Sechs Musiker des Landespolizeiorchesters unterhielt die Bewohner des Pflegeheims in Dietingen auf musikalische Art. Foto: Kopf

Es wurde geschunkelt, gesummt, mit den Fingern geschnipst und es gab jede Menge Applaus – mit ihrem 30-minütigen Auftritt am Montagvormittag im Dietinger Pflegeheim St. Josef brachte das Landespolizeiorchester gute Laune unter die Heimbewohner.

Dietingen - Zufrieden zeigte sich Heimleiter Reiner Haas im Anschluss an das Ständchen: "Es war eine richtig schöne Veranstaltung. Ich habe die ein oder andere Träne bei den Bewohnern entdeckt, das spricht für sich." Das Konzert war ursprünglich im Garten geplant und dafür schon ein Pavillon aufgebaut. Das regnerische Wetter ließ dies aber nicht zu, so dass nach drinnen ausgewichen wurde. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch, die Zuhörer waren begeistert von der Darbietung des Orchesters.

Die Bandbreite der gespielten Hits reichte dabei von einer Polka, über einen Walzer, bis hin zu Jazz-Stücken aus den 1920er-Jahren. Nicht fehlen durften natürlich auch Klassiker wie "My way" und "New York, New York" von Frank Sinatra, sowie "King of the Road" von Roger Miller. Damit war der Auftritt der Musiker aber noch nicht beendet, denn das Publikum forderte eine Zugabe. Daraufhin gab es noch zwei Strophen von "Lobet den Herrn" zu hören. Reiner Haas textete dies in seiner Danksagung am Ende des Auftritts um. "In unserem Fall müsste das heute ›Lobet die Herren‹ heißen. Vielen Dank für ihren Auftritt, wir würden uns freuen sie hoffentlich bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen."

Der erste Auftritt des Orchesters in Dietingen kam eher zufällig zustande. Während der Corona-Pandemie spielen die musikalischen Profis in Uniform regelmäßig in mehreren Altersheimen, im Laufe der Woche stehen zum Beispiel noch Auftritte in Sindelfingen und Bad Liebenzell an. Eine E-Mail mit der Info wurde landesweit und damit auch an die Heimaufsicht in Dietingen verschickt, woraufhin Reiner Haas die Gelegenheit ergriff und eine "Bewerbung" abschickte. "Sensationell, dass wir dann eine Antwort und Zusage erhalten haben, damit hätten wir nicht unbedingt gerechnet", erklärt Haas.

Bewohner im Takt

Manche der Bewohner haben früher selbst ein Instrument gespielt und waren in Musikvereinen aktiv, insofern war es eine tolle Erinnerung an frühere Zeiten und ein Highlight gleich zu Beginn der Woche. Einige sehr engagierte Damen und Herren aus dem Publikum zeigten auch, dass sie ihr Rhythmusgefühl bei weitem noch nicht verloren haben, sondern immer noch voll im Takt sind. So wurde fleißig geschunkelt, geschnippt und teilweise sogar mit Löffeln mitgeklopft.

Das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg tritt in verschiedenen Besetzungen auf und deckt die ganze Bandbreite der Instrumente ab. So gibt es unter anderem ein Saxophon- und Klarinettenquartett, ein Holzbläserquintett und ein großes Harmonieensemble. Vor Ort in Dietingen war das Blechbläserquintett, bestehend aus zwei Trompeten und je einem Horn, einer Posaune und einer Tuba. Dazu gesellte sich noch ein Schlagzeuger.

Die Wurzeln dieses Landesorchesters reichen zurück bis in die frühen 1900er-Jahre. 1920 wurde die "Polizeimusik Stuttgart" gegründet, unter diesem Namen fanden Auftritte bis 1940 statt, dann sorgte der Zweite Weltkrieg für eine Zwangspause. Im Anschluss daran ging es unter dem Namen "Polizeimusikkorps Stuttgart" weiter, ehe das Ensemble nach weiteren Veränderungen im Jahr 1976 seinen heutigen Namen "Landespolizeiorchester Baden-Württemberg" erhielt.

Der erste Auftritt in Dietingen schien allen Parteien gefallen zu haben, einige der Bewohner bedankten sich persönlich bei den Beamten. Die Musiker waren im Anschluss auch optimistisch, was den Wunsch von Heimleiter Reiner Haas nach einer Wiederholung anbelangt. Dann wird im Pflegeheim St. Josef wieder musiziert und womöglich auch wieder die ein oder andere Träne verdrückt.

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