine ausholenden Arme unterstreichen, was er sagt.
Zur Bestätigung dessen, was er zu sagen hat, unterstützen ihn die Instrumentalisten immer wieder mit ihren Stimmen. Michael Chaim Langer erzählt auch einfach Geschichten: Dann steht man mit ihm unter dem Baum, auf dem das heiratsunwillige Mädchen sitzt; sitzt mit am Tisch, wenn die Frau ihren Ehemann, den verstörten Rabbi, beruhigt.
Die Klarinette führt im Klezmer ihr Eigenleben – trotz musikalischer Begleiter
Etwas Besonderes sind die musikalischen Zwischenspiele: Auf das Gespräch von Mutter und Tochter folgt „zu zweien“ für Geige und Bass, komponiert von Wolfgang Ströle. Der Bass setzt ungewöhnlich hoch ein, darüber schrillt aufgeregt die Geige, der Bass wird beruhigend dunkel. Die Geige spielt allein, dann hat der Bass sein Solo.
Beide treffen sich im Unisono, um sich dann wieder im Duett zu streiten, dann endet das Zwiegespräch ganz leise.
Doch schließlich erklingt die Klarinette. Sie gehört einfach zu Klezmer: Wenn sie ertönt, fühlt man sich angekommen. Begleitet wird sie von Gitarre und Bass, aber sie führt ihr Eigenleben.
Sie jubiliert in höchsten Tönen, spitz oder gebunden, sie schlendert unbekümmert daher, hält abrupt inne. Sie nimmt die Stimmung des vorherigen Liedes „Was Nejes“ auf und wenn sie in ganz tiefen Lagen endet, greift sie die Trauer des folgenden Liedes „Frunse verde“ auf.
Ein musikalischer Festtag, von dem sich die Besucher einer Wiederkehr erhoffen
Auch als Gruppe verkörpert Jontef den Inhalt ihrer Lieder. Ein eingestimmtes Team aus vier Künstlern, die auf einander hören, Kontakt halten, zusammen gehören. Sie vermitteln Schwermut wie auch Leichtigkeit – und bei allen Problemen soll die Freude nicht zu kurz kommen.
„Spiel mir ein Lied aud Jiddisch, erwecken soll es Freude“. Jontef bedeutet Festtag. Dieser Abend war für die Gäste im Kräuterkasten ein Fest, von dem alle hoffen, dass es sich bald wiederholt.